Kaiserslautern Musik hinterlässt Spuren

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Andy Braun von der Band 7ty Proof hat es getan, Marcel Adam ebenfalls (wir berichteten jeweils), und jetzt hat es auch Markus Pfeffer, Gitarrist der Kaiserslauterer Band Winterland, gewagt: Er ist einer der in der lokalen Szene bekannten Musiker, der ein Buch über sein musikalisches Leben geschrieben hat. „Ein Leben lang“ heißt das äußerlich schmale Werk mit gewichtigem Inhalt. Und es ist ein bisschen mehr geworden, als „nur“ ein Rückblick auf die im Untertitel vermerkten „Stationen einer Musikerlaufbahn“.

Als Künstler erlebt man ja vieles. Erfolge, Niederlagen, Kritiken, den Charakter und die Sicht auf die Dinge prägende Ereignisse hinterlassen ihre Spuren. Schon im Jahre 2000 hatte Pfeffer damit begonnen, seine bis dahin gemachten Erlebnisse als Musiker aufzuschreiben, um sie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Aber dass ein solchermaßen festgehaltenes Musikerleben mehr bedeuten kann als nur die fixierte Aneinanderreihung von Erinnerungen, Begegnungen und Anekdoten, ist ihm mit der im letzten Jahr erfolgten Veröffentlichung des sinnigerweise „Ein Leben lang“ genannten Albums bewusst geworden. Die anspruchsvolle CD, die mit besonders viel Engagement auch von früheren Mitmusikern mitgestaltet worden sei, habe ihm bis in die einzelnen Texte und Titel des Werks hinein eine (eigentlich unbeabsichtigte) Verbindung zu seinem eigenen Leben offenbart. „Rückblickend fiel mir auf, dass all die Tracks darauf symbolisch meinen Werdegang als Rockmusiker beleuchten“, erklärt er im Vorwort seines Buches. So entstand die Idee, das Musikerleben des Anfang-Vierzigers endgültig nachzuzeichnen und als eine Art Memoiren zu veröffentlichen. Die zehn Kapitelüberschriften entsprechen dementsprechend tatsächlich den Songtiteln des „Ein Leben lang“-Albums und damit dem Lebensinhalt des schon von früher Jugend an vom Musik-Virus infizierten Gitarristen. Eingebettet in mehrere Rahmenhandlungen aus jüngerer Zeit erlebt der Leser unter Überschriften wie „Tagträumer“, „Glaubst Du“, „Keine Zeit“, „Auf meinem Weg“, „Geradeaus“ und „Wer weiß wohin“ Stationen auf dem musikalischen Lebensweg Markus Pfeffers von den späten 1980er Jahren bis zur aktuellen Winterland-Epoche. Man begegnet Band-Namen wie Burning Sky (die allererste Gruppe, in der Pfeffer 1988 mitspielte), Go 90, Scarlet Rose (später Scarlett) und Wet Desert. Man wird erinnert an heute noch bekannte Weggefährten wie den in frühesten Zeiten mitwirkenden DJ Elesky (der später als eine Hälfte von Crime & Passion bekannt wurde), den Sänger Sascha Kleinophorst (aus Pfeffers Zeit bei Wet Desert 2004 bis 2007), die Saiten-Virtuosen Jürgen Walzer und Harald Pfeil (als zeitweise Mitstreiter bei Winterland). Namen bedeuten auch Geschichten. Ungezählte Anekdoten und Ereignisse werden in „Ein Leben lang“ angesprochen, an die sich insbesondere manch reiferer Musikfan wohl noch persönlich erinnern wird. Der Musiker erzählt etwa vom Auftritt im Vorprogramm von Pur Anfang der 1990er Jahre, vom Rechtsstreit mit der Gruppe Unheilig im Jahr 2010, von den professionellen Dreharbeiten zum „Ewige Beginner“-Video unter Regisseur Jürgen Walzer in der glühend heißen Lauterer Innenstadt im Juli 2011 (wir berichteten ebenfalls). Der studierte Betriebswirtschaftler Markus Pfeffer, der hauptberuflich als Controller an einem Forschungsinstitut arbeitet und bereits mehrere Fachbücher verfasste (und schon dabei einige sprachliche Kompetenz bewies), hat das Buch nicht allein geschrieben. „Ein Leben lang“ entstand auf Anregung und mit Unterstützung der Musikerin und LEO-Redakteurin Gisela Huwig. Entsprechend flüssig liest sich das sprachlich anspruchsvoll und inhaltlich gut komponierte Werk, das durch über 100 Fotos von zum Teil schon historischem Wert (etwa mit einem Markus Pfeffer als Teenager mit wallender Haarmähne) noch optisch abgerundet wird. Und weil Pfeffer wissenschaftliches Arbeiten gewöhnt ist, findet man im Anhang außer einer Discographie noch eine richtige, sauber eingerichtete „Timeline“, in der sämtliche Bands und Winterland-Besetzungen (Pfeffer zählt bis heute neun Versionen), in denen er je mitgespielt hat, chronologisch und unter Angabe der Bandmitglieder verzeichnet ist. Über ein Vierteljahrhundert Musikerleben hat, und das auch in der Welt außerhalb der Bühne, seine Spuren hinterlassen. Werte wie Freundschaft, Loyalität, Zielstrebigkeit und Kompetenzen wie der Umgang mit Enttäuschungen spielen im Buch wie im Leben des Musikers explizit eine Rolle. Insofern ist „Ein Leben lang“ in der Tat nicht nur ein unterhaltsamer Memoiren-Text; das eine oder andere lässt sich darüber hinaus vom sensiblen Leser selbst herauslesen. Und selbst wer die 144 Seiten „nur“ als Chronik für einen interessanten Ausschnitt aus der Lauterer Musikszenen-Geschichte verwendet, wird an „Ein Leben lang“ seine Freude haben können. Dazu muss man, nebenbei gesagt, weder all die genannten Bands kennen noch aus Kaiserslautern stammen, obwohl das den Reiz natürlich erhöht. Buchtipp „Ein Leben lang: Stationen einer Musikerlaufbahn“ von Markus Pfeffer und Gisela Huwig ist als eBook und als Printversion über die üblichen Plattformen und im regulären Buchhandel zu beziehen. Weitere Infos gibt es im Internet auf der Website www.markuspfeffer.com.

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