Kaiserslautern
Monika Geier bei Thalia: Eindringliche Szenerien
Auch wenn aus dem deutschen Fernsehen die „Tatorts“ nur so hervorquellen, nicht alle Mitmenschen sind Krimifans. Aber das muss man bei einer Lesung der bepreisten Schriftstellerin Monika Geier auch gar nicht sein. In der Lauterer Thalia-Filiale stellte sie einmal mehr unter Beweis, dass ihre Ideen in Sachen Krimi mitnichten so fad, langweilig und steif sind, wie so mancher „Tatort“ daherkommt.
Außerdem wirkt ihre leicht schnoddrige und zu Zeiten gar lapidare Sprache authentisch und lebensnah. Sie sitzt leger auf der Bühne und liest so, wie sie es vielleicht beim abendlichen Rotwein in so mancher Wohngemeinschaft täte. Dabei sind die gelesenen Auszüge aus „Ein schönes Kind“ durchaus gruselig. Und dieser Grusel ist umso wirkungsvoller, weil er so unverkrampft und locker daherkommt.
Das Rätsel um die weiße Villa
Da kommen in einer weißen Villa im Wald zwei Kinder ums Leben. Frederick und Lilly. Frederick stirbt ob eines herabstürzenden Speiseaufzugs, Lilly ertrinkt im Swimmingpool. Und die Szenenbildnerin Marlie Eichhorn, die Hauptfigur des Romans wird auf mindestens ebenso erschreckende Weise an ihre Vergangenheit als Kind erinnert. Da fallen ihr dann Dinge ein, wie etwa, dass sie selbst als Kind in dieser Villa war. Und dass es vielleicht sogar sie war, die auf den Knopf des Aufzugs drückte und damit den Tod des kleinen Frederick auslöste. Und plötzlich erscheint der Anfang der Geschichte kaum noch wichtig. Nämlich, dass sie eigentlich unterwegs war, um für eine Vorabendserie des Privatfernsehens einen passenden Schauplatz zu finden. Und dass sie aus diesem Grund in diese Villa geraten ist.
Doch neben den bösen Geistern der Erinnerung sind natürlich noch weitere Figuren in dem Buch unterwegs. So etwa der eher unsympathische Kameramann Alex, ihre Senderchefin, ein Kommissar im Dienst und einer in Pension. Oder eine illustre Dame aus dem nahen Dorf sowie diverse und zumindest dubiose Mitglieder der Hausbesitzerfamilie Raquet. Und in den Interaktionen dieser Protagonisten steckt etwas, das trotz allem Schrecken auch in Geiers Büchern – das aktuelle ist immerhin ihr zehntes – zu finden ist: Ein gewisser aber deutlich hervortretender Humor. Und damit ist die Erfolgsmischung der Geier’schen Schriftstellerei auch schon komplett: Ein lockerer, ja fast flapsiger Erzählton, Geschichten, die packend und gut konstruiert sind, eindringliche und glaubhafte Szenerien und eben dieser kleine, kalte Humor. Da könnte sich so mancher blutarme „Tatort“-Autor mal ein Scheibchen abschneiden.
INFO
Monika Geiers neuer Kriminalroman „Ein schönes Kind“ ist im Ariadne Verlag erschienen, umfasst 368 Seiten und ist im lokalen Buchhandel erhältlich.