Kaiserslautern Mutter arbeitet Ärzteliste ab

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Dagmar Dundurs, Oberärztin in der Kinderklinik des Westpfalz-Klinikums, wollte sich gestern nicht äußern: Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) des Landes hatte ihr im August die Ermächtigung entzogen, neurologisch erkrankte und gesetzlich versicherte Kinder ambulant zu behandeln. Es fehle ihr die Zusatzqualifikation „Neuropädiatrie“. 440 Familien mit ihren Kindern sind von dieser Entscheidung betroffen (wir berichteten gestern).

Die Oberärztin, die die Kinder aus der Region seit 20 Jahren neuropädiatrisch behandelt hat, erklärte gestern auf Anfrage der RHEINPFALZ, sie wolle sich zu der Entscheidung der kassenärztlichen Landesvereinigung nicht äußern. Es sei ein Berufungstermin im Oktober vor dem Berufungsausschuss der KV in Koblenz angesetzt und „aus Respekt vor der anstehenden Entscheidung“ werde sie keinen Kommentar abgeben. Neuropädiatrie befasst sich mit der körperlichen und geistigen Entwicklung und den möglichen Störungen und Erkrankungen des Nervensystems von Kindern. Für dieses Spezialgebiet benötigt ein Kinderarzt eine dreijährige Weiterbildung zum Neuropädiater. Diese Zusatzqualifikation fehlt der Fachärztin, die jedoch aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung von der KV ermächtigt war, neuropädiatrisch tätig zu sein. Die Ermächtigung der KV muss alle zwei Jahre erneuert werden. Das war im Sommer der Fall. Die regionale KV in Neustadt verlängerte, die Landes-KV in Mainz widersprach und untersagte ihr die neuropädiatrische Behandlung. In einem Brief an Sylvia Weis, eine der betroffenen Mütter aus Obernheim-Kirchenarnbach, schrieb die KV Mainz: „Frau Dundurs verfügt nicht über diese Schwerpunktbezeichnung, so dass auch die hierauf gerichtete Ermächtigung nicht hätte erteilt werden dürfen.“ Weis will sich mit der Entscheidung nicht zufrieden geben. Sie hat eine Elterninitiative auf die Beine gestellt, der sich in ganz kurzer Zeit 29 Familien angeschlossen haben. Eine Liste von Kinderärzten, die ihr die KV zur Behandlung ihrer neunjährige Tochter gegeben hatte, hat sie gestern abtelefoniert. Von den 31 niedergelassenen Ärzten haben lediglich 14 den geforderten Schwerpunkt „Neuropädiater“. Verunsichert ist sie zudem: Einige der Praxen hätten ihr die Zusatzqualifikation am Telefon bestätigt, doch im Internet auf der Praxisseite dieser Ärzte sei keine Rede davon gewesen. Ein Hausarzt sei dabei gewesen, ein anderer könne kein EEG ableiten, was ein wesentlicher Bestandteil der Kontrolluntersuchungen ist. Lediglich in zwei Praxen sei ihr ein zeitnaher Termin angeboten worden. Einer habe sofort nach der Krankenversicherung der Tochter gefragt, ein anderer wollte erst eine Besprechung, bevor die Untersuchung gemacht werden könne. Weis hätte die Strecke also zweimal fahren müssen. Von wohnortnaher Versorgung könne bei den Adressen quer durch Rheinland-Pfalz sowieso nicht gesprochen werden, sagt sie. Von Berlin aus hat der Bundestagsabgeordnete Gustav Herzog Kontakt zu Sylvia Weis und zur Kassenärztlichen Vereinigung aufgenommen. Der SPD-Politiker will sich auch mit der Ärztekammer und den Krankenkassen um eine Lösung bemühen, sagte er gestern im RHEINPFALZ-Gespräch. Die CDU-Landtagsabgeordnete Marlies Kohnle-Gros beabsichtigt, das Mainzer Gesundheitsministerium einzuschalten. Zudem hat sie bereits die KV in Mainz angeschrieben. Große Resonanz auf die Berichterstattung der RHEINPFALZ erfuhr gestern auch Professor Gerhard Rupprath, der frühere Chefarzt der Kinderklinik. Er hat sich dem Anliegen der Eltern angeschlossen und unterstützt sie als medizinischer Berater. Als Kinderarzt sieht er sich in der Pflicht: „Kinderärzte sind die Anwälte der Kinder.“

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