Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Schlägerei vor Nachtclub: Öfter Probleme mit US-Amerikanern?

Öfter gemeinsam auf Streife im Lautrer Nachtleben: deutsche und US-amerikanische Polizisten, Einheiten der Military Police.
Öfter gemeinsam auf Streife im Lautrer Nachtleben: deutsche und US-amerikanische Polizisten, Einheiten der Military Police.

Am 5. Januar kommt es vor einer Disco in der Innenstadt zu einer zünftigen Prügelei – Knochenbrüche inklusive. Beteiligt sind auch Angehörige des US-Militärs. Eine Ausnahme?

Marktstraße, eine Nacht wie jede andere. Partystimmung in Kaiserslautern. Es ist 2.20 Uhr, der Sonntag bereits angebrochen, und nach allem, was die Polizei weiß, stolpert eine Gruppe von fünf, sechs Männern auf den Hof vor der „Markthalle“, einem stadtbekannten Hip-Hop-Club. Sie haben gefeiert, getrunken. Sich offenbar daneben benommen, deshalb sollen sie gehen. Am besten nach Hause, ihren Rausch ausschlafen. Im Bericht der Beamten wird später von „unangemessenem Verhalten“ die Rede sein. Von verbalen Entgleisungen erstmal, nicht mehr. Was in den Morgenstunden jenes 5. Januar dann draußen passiert, vor den Türen der Discothek, das müssten die Ermittlungen zeigen, mahnt eine Sprecherin des Präsidiums Westpfalz damals auf RHEINPFALZ-Anfrage. Unstrittig aber ist: Die Situation eskaliert. Auf der Straße bricht eine zünftige Prügelei aus – zwischen den rausgeschmissenen Besuchern und der Security.

Ein gebrochenes Nasenbein, mehrere blutende Platzwunden, Prellungen und Hämatome am ganzen Körper, eine angeknackste Rippe. Das ist die Bilanz dieser durchzechten Nacht, deren Ende einer der Discogäste, 26 Jahre alt, im Krankenhaus verbringen darf.

Kaum Probleme mit US-Amerikanern, sagen Wirte

Als am nächsten Tag die Polizeimeldung online geht, ist es eigentlich nicht mehr als eine Randnotiz, die aufhorchen lässt. Ein Halbsatz, ein Detail ohne nähere Erklärung. Bei ihrem Einsatz seien die Beamten „von Kräften der US-Militärpolizei unterstützt“ worden, heißt es da – von einer Streife der Military Police. Ob es sich bei den in den Streit verwickelten Besuchern des Clubs aber um Amerikaner, um hier stationierte Streitkräfte handelt, das verrät die Mitteilung nicht. Erst später bestätigt das Präsidium diese Vermutung auf Nachfrage. Nun: Es dürfte kein Geheimnis sein, dass sich im Lautrer Nachtleben, in seinen Pubs und Discos, etliche US-Bürger tummeln, gerade samstags. In der Region leben und arbeiten rund 50.000. Und doch wirft der Vorfall am Morgen des 5. Januar eine Frage auf.

Ist es die Ausnahme in der Stadt, dass ausgerechnet sie beteiligt sind an einer Schlägerei dieser Härte?

In ihrer Kneipe: Ja – sagt Lisa Mühlberger. 2013 übernahm sie das Irish Pub in der Steinstraße, das heutige „Snug“, und wer das Lokal betritt, merkt sofort, dass viele US-Soldaten zum Kundenstamm gehören. Hier habe sie „nie eine krasse Prügelei“ erlebt, erzählt Mühlberger, in zwölf Jahren nicht. „Ich kann an einer Hand abzählen, wie viele Rangeleien es gab – und darüber bin ich sehr froh“, betont die Wirtin. Je später der Abend, je mehr Guinness im Blut, desto hitziger könne es mal werden. Doch das gelte für alle Nationalitäten, nicht bloß für Amerikaner. „Es ist friedlich“, sagt Mühlberger. „Man weiß ja, dass die Military Police bei Zwischenfällen nicht ganz so kuschelig mit ihren Leuten umgeht.“

„In letzter Zeit sind solche Vorfälle seltener geworden“

Wenn man in den Bars und Musikclubs Kaiserslauterns nachhakt, dann ist dort nichts anderes zu hören. Gewaltfreie Nächte, alles in allem. Generell sei es „seit einem Jahr sehr ruhig“, meint etwa Theodoros Tzounis. „Früher war das anders.“ Ein paar Meter unterhalb des „Snug“, am St.-Martins-Platz, führt er die Kultkneipe „Hannenfass“, dahinter das „Barrel Inn“ – ein Pub, der ebenfalls US-Klientel anzieht. Dass die Leute vor der Theke oder draußen auf dem Kopfsteinpflaster die Fäuste fliegen lassen? Nein, sagt Tzounis. „Höchstens gibt es mal Stress.“ Den Rest erledigten die Sicherheitsmänner. Im Januar bereits hatte das auch Thorsten Laub so geschildert, der Betreiber der „Markthalle“ – jenes Clubs, aus dem am 5. Januar eine Gruppe US-Militärs flog, wegen ungebührlichen Verhaltens. Und vor dem es dann, im Streit mit der Security, ausartete. „In letzter Zeit sind solche Vorfälle seltener geworden“, berichtete Laub damals. „Es ist ganz lange her, dass jemand so aus der Reihe tanzte.“

Das scheint – mittlerweile – die Regel zu sein, in der Stadt. Mal eine Schubserei, ein paar raue Worte, okay. Ansonsten aber, das spüre er Woche für Woche, laufe mit den Amerikanern „alles ganz easy“, sagt Waldemar Miller. Mit der „Nachtschicht“ in der Zollamtstraße leitet er die größte Lautrer Discothek.

Können die Informationen von offizieller Stelle, die Fallzahlen der Polizeiinspektion, diesen Eindruck der Gastronomen stützen?

Sieht ganz so aus. Die Beamten, im Stadtkern öfter mal mit der Military Police auf Streife, erkennen eigenen Aussagen zufolge „keine auffällige Problematik“ mit US-Bürgern, heißt es in einer Mail an die RHEINPFALZ. Wer von ihnen am Wochenende zu tief ins Glas geschaut habe, der falle mal auf, so die Polizei – durch Ruhestörung, Streit oder eine Trunkenheitsfahrt. Körperverletzungen jedoch „stechen grundsätzlich nicht gegenüber anderen Einsätzen heraus“, betont sie. Und in diesem Deliktfeld treten Amerikaner laut Statistik (2024) ohnehin nur „zu einem sehr geringen Prozentsatz“ als Beschuldigte auf. Eine Einschätzung, die der Blick in die Blaulichtmeldungen des Presseportals nur belegt: Im Zusammenhang mit den Männern des Militärs scheint allenfalls Alkohol am Steuer ein gängiges Phänomen zu sein – nicht das der nächtlichen Kneipenschlägerei.

US-Army verlangt Anstand und Respekt von Soldaten

Zu einem ähnlichen Fazit gelangen auch die US-Streitkräfte in ihrer Stellungnahme an die RHEINPFALZ. Für 2024 verbucht die Military Police acht Vorfälle in der Region Kaiserslautern, an denen Soldaten beteiligt waren – viermal als Täter, viermal als Opfer. Eine Häufung sei nicht zu beobachten. Von den eigenen Angehörigen verlange man, „dass sie sich im Einklang mit den Werten der U.S. Army verhalten, egal ob sie in Uniform oder in Zivilkleidung, im oder außerhalb des Dienstes sind“, teilt die Pressestelle der Heeresgarnison Rheinland-Pfalz mit. Sie distanziert sich ausdrücklich von ausfälligem Verhalten: „Eine Schlägerei in der Öffentlichkeit entspricht weder den Standards und Werten der Armee noch den Erwartungen unserer Führungskräfte.“ Wer mit dem Kodex bricht, wer sich auf den Straßen der Stadt zu einer Rauferei hinreißen lässt, der werde „gemaßregelt und bestraft“, so das Militär. Dessen dürfe man sich sicher sein, heißt es.

Mit Nachdruck erwähnt die US-Behörde, dass sie jeden einzelnen Fall ernst nehme – und angemessen zu behandeln versuche, je nach Schwere der Tat. „Die Mehrheit der Uniformträger“, beteuert die Heeresgarnison, „dient mit Ehre und Integrität“.

Als es in der Nacht auf den 5. Januar knallt in der Marktstraße, als ein Nasenbein und eine Rippe brechen, nachdem eine Gruppe von amerikanischen Soldaten den Musikclub hatte verlassen müssen, war das laut Polizei und US-Army vor allem eines: „eine Ausnahme“.

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