Kaiserslautern Nachfrage zieht noch an
In diesem Jahr berichtet Volkshochschulleiter Michael Staudt bereits von 1187 Kursteilnehmern, die Deutsch als Fremdsprache lernen, 490 waren es im ersten Semester, 697 bislang im zweiten Semester. „Das war erst der Stand im Oktober, da kommen bis Jahresende vorneweg noch 200 Teilnehmer dazu.“ 204 Kurse, 13.189 Unterrichtsstunden gab es in diesem Jahr schon. Innerhalb von fünf Jahren gibt es damit bei den Kursen ein Plus von 70 Prozent und von rund 57 Prozent bei den Stunden. Rund ein Viertel aller Unterrichtsstunden der Volkshochschule (VHS) besteht mittlerweile aus Deutsch als Fremdsprache. Ein Trend, der nicht nur in Kaiserslautern zu beobachten sei, sagt Staudt. Denn daran zeige sich: „Deutschland ist ein Einwanderungsland.“ Viele Amerikaner besuchten in Kaiserslautern Kurse, ebenso Studenten von der Uni oder auch Menschen aus Spanien, Italien, die in Deutschland arbeiten wollten, erläutert Pierangelo Calchera, Fachbereichsleiter Sprachen bei der Volkshochschule. Für viele Teilnehmer seien die Kurse freiwillig, für andere dagegen nicht. So ist zum Beispiel durch das seit 2005 bestehende Zuwanderungsgesetz der ein oder andere verpflichtet, einen sogenannten Integrationskurs zu besuchen, der zum großen Teil aus Sprachunterricht besteht. Einbürgerungswillige müssten etwa nachweisen, dass sie über ein bestimmtes Sprachniveau verfügten, so Calchera. In den vergangenen drei bis bis vier Monaten hat die Nachfrage noch angezogen. Zum Teil gibt es längere Wartelisten bei den Kursen, was aber nicht nur am großen Interesse, sondern ebenso am modularen Aufbau der Kurse liegt. Die Nachfrage wird auch im kommenden Jahr ansteigen, was mit den Flüchtlingen zusammenhängt, ist sich Staudt sicher. Für die Volkshochschule bedeutet das mit einem erhöhten Beratungsbedarf und einem größeren Verwaltungsaufwand eine Herausforderung. „Pro Person muss man mit einer Einstiegsberatung von 20 bis 30 Minuten rechnen, da ist die sprachliche Einstufung noch gar nicht mitgerechnet“, erläutert Staudt. „Jeder kommt mit einem anderen Formular, einer anderen Geschichte.“ Die VHS hat deswegen ihr Verwaltungspersonal um zwei volle Stellen aufgestockt. „Ohne dass wir von der Stadt als Hauptzuschussgeberin mehr Geld gefordert hätten, das finanzieren wir selbst – in der Hoffnung, dass wir keine Zuschusskürzungen zu befürchten haben.“ Gebraucht werden aber ebenso mehr Dozenten: 27 sind es derzeit, 18 waren es noch Mitte 2015. Trotz Anforderungen wie einem Hochschulabschluss und Erfahrungen in der Erwachsenenbildung war es in Kaiserslautern bisher kein Problem, diese zu finden. In Großstädten sei das dagegen oft schon schwieriger, betont Staudt. „Wir behalten aber die Teilnehmerzahlen im Auge, wussten, dass ein weiterer Zuwachs auf uns zukommt.“ Bei der Personalrekrutierung beschritt die Volkshochschule auch ungewöhnliche Wege: Im September hat sie zum Beispiel über Facebook qualifizierte Kursleiter gesucht – mit einer riesigen Resonanz. Sieben, acht neue Lehrer sind letztlich Ergebnis der Aktion. Die kommen nun zum Teil bei den drei neuen Kursen für Flüchtlinge aus dem Kreiswehrersatzamt, dem Bürger-Büsing-Haus und dem Asternweg zum Einsatz, die die Arbeitsagentur finanziert. Zwei davon sind bereits in der vergangenen Woche gestartet, einer beginnt heute. „Gut angelaufen“ seien diese, meint Calchera. Sie richten sich an Menschen aus Syrien, Iran, Irak und Eritrea, die nachweislich einen Asylantrag gestellt haben. An Flüchtlinge also, die wohl länger im Lande bleiben werden und bei denen in puncto Spracherwerb keine Zeit verloren werden soll. Erst seit Ende Oktober ist es für diese Menschen möglich, Deutscheinstiegskurse zu geben, ohne dass schon ein erfolgreicher Asylantrag vorliegt. Auch hier ist der Verwaltungsaufwand hoch: Bei jedem Teilnehmer müsse geprüft werden, ob er überhaupt teilnehmen darf. 320 Stunden Deutschunterricht erhalten die jeweils maximal 25 Teilnehmer. (zs)