Kaiserslautern Nach Bombendrohungen: Einsatz am Hauptbahnhof und Westpfalz-Klinikum beendet
Das Blaulicht des Polizeiautos ist weithin sichtbar. An der Kreuzung Logenstraße/Richard-Wagner-Straße versperrt es die Zufahrt zum Guimarães-Platz. Denn der Kaiserslauterer Hauptbahnhof ist am Dienstagabend aufgrund einer „Gefahrenlage“ weiträumig abgesperrt. Auf den Gehwegen bilden sich Trauben wartender Pendler und Bahnreisender, die von den beiden dort postierten Polizistinnen wissen wollen, was vor sich geht. Und vor allem: Wann es wieder weitergeht. Erst einmal nicht, denn es fahren keine Züge von oder nach Kaiserslautern. Das Polizeipräsidium Westpfalz bestätigt auf RHEINPFALZ-Nachfrage, dass es sich bei der Gefahrenlage um eine Bombendrohung handelt. Kurz vor 17 Uhr sei die telefonische Drohung bei einer Polizeidienststelle in der Stadt eingegangen. Die Polizei hat den Bahnhof und den Vorplatz kurz darauf abgesperrt – auch Busse fahren von dort erstmal nicht. Vor dem Bahnhofsgebäude stehen Polizeiautos quer, am Haupteingang parken zwei Polizei-Transporter. Beamte durchsuchen mit speziell ausgebildeten Hunden den Bahnhof nach Sprengstoff. Am Elf-Freunde-Kreisel ist die Zufahrt zur Zollamtstraße dicht. Im Bereich der Märkte sind weitere Polizeiautos aufgefahren. Der Parkplatz des Edeka-Marktes ist noch erreichbar. Dann geht es nicht mehr weiter. Vom Parkplatz aus hat man einen guten Blick auf die Gleise. Die Bahnsteige liegen verlassen da. Kein Mensch ist zu sehen. Etwa 100 Menschen warten in den Straßen um den Bahnhof, wie es weitergeht. Rund um das Polizeipräsidium haben Taxis an diesem Abend gut zu tun, der eine oder andere setzt so seinen Weg fort. Wie lange der Einsatz dauert, ist da noch nicht klar.
Gegen 18 Uhr geht auch am Klinikum ein Drohanruf ein
An der Kreuzung am ehemaligen Postgebäude treffen immer wieder Leute auf die Polizistinnen, die hier den Bahnhof absperren. „Seit 18 Uhr stehen wir hier“, erzählen Alina Brickmann und Susanne van der Plas, die am Heinrich-Heine-Gymnasium arbeiten und vor dem Bahnhof gestrandet sind. Van der Plas wollte nach Bruchmühlbach-Miesau nach Hause. Jetzt ist sie des Wartens müde und lässt sich von einer Kollegin abholen. „Man weiß ja nicht, wie lange es noch dauert.“ Brickmann muss nach Rockenhausen. „Mein Mann holt mich ab“, sagt sie.
Ein Bahnbediensteter steigt derweil ins Taxi.
Während die Menschen in der Nähe des Bahnhofs warten, geht gegen 18 Uhr am Dienstagabend eine weitere Drohung ein: Ein Anrufer meldet sich beim Westpfalz-Klinikum und kündigt eine Bedrohungslage gegen das Krankenhaus an. Die Polizei zieht daraufhin weitere Kräfte zusammen und trifft vor Ort die erforderlichen Maßnahmen. „Aus ermittlungstaktischen Gründen veröffentlichen die Behörden aktuell keine weiteren Informationen zu den Inhalten der Drohungen“, erklärt die Polizei am Abend. Rund um das Westpfalz-Klinikum sind da Polizeiautos in Stellung gegangen, anders als am Hauptbahnhof ohne Blaulicht. Sie stehen in der Albert-Schweitzer-Straße an den Klinikzufahrten, ebenso in der Späthstraße. Trotz der Drohung gegen das Klinikum geht es ruhig zu. Keine Spur von Hektik ist zu sehen. Auch im Klinikum scheint – von außen betrachtet – der Betrieb normal weiterzulaufen. Eine Evakuierung findet augenscheinlich nicht statt. Am Haupteingang haben zwei Polizeibeamte Position bezogen, sprechen mit Passanten und Patienten, die wissen wollen, warum die Polizei angerückt ist. Menschen stehen wie üblich vor dem Eingang, rauchen eine Zigarette. Andere warten darauf, dass sie abgeholt werden.
Dass auch beim Klinikum wohl eine Bombendrohung einging, hat Devin Spann als einer der ersten erfahren. „Ein Freund von mir arbeitet dort als Rettungssanitäter. Er hat mir gerade erzählt, dass keiner ins Klinikum gelassen wird, alles sei abgesperrt.“ Der junge Mann wollte nach einer Erledigung nach Hause nach Landstuhl. Nun steht er „seit 17.55 Uhr“ an der Kreuzung unterhalb des Bahnhofs.
„Der Bahnhof ist gesperrt!“, ruft die junge Polizistin dem nächsten Radfahrer zu, der am Polizeiwagen vorbei zum Bahnhof wollte. Und sie wiederholt ihren heutigen Standardsatz: „Wie lange, kann ich nicht sagen.“
Kein verdächtiger Gegenstand gefunden
Polizeisprecher Bernhard Christian Erfort sagt: „Bisher gibt es keine konkreten Anhaltspunkte für eine reale Gefahr, die Polizei geht den Drohungen jedoch mit höchster Priorität nach. Auch die Ermittlungen nach den Anrufern laufen bereits.“
Derweil hat Valeska Kayak „keine Ahnung“, wie sie nach Hause kommen soll. Sie war beruflich in Paris, und will heim „nach Bielefeld.“ „Heute nicht mehr“, sagt sie gelassen, auf die Frage, ob es noch Verbindungen für sie gibt. Neben ihr steht der Koffer auf dem Gehsteig. Vor Kaiserslautern, ihrem regulären Umsteigebahnhof, sei der Zug stehen geblieben, dann sei er nach Hochspeyer zurück, „von dort ging ein Bus hierher.“ Nun wartet sie auf weitere Infos der Bahn. Wegen Bauarbeiten hatte ihr die Bahn die Route von Paris über Mannheim nach Kaiserslautern ausgegeben.
Auf der anderen Straßenseite wird es laut. Ein paar junge Männer skandieren Unverständliches, dann ist „FCK“ von einem herauszuhören. Zwei Polizisten rücken heran. Es wird ruhig, der FCK-Fan zieht von dannen.
Kurz vor 20 Uhr. „Es kommt gleich ein Bus“, ruft die Polizistin von ihrem Posten auf dem Bürgersteig vor der ehemaligen Post. „Der fährt nach Hochspeyer. Wer mitfahren will, kann hier einsteigen.“ Unter den Wartenden wird es unruhig. Es keimt Hoffnung auf, doch noch nach Hause zu kommen.
Um 20.40 Uhr meldet die Polizei Entwarnung, es wurde kein verdächtiger Gegenstand gefunden – die Polizei rückt von Klinikum und Hauptbahnhof ab.
Auf dem Hochspeyerer Bahnsteig steht gegen 20.45 Uhr unter den vielen Gestrandeten, die Richtung Osten wollen, auch die Bielefelderin. Nach ihrer unfreiwilligen Busfahrt von Hochspeyer nach Kaiserslautern gut drei Stunden zuvor hat sie nun dieselbe Strecke in die Gegenrichtung wieder mit dem von der Bahn eingesetzten Bus zurückgelegt. „Ich hoffe, von hier nun also wenigstens bis nach Mannheim zu kommen.“ Dann wird ihre Bahnfahrt für heute wohl enden.