Kaiserslautern
Nadine Angerer in der Kammgarn: Fischtacos, verschwitzte Trikots und der Betzenberg
Sie war Welt- und Europameisterin, wurde als Weltfußballerin ausgezeichnet – Nadine Angerer hat in knapp zwei Jahrzehnten aktivem Profifußball viel erlebt. Und sie kann gut Geschichten erzählen. Bis nach Kaiserslautern hatte es die 47-Jährige bis Dienstagabend aber noch nie verschlagen. In Sachen Fußball wisse sie aber natürlich, für was die Stadt mit dem Fritz-Walter-Stadion und seinen Fans stehe: „Wenn Kaiserslautern etwas kann, dann richtig geile Stimmung verbreiten“, sagte sie. Das zeige der Betzenberg bei den Heimspielen der Roten Teufel, das zeigten aber auch über 40.000 Zuschauer im November bei „einem der schönsten Länderspiele der deutschen Mannschaft gegen Spanien, das wir hätten gewinnen müssen“.
Und trotzdem wurde ihre Show „Ecken und Kanten“ in der Kammgarn kein klassischer Fußballtalk, sondern „ein Abend mit Freunden in Baratmosphäre“, wie sie ihn sich gewünscht hatte.
Die Ex-Nationalspielerin hatte sich dafür eine ganz besondere Gesprächspartnerin eingeladen: ihre Frau Magdalena Angerer, die „sofort Nein gesagt hat, als Nadine mich gefragt hat“. Denn in der Öffentlichkeit habe sie nie stehen wollen. Sie ließ sich überreden – für die Zuhörer ein Glücksfall. Denn gerade weil es nicht immer nur um Fußball ging, wurde es ein launiger, ein unterhaltsamer Abend. So erfuhren die Zuhörer in der Schreinerei der Kammgarn, wie das so ist: ein Leben mit einer Spitzensportlerin, die „vor allen Spielen in Portland Fischtacos essen musste“, wie der Geruch von mit kaltem Wasser gewaschenen verschwitzten Trikots auf einmal zum eigenen Leben dazu gehört und dass es noch immer ein zähes Ringen um professionelle Bedingungen im Frauenfußball, um Gleichberechtigung und Akzeptanz ist.
Ärger über Schlagzeile nach Wahl zur Weltfußballerin
Rückblick ins Jahr 2013: Angerer ist für den Titel zur Weltfußballerin des Jahres nominiert. Die Gala ist der erste Auftritt der beiden Frauen als Paar auf einem Roten Teppich. „Du wirst an diesem Abend Weltfußballerin, gewinnst diesen Preis als erste Torhüterin überhaupt und die erste Schlagzeile, die ich danach gelesen habe war: ,Wer ist die Frau an ihrer Seite?’ Dass nicht im Vordergrund stand, was du erreicht hast, finde ich bis heute so furchtbar, dass ich damals entschieden habe, ich werde nie in die Öffentlichkeit gehen“, erzählte Magdalena Angerer.
Das Leben im Ausland, herbe Klatschen wie die WM 2011 in Deutschland, die so ganz anders verlief, als es sich der DFB und seine Spielerinnen gedacht hatten, kleine Schritte der Verbesserungen im Frauenfußball, aber auch das Thema Brustkrebs-Vorsorge, das die beiden Frauen durch Magdalena Angerers erfolgreich behandelte Erkrankung vor einiger Zeit selbst betraf, kamen zur Sprache. „Wir haben das auch in den Verein getragen, mittlerweile ist in Amerika die ganze Liga dazu verpflichtet, eine Frauenärztin im Team zu haben“, so Magdalena Angerer.
Beim Titelgewinn 2007 zwischen den Pfosten: „Was danach los war“
Dazwischen mischten die beiden einen Rückblick auf Meilensteine des deutschen Frauenfußballs, wie die beiden WM-Titel 2003 und 2007. „Die WM 2003 hat so ein bisschen die Aufmerksamkeit auf den Frauenfußball gebracht. Es war das erste Mal, dass auch ARD und ZDF übertragen haben“, berichtete Nadine Angerer. Ein ähnlicher Meilenstein sei mit der Titelverteidigung 2007 gegen Brasilien gelungen, bei dem Angerer als Stammkeeperin das Tor hütete. „Was da im Anschluss los war, hier in Deutschland, war unglaublich. Der ganze Römerberg in Frankfurt war bei unserer Rückkehr bumsbuckivoll, die Autobahn wurde für uns gesperrt“, erzählte Angerer, ehe sich die beiden im abschließenden Quiz „Wer weiß denn sowas? Die Kaiserslautern edition“ noch einmal überraschen ließen, dass eine Elwetritsche ein Fabelwesen und keine Kutsche, der Japanische Garten in Kaiserslautern aber der größte seiner Art in Europa ist.
So endete der „Abend unter Freunden“ und man hätte die beiden durchaus noch gerne an die Bar gebeten.