Interview
Morlauterns Trainer Daniel Graf: „Die Siege über den FCK waren Höhepunkte“
Herr Graf, wie fühlt es sich an, nach so vielen Jahren nicht mehr Trainer des SV Morlautern zu sein?
Ich befinde mich noch im Verarbeitungsprozess. Enttäuscht bin ich darüber, wie es gelaufen ist. Wir sind abgestiegen. Das ist der letzte Eindruck, und der ist negativ.
Haben Sie diese lange und intensive Zeit noch einmal Revue passieren lassen?
Ja, ich habe mich damit beschäftigt und auch mit meiner Familie über meine Trainerjahre in Morlautern gesprochen. Es ist wichtig zu filtern, was gut und was schlecht war. Auch wenn ich bald 50 Jahre alt bin, ist das ein Lernprozess für mich. Der Abstieg aus der Oberliga kann einem kleinen Verein immer passieren, wenn es nicht optimal läuft. In der Verbandsliga war in dieser Saison der Abstieg nach den vielen Abgängen im Winter nicht mehr zu verhindern.
Was hat Ihnen das Trainerleben in den vergangenen beiden Jahren vor allem schwer gemacht?
Es gab zu viele Baustellen. Vor allem das Torwartproblem. Acht Keeper kamen in der Verbandsligarunde zum Einsatz, von denen vier keine gelernten Torleute waren. Wir trainierten oft ohne Torwart. Das geht vielleicht in der B-Klasse, aber nicht auf diesem hohen Niveau. Durch den Weggang vieler Stammspieler hatten wir keine Qualität mehr auf dem Platz. Big-Point-Spiele, die wir früher gewannen, verloren wir in dieser Saison.
Neben diesen schwierigen Jahren gab es aber auch gute.
Als Trainer habe ich viel Zeit in meine Arbeit investiert. Es waren intensive Jahre in Morlautern, in denen es mehr Höhen als Tiefen gab.
An welche Momente aus Ihrer Zeit als Trainer beim SV Morlautern denken Sie denn besonders gern zurück?
Die zwei Siege über die U21 des 1. FC Kaiserslautern in der Oberliga. Das waren Höhepunkte. Wir haben in diesen Derbys eine Mannschaft geschlagen, deren Spieler unter Profibedingungen trainieren. Schöne Erinnerungen verbinden sich auch mit dem Gewinn der Lauterer Hallenfußball-Stadtmeisterschaft. Eine besondere Saison haben wir 2023/24 in der Oberliga gespielt. Als Underdog landeten wir am Ende auf dem achten Tabellenplatz. Darauf bin ich sehr stolz.
Mit welchen Spielern verbinden Sie Ihre Morlauterer Zeit besonders?
Mit Markus Happersberger, der als junger Spieler aus Worms zu uns kam, sich hervorragend weiterentwickelte und das Spiel des SV Morlautern prägte. Auch mit unserem langjährigen Torwart Bakary Sanyang, dem Kapitän Philipp Schwarz und Marco Steil. Ein Fußballmärchen erlebte der Stürmer Marc Knapp in Morlautern. Er kam aus der B-Klasse zu uns und schoss in seinem ersten Oberligajahr 15 Tore, darunter den Siegtreffer gegen den 1. FCK II. Eine phantastische Saison, die ihm keiner mehr nehmen kann. Besonders hervorzuheben sind Felix Bürger, Max Riehmer und die Brüder Joshua und Justin Smith, die trotz guter Angebote in Morlautern blieben. Das ist ihnen hoch anzurechnen.
Welche Rolle spielte der Mäzen Marc Lanzenstiel in der Geschichte des SV Morlautern?
Ohne ihn wäre der Aufstieg von der B-Klasse bis in Oberliga nicht möglich gewesen. Der SVM war sein Projekt. Sein Tod hat eine Riesenlücke hinterlassen. Große Verdienste um den Verein haben sich auch Thorsten Molter und Pascal Heinkele erworben. Ohne deren Hilfe würde es den Verein nicht mehr geben, und die drei Jahre Oberliga hätte es nicht gegeben.
Eine Trennung – auch wenn sie schmerzhaft ist – macht frei für Neues. Wie geht es für Sie als Trainer weiter?
In der neuen Saison werde ich die Bezirksliga-Mannschaft der SG Rockenhausen trainieren. Keine leichte, aber eine reizvolle Aufgabe. Die Spielklasse ist mir egal. Es muss mir als Trainer Spaß machen. Ich habe ein gutes Bauchgefühl und freue mich auf die neue Herausforderung.
Die Zeit beim SV Morlautern ist für Sie nun Vergangenheit. Was wünschen Sie dem Verein und Ihrem Nachfolger?
Dem Trainer Marc Groß wünsche ich alles Gute. Vor allem, dass der SV Morlautern nicht durchgereicht wird.
Zur Person
Daniel Graf trainierte acht Jahre lang den SV Morlautern. Der ehemalige Fußballprofi übernahm 2018 die Mannschaft in der Verbandsliga und führte sie in die Oberliga. Vor einem Jahr stieg der SVM aus der fünfthöchsten Liga ab, und am Ende dieser Saison folgte der Abstieg von der Verbands- in die Landesliga. Schon während der Runde hatte Graf das Ende seiner Trainertätigkeit beim SVM angekündigt. In der nächsten Saison wird der 48-Jährige die SG Rockenhausen trainieren. Als Fußballer spielte der Lauterer für den 1. FCK, Fortuna Köln, Kickers Offenbach, den Karlsruher SC und Eintracht Braunschweig. Er bestritt über 100 Zweitligaspiele. Auf Grund einer schweren Verletzung musste er seine Profikarriere beenden. Sein erstes Engagement als Spielertrainer hatte er beim SV Steinwenden. Nach erfolgreichen Jahren – er stieg mit dem SVS von der A-Klasse bis in die Verbandsliga auf – wechselte er zum SV Morlautern.