Kaiserslautern Musikalischen Schatz gehoben

Die Kammerkonzertreihen des Klassischen Orchesters der Technischen Universität (TU) sind eine liebgewordene Tradition und erfreuen sich im dicht besetzten Zinkmuseum – wie am Samstag – einer großen Resonanz. Unter Dirigent Carsten Petry ist der künstlerische Anspruch gestiegen. Einmal mehr waren die engagierten Musiker für das Konzert auf der Suche nach verschollenen Schätzen der Kammermusikliteratur: Sie wurden mit Giacomo Meyerbeers Quintett für Klarinette und Streichquartett fündig.
Zu Unrecht steht Meyerbeers Quintett im Schatten der bekannteren Werke dieser Besetzung von Mozart, Weber, Brahms oder Reger. Besonders im Vergleich zum Weber-Quintett mit der virtuos-verspielten grazilen Melodik und brillanten Figurierung in geschmeidigen Legatolinien sind bei Meyerbeers Werk viele Analogien zu entdecken. Ohnehin gibt es auch viele biografische Verbindungslinien, denn beide, Weber und Meyerbeer, studierten zur gleichen Zeit bei Abbé Vogler in Darmstadt und waren eng befreundet. Und beide schrieben ihre Werke für den legendären Heinrich Bärmann, der als Virtuose durch Europa reiste und viele Werke anregte. Allerdings ist bei Meyerbeers Quintett das Fehlen eines mittleren, langsamen Satzes auffällig; der allerdings von dem Pionier der jüngsten Klarinetten-Generation, dem Freiburger Klarinettisten Dieter Klöcker, mit einer angeblichen Wiederentdeckung ersetzt wurde. Was wiederum in der Musikwissenschaft bestritten wird, die exemplarische Aufführung durch Carsten Petrys wunderschönen Klarinettenpart aber nicht berührte. Ungeachtet dieser Fragen der Textkritik erhob Petry das Werk mit seiner noblen, nuancierten Tongebung, seiner tadellosen Spieltechnik und leichten Tongebung mit Akribie und Esprit in den Rang eines gleichwertigen Meisterwerks. Sarah Haufe und Daniel Fichtner (Violine) sowie Fritz Schnur (Bratsche) und Christine Rutz (Violoncello) bildeten das kammermusikalische Pendant, das allen Sätzen entsprechende kantable Melodik einhauchte, sensibel auf die motivische Entwicklung des Klarinettenparts reagierte und selbst bis zur mitreißenden Stretta des schwungvollen Finalsatzes stets synchron gestaltete. Das Quintett ist eine kammermusikalisch häufig auftretende Gattung mit einem führenden Bläser im Dialog mit einem Streicherensemble. Dagegen verlässt der zeitgenössische Komponist Frans van der Sommen in seinem Duo – in der Suite für Waldhorn (Johannes Seidel) und Violoncello (Alexander Krampe) – diese Konvention, kombiniert Instrumente aus unterschiedlichen Familien und Klangcharakteren. In kurzen Charakterstücken treten diese in einen reizvollen Dialog und nach der für den Blechbläser schwierigen Warte- und Anlaufzeit fanden sie sich zu einem gelösten, beseelten und ausdrucksvollen Spiel, das die Episoden wie etwa „Kennenlernen“ oder „Abschied“ in der Stimmung gut charakterisierte. Nach dem unbekannten Niederländer folgte ein vermutlich nur den Hornisten bekannter Komponist algerischer Abstammung: Georges Barboteu war nur 14 Jahre alt, als er eine Anstellung beim Radiosymphonie-Orchester Algier erhielt. In einer beispielhaften Karriere spielte er dann im Orchestre National de France und in der Pariser Oper und war zudem über 30 Jahre Professor für Waldhorn am Pariser Konservatorium. In dieser Zeit komponierte er neben umfangreichen Etüdensamlungen auch solche Kammermusik, wie das am Samstag aufgeführte Trio: Johannes Seidel (Horn), Lynn Knippertz (Flöte) und Niamh Farrell folgten dieser reich sprudelnden Quelle an melodischen Einfällen und brachten das Kunststück fertig, die unterschiedlichen Charaktere der Instrumente im harmonischen Zusammenspiel zu wunderbarer Einheit zu verschmelzen.