Kaiserslautern Multikulturelle Harmonie

Einen schöneren Namen konnten die Protagonisten dieses interkulturellen Projekts aus Kaiserslautern für die Band und das gleichnamige Album nicht wählen: „Shaian“ kommt aus dem Kurdischen und bedeutet „die Würdige“. Musiker aus Afghanistan, Eritrea, Iran, Indonesien, Tunesien und Deutschland präsentieren darauf Weltmusik, traditionelle Musik aus ihren Heimatländern, aber auch moderne Songs aus den Charts.
Der berührendste Song stammt von der Namensgeberin Shaian, einem elfjährigen Mädchen aus Kurdistan, und ist erst ganz zum Schluss, als Bonustrack, zu hören. Das Sehnsuchtslied aus ihrer Heimat geht unter die Haut. Mit ihrer wunderbaren, traurigen Stimme nimmt Shaian die Stimmung auf und trauert singend den vergangenen Zeiten nach. Da fühlt man unweigerlich mit. Aber auch die restlichen zehn Songs gehen unter die Haut. Sie nehmen den Hörer mit auf eine Reise voller Erfahrungen, die unser Herz dafür öffnen, die Versprechen der Welt und ihrer unbegrenzten Möglichkeiten zu empfangen. Authentizität und Eigenwilligkeit liegt in der Stimme des Iraners Amir Hadavi mit dem persischen Abschieds- und Liebeslied „Age Ye Rooz“, das zwar orientalisch, aber für unsere westeuropäischen Ohren doch gar nicht so fremd klingt. Bewundernswert ist Hadavis flexible Stimme. Ein Liebeslied aus dem Libanon („Law“) intoniert der Syrer Ahmad Walhoud mit geheimnisvoller, melancholischer Stimme und begleitet sich dabei selbst eindrucksvoll und höchst einfühlsam auf der Gitarre. „Cintaku“ heißt das traditionelle indonesische Liebeslied, das Vina Gusti Aprilla singt. Die Stimme der Indonesierin klingt dabei erstaunlich gelassen, nach warmem Sommer und frostigem Winter zugleich. Auch das rhythmisch mitreißende indonesische Liebeslied „Kopi dangdut“ intoniert Aprilla und besticht dabei mit ihrem klaren, ausdrucksvollen Sopran. Noch einmal nach Indonesien führt uns „Bengawan Solo“, ein Lied, das von einem Fluss handelt und genauso gut ein deutsches Volkslied sein könnte. Eine herrliche Melodie, die Syarafina Ghasan mit engelsgleicher Stimme intoniert. Den Spagat zwischen verschiedenen Musikstilen wagt schließlich der Iraner Sam Rezzaii mit dem Rap „People are strange“. Ein Rap mit persischen Songtexten? Das klingt gar nicht mal so fremd, wie man vermutet. Zumal es dem Iraner hervorragend gelingt, die musikalische Tradition seines Heimatlandes mit der Moderne zu verbinden. Moderne Songs wie „Valerie“ von Amy Winehouse, fantastisch gesungen von Aprillia, und „Imagine“ von John Lennon, abwechselnd gesungen von allen Protagonisten, peppen das Album zusätzlich auf. Fehlen darf da natürlich auch nicht der Hannes-Wader-Klassiker „Heute hier, morgen dort“, das die Initiatoren des Projekts, Dagmar Kern und Michael Halberstadt, mit Leidenschaft intonieren. Neben Gitarren und Schlagzeugen sind auch exotische Instrumente, wie die Oud und die Damura vertreten. So werden auf dem Album letztlich verschiedene Kultureinflüsse miteinander verschmolzen und mit allerlei Gewürzen gespickt, und eine unglaublich friedfertige Atmosphäre der Harmonie liegt über der gesamten Aufnahme. Das Ergebnis klingt mal opulent, mal spielerisch, auf alle Fälle aber einzigartig und faszinierend. Eben nach dem Motto: „Wenn man Liebe, Respekt, Wahrheit und Ehrlichkeit im Herzen trägt, dann kann man ein Boot auch ohne Wasser im Kiel voranbringen.“ Diesen Spagat zwischen den verschiedensten Kulturen haben Dagmar Kern und Michael Halberstadt ins Leben gerufen. Bei der „Ehrensache“-Preisverleihung“ 2016 erhielt das Band-Projekt dafür den Sonderpreis der Ministerpräsidentin Malu Dreyer.