Wie Kunst entsteht
Multi-Musikerin Sabrina Roth
Die in Enkenbach-Alsenborn lebende Lautererin Sabrina Roth spielt seit Jahren in mehreren musikalischen Bereichen eine aktive Rolle: als Sängerin in eigenen Bands; als gefragte Gastmusikerin in bekannten Projekten; als ausgebildete Logopädin mit eigener Praxis und dem Schwerpunkt Stimmtherapie; als Gesangspädagogin mit selbst produzierter Lern- und Trainings-CDs.
Da wären zunächst all die eigenen Sachen, die Roth vor allem als Sängerin (und bisweilen als Flötistin) kreiert. „Wenn ich etwas Eigenes mache, beginnt es im Kopf, entweder mit einer Textzeile oder mit einem Melodiefetzen“, sagt sie. Dazu werden dann Harmonien am Flügel im heimischen Arbeitszimmer gesucht.
Riffs per Handy
Manchmal gibt auch einer ihrer Musiker per Handy ein Riff durch, das ihm eingefallen ist. Dazu habe sie dann oft eine Emotion, manchmal schon eine Textzeile. Aus den Bausteinen entsteht nach und nach ein ganzer Song, wird vielleicht eine ruhige Ballade oder doch eher eine mehr ins Rockige spielende Nummer.
So entstanden beispielsweise die eigenen Songs der saarpfälzischen Bree-Johnson-Group, bei der Roth als Sängerin im Mittelpunkt steht. Texte und Melodien werden von den Mitgliedern der Bluesrock-Band gemeinsam entwickelt. Da wird ausprobiert, eingebaut und wieder verworfen. Manchmal komponiert die Musikerin aber auch keine Originale, sondern trägt „nur“ etwas zu bestehendem Material bei. Das war unter anderem so bei Jürgen Walzers „Dispyria“-Alben, Markus Pfeffers Projekten wie „Lazarus Dream“ und auch bei Friends United, einer weiteren Formation, in der sie mitwirkt.
Übungs-CD für Schülerinnen
„Je nachdem, wie weit das Projekt schon ist, bin ich dann mehr oder weniger frei in dem, was ich beisteuern kann“, sagt Sabrina Roth. Sie ergänzt und interpretiert dann den bereits durchkomponierten Song per Gesang oder Flötenspiel. Wiederum in eine andere (Produktions-) Richtung musste es gehen, als Sabrina Roth vor drei Jahren ihre gesangspädagogische Übungs-CD „Enjoy your Voice“ selbst produzierte. Dabei nutzte sie Komponenten aus allen ihr vertrauten Verfahren. „Zu einer geeigneten, am Flügel erarbeiteten Übungs-Gesangslinie suchte ich die harmonische Grundlage, spielte sie ein und ergänzte oder veränderte sie mit Sounds aus der Software“, erklärt Roth die Entstehung.
Dazu kam die Melodie mit den jeweiligen Stimmen und gesprochenen Anweisungen. Das Ergebnis ging anschließend an ein professionelles Tonstudio, wo alles abgerundet wurde.
Inzwischen verfügt Sabrina Roth über ein recht gut ausgestattetes Heimstudio. Die notwendige Ausstattung hat sie sich Anfang 2021 angeschafft und angeeignet, als durch Corona alles bestenfalls auf Distanz ausgelegt war . Das sei „schon eine ziemliche Herausforderung gewesen“. Doch seitdem seien der (klingende) Austausch mit Musikerkollegen, das kreative Arbeiten, das erste Aufzeichnen von Gesang, Instrumenten und Sprache viel einfacher.
Heimstudio im Nebenzimmer
Roths Heimstudio befindet sich in einem Nebenzimmer ihrer Praxis und ist relativ klein - was wegen der dann „trockenen“ Akustik mit wenig Hall durchaus von Vorteil ist. Die technische Ausrüstung ist überschaubar, aber leistungsfähig: ein starker PC mit passender Software, ein professionelles Mikrofon, ein paar Absorber an der Wand und auf einem selbst gebauten Ständer. Viel mehr braucht es gar nicht. Für Roth stehen ohnehin der Mensch und dessen Kreativität, nicht die Technik im Mittelpunkt.
Die Künstlerin macht nämlich nicht einfach „nur“ Musik quer durch viele populäre Stile vom Jazz über Soul bis hin zum Rock. Vielmehr macht sie sich auch so ihre Gedanken über Musik an sich, ihren Reiz, ihren Stellenwert. „Egal, auf welche Weise eigene Musik entsteht und auch egal in welchem Genre: Es ist wichtig, dass sie überhaupt noch entsteht“, sagt sie.
Das schließt für sie sowohl die Entwicklung moderner Vertriebswege (die Musikkonsum immer und überall leicht möglich machen) als auch die Diskussion um Künstliche Intelligenz ein. Hier drohe der Stellenwert der Musikschaffenden und der Musik selbst immer geringer zu werden. Insofern, meint Sabrina Roth, sei es gut und wichtig, die Hintergründe und Entstehung von Kunst aufzuzeigen.