radsport RHEINPFALZ Plus Artikel Nach der Titelverteidigung schaltet Alexander Tarlton einen Gang runter

Geschafft: Alexander Tarlton rollt bei der deutschen Meisterschaft am Berg über den Zielstrich.
Geschafft: Alexander Tarlton rollt bei der deutschen Meisterschaft am Berg über den Zielstrich.

Erst vor wenigen Tagen verteidigte Alexander Tarlton seinen im Vorjahr errungenen deutschen Meistertitel am Berg. Für eine Profi-Karriere hat es trotzdem nicht gereicht. Deshalb wird der 22-Jährige mit dem Sparkassen-Münsterland-Giro seine „leistungssportorientierte“ Laufbahn beenden und seinen Fokus auf die Berufsausbildung legen. Eine vernünftige Entscheidung des in Kaiserslautern lebenden Radsportlers.

Alexander Tarlton ist gerade besonders gut gelaunt. Das hat einen besonderen Grund. Der 22-Jährige hat seinen deutschen Meistertitel am Berg der U23 erfolgreich verteidigt. Aber diesmal ist seine Freude noch größer als vor Jahresfrist als er im sauerländischen Wenholthausen den Zielstrich überquerte. Tarlton, der sich nach seinem altersbedingten Wechsel aus der Juniorenklasse zunächst dem Continental-Team Herrmann Radteam und dann „Lotto-Kern Haus“ anschloss, verwies nach 122 Kilometern im Zielsprint Johannes Adamietz (Saris-Rouvy Sauerland) auf Rang zwei. Dabei hatten sich in der vierten von zehn 12,2-Kilometer-Runden Tarlton und Adamietz aus dem Feld abgesetzt. Schnell hatte das Duo rund eine Minute Vorsprung. Dann löste sich eine dreiköpfige Verfolgergruppe mit Moritz Kretschy (rad-net ROSE Team), Roman Duckert (Dauner-Akkon) und Anton Schiffer, die jedoch den Anschluss nach vorne nicht mehr herstellen konnte. Es war nicht nur die Titelverteidigung am Berg, der gebürtige Brite sicherte sich auch noch den Sieg beim Finale der „Müller Die lila Logistik Rad-Bundesliga“ der Männer im Rahmen des Sauerländer Bergpreises.

Höhepunkt seiner Karriere

„Ehrlich gesagt, ich bin erleichtert, denn es war auch ein ganz persönliches Ziel, ein Bundesliga-Rennen zu gewinnen. Das ist mir ausgerechnet beim Finale gelungen“, erzählt Tarlton. „Im letzten Jahr war ich im Gesamteinlauf Zweiter und habe bei den U23 den Titel gewonnen, diesmal war es umgekehrt, und das bedeutet noch etwas mehr.“ Es war auch der vorläufige Höhepunkt seiner Karriere im Radsport. Denn Tarlton wird in wenigen Tagen einen Schlussstrich im „leistungsbezogenen“ Radsport ziehen. „Ich bin jetzt im dritten Jahr beim Team „Lotto-Kern Haus“, ich durfte fast alle großen Rennen der U23 fahren, das war eine besondere Ehre für mich, aber für einen Profivertrag hat es nicht gereicht“, meinte Tarlton und zeigte sich zugleich dankbar für diese Zeit. „Jeder will Profi werden, aber nicht jeder wird es schaffen.“

Berufsausbildung geht vor

Er nimmt die Situation gelassen, auch wenn sein Teamchef Florian Monreal ihn gerne noch für eine weitere Saison verpflichtet hätte. „Wenn ich dort weiterfahren würde, dann hätte ich selbst auch den hohen Anspruch, erfolgreich zu sein, und das lässt sich zeitlich mit einer Berufsausbildung nicht vereinbaren“, erklärt Tarlton. „Bei einer 40-Stunden-Woche noch 20 Stunden trainieren, das wird auf die Dauer sehr stressig. Ich könnte das auch mit meinem Gewissen nicht vereinbaren.“

„Spaß am Radsport“

Zum 1. September hatte Tarlton eine Ausbildung zum Mechatroniker bei der Firma Wipotec, dem langjährigen Förderer und Namensträger des rheinland-pfälzischen Junioren-Teams, angetreten. „Ich glaube, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich meinen Fokus auf einen Beruf legen sollte, deshalb habe ich auch diese Entscheidung persönlich getroffen“, so Tarlton. Ganz auf den Radsport möchte er aber nicht verzichten. „Auch wenn bei mir im Leben gerade ein Umbruch stattfindet, habe ich noch viel Spaß am Radsport und möchte schon als Gastfahrer das eine oder andere Bundesliga-Rennen mitfahren“, sagt der in Kaiserslautern beheimatete Radsportler. Bisher habe er auch noch keinem Verein eine Zusage erteilt.

Abitur am Heinrich-Heine-Gymnasium

Bis zu seinem Wechsel zu den U23 gehörte er dem RV Queidersbach an, sein Zuhause war damals das Internat des Heinrich-Heine-Gymnasiums, einer Eliteschule des Sports in Kaiserslautern, wo er im zarten Alter von 13 Jahren einzog. Das hatte Gründe: Seine Eltern leben in London, wo es seine Mutter, die aus Ditzingen stammt, vor über 30 Jahren zum Studium hinzog, dort die Familie gründete und auch blieb. Der Kontakt zu seinen Eltern und seiner jüngeren Schwester ist aber nicht abgerissen. „Ich habe mindestens einmal in der Woche Kontakt, da steht unsere Familienkonferenz an.“ Mit der Unterstützung einer Gastfamilie fand Tarlton den Weg in die Westpfalz, machte am HHG sein Abitur, anschließend das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und wurde intensiv im Radsport gefördert.

Etwas Wehmut

Aktuell gehört Alexander Tarlton noch zum Kader der U23–Nationalmannschaft. Auch deshalb, weil er sich für die deutsche Staatsbürgerschaft entschied. Er wird auch in Kaiserslautern bleiben. „Ich fühle mich hier wohl, sonst hätte ich auch nicht hier mit der Ausbildung begonnen. Ich bin hier inzwischen daheim“, erzählt Tarlton, der seinen Eltern, aber auch seiner Gastfamilie für den bisherigen Weg dankbar ist. „Jetzt geht ein Stück Leistungssport bei mir zu Ende“, sagt Tarlton mit etwas Wehmut. Trotzdem freut er sich auf den nächsten Renneinsatz im Trikot des Teams Lotto-Kern Haus, wenn er am kommenden Montag beim Sparkassen-Münsterland-Giro an den Start gehen wird.

Die drei Besten der U23-Wertung auf dem Podium: Alexander Tarlton (Mitte), Roman Duckert (links) und Moritz Kretschy .
Die drei Besten der U23-Wertung auf dem Podium: Alexander Tarlton (Mitte), Roman Duckert (links) und Moritz Kretschy .
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