Kaiserslautern
Musik und Tanz treffen beim Symposium der KWG aufeinander
Matthias Hassel ist ein Hiesiger, ein Einheimischer. 1996 geboren, besuchte er die Röhmschule, wechselte – auch der Musik wegen – an das Albert-Schweitzer (ASG) und wählte für das Abitur als Leistungsfach neben Englisch und Mathematik die Musik. Denn jene Welt des Klanges spielt schon so lange er denken kann eine bedeutsame Rolle. Doch berufsbezogen wählte er, der Mathematiker, die Elektronikerausbildung: „Etwas Handfestes, Bodenständiges“. Zu „vage“ war damals Musik als Berufsziel. Nach der Abschlussprüfung jedoch überwog die Entscheidung, doch noch Musik zu studieren. Und zwar in Darmstadt. Inzwischen hat er den Bachelor (Prüfungsarbeit Bau eines Synthesizers) in der Tasche und strebt dem Masterabschluss entgegen. Damit einher bewegt ihn die digitale Welt.
„Ich bin froh mich nun als Stipendiat beim KWG-Symposium mit einer interaktiven Soundkomposition, gemeinsam mit Emelie Söderström und Teade Abma, einbringen zu können.“ Diese Idee bedeutet für den Musikstudenten neues Denken, das physisches und physikalisches Experimentieren mit Raum, Zeit, Körper und Bewegung voraussetzt. „Und ich bemerke, wie ich von meiner Elektroniker-Ausbildung profitiere.“ Seine Vokabel dafür heißt „Spielen“, um umgekehrt herauszufinden, was Tanz kann, was er mit Musik macht. Konkret heißt das: Hassel arrangiert Musiken – passend zum Westwärts-Titel – des Lauterer Duos Mon Marie et Moi sowie des Westernkomponisten Ennio Morricone (1928 bis 2020) nach eigenem Duktus, umrundet eine imaginäre Tanzfläche im Kunstlager mit Tonquellen und staffiert die beiden Tänzer mit Handys aus. Diese wiederum sind über WLAN mit dem Quellgerät (Laptop) verbunden.
Hier spielt die Musik
Dieses digitale Konzept bewirkt, dass sich das gesamte Klangbild, ähnliche eines Kompasses, durch die Tanzenden in verschiedene Richtungen bewegt, indem Tonwellen akustisch mal anschwellen, mal abebben. Und so heißt das Motto dieser interaktiven Medieninstallation: Hier spielt die Musik, doch die Tänzer bestimmen, aus welcher Richtung sie spielt. Neu ist das ebenso für Emelie Anna Söderström und Teade Abma. Sie begeistern sich, nicht nur „nachzutanzen“, sondern „kreativ“ mitzuwirken. Mittlerweile kennen sie Hassels Werk und proben schon, was ihnen einfällt. Unisono sagen sie: „Es macht einfach glücklich, Bezüge und Einflüsse von Klängen zu Körper und umgekehrt zu erforschen.“ Die endgültige Choreografie wird während des Symposiums erarbeitet.
Söderström, 1996 in Schweden geboren, gehört bereits seit der Spielzeit 2019/2020 der Pfalztheater-Compagnie an. Damals zitierte ein RHEINPFALZ-Artikel sie mit: „Es ist gut zu wissen, was die Musik sagt.“ Nach dem Debüt in „Sacre“, folgten weitere wunderbare Begegnungen mit dem Lauterer Publikum und umgekehrt, so dass sie als beliebte Darstellerin ertanzter Geschichten bekannt ist. Zur Vita von Teade Abma bestehen zwei Parallelen: Geboren im Jahr 2000, stammt er ebenfalls aus dem Norden und zwar aus Dänemark und macht – wie sie zuvor – den Bachelor of Dance in Codarts der Universität für angewandte Kunst Rotterdam. Aktuell absolviert Abma hier eine Spielzeit lang das nötige Praktikum.
Weiter geht’s in Lautern
Und da schiebt sich, wie das berühmte i-Tüpfelchen eines besonderen Höhepunktes, zwei Tage vor Studienabschluss die Vernissage des Symposiums mit Hassels Medieninstallation dazwischen. Wie es nach der Prüfung weiter geht, weiß er bereits: „Meine erstes Engagement ist hier.“ Seine strahlenden Augen besagen, wie sehr ihm die „so viel kleinere Stadt als Rotterdam“ gefällt, wie gut ihm das Ensemble und die Arbeit am hiesigen Haus liegen und wie passend die Pfalz seinen Hobbys entgegenkommt: „Am liebsten verbringe ich Freizeit mit Freunden und bin in der Natur.“ Welch ein Glück: Sie liegt direkt vor seiner Waschmühl-Haustür.
Info
Die Tür zum Symposium vom 5. bis 10. Juni im Kunstlager 22 (Eisenbahnstraße 21) steht für Besucher offen. Die Vernissage am 10. Juni beginnt um 18 Uhr.