Kaiserslautern
Mobiles PET/CT: Strahlender Zucker macht bösartige Tumore sichtbar
„Die Nuklearmedizin gehört zu den sogenannten bildgebenden Fächern, ähnlich wie die Radiologie“, erklärt Daniela Leppert ihren Fachbereich. Seit 2020 ist die Medizinerin am Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern tätig, mit dem Auftrag, die Nuklearmedizin weiter auszubauen. Früher sei der Zweig Teil der Radiologie gewesen, mittlerweile ist es ein eigenes Fachgebiet – mit deutschlandweit gerade einmal rund 1000 Fachärzten, wie Leppert berichtet.
Eine Abteilung für Nuklearmedizin zu betreiben, sei mit großem Aufwand verbunden, sagt die Ärztin. Denn neben teuren Spezialgeräten stelle der Umgang mit radioaktiven Stoffen auch hohe Anforderungen an das Personal. Radioaktive Stoffe? Das klingt gefährlich. Leppert winkt ab: „Wenn ordentlich damit umgegangen wird, besteht keine Gefahr. Die Dosen werden für jeden Patienten individuell nach Gewicht berechnet, um die Strahlenbelastung so gering wie möglich zu halten.“
Stoffwechselvorgänge im Körper sichtbar machen
Eines der eingesetzten Verfahren ist die Positronen-Emissions-Tomografie (PET). Dabei werden Stoffwechselvorgänge im Körper sichtbar gemacht, was in der Früherkennung von Krebserkrankungen sehr wichtig ist. Leppert erklärt den Ablauf der Untersuchung: „Dem nüchternen Patienten wird eine schwach radioaktive Zuckerlösung gespritzt, die sich im Körper verteilt und von Zellen aufgenommen wird.“ Da bösartige Tumore mehr Energie verbrauchen als gutartige Zellen, nehmen sie mehr von dem radioaktiven Zucker auf. Durch die PET-Untersuchung wird der strahlende Zucker bildlich sichtbar. Leppert: „Die Auflösung bei dem Verfahren ist nicht so scharf, aber wir können damit die Funktionen im Körper darstellen.“
Gleichzeitig mit der PET-Aufnahme entsteht ein Computertomographie-Bild (CT), das es den Medizinern erleichtert, den Tumor im Körper genau zu verorten. Nach einer solchen PET/CT-Diagnose ist also klar, wo sich der Tumor befindet, wie groß er ist, ob er möglicherweise bereits gestreut hat und ob andere Organe befallen sind. Leppert lobt das Verfahren: „Für einige Tumore ist diese optimale Bildgebung sehr wichtig. Bei Lungentumoren ist das der Gold-Standard.“ In der sogenannten Tumorkonferenz wird die Diagnose anschließend fachübergreifend diskutiert und ein Behandlungskonzept für den Patienten festgelegt. Die Ergebnisse würden nicht nur den Operateuren helfen, auch die Strahlentherapeuten könnten gezielter bestrahlen, nennt Leppert Beispiele.
Wieso kein eigenes Gerät?
Wieso greift das Westpfalz-Klinikum auf ein „Miet-PET/CT“ zurück? Das Highend-Gerät ist teuer, eine Anschaffung schlage mit mindestens zwei Millionen Euro zu Buche. Noch reiche die Kapazität des alle zwei Wochen nach Kaiserslautern kommenden mobilen Scanners für die ambulanten und stationären Patienten. Perspektivisch – auch mit Blick auf das Lungenkrebszentrum, das in Kaiserslautern aufgebaut wird – sei ein eigenes Gerät für die Nuklearmedizin wünschenswert, sagt Leppert.
Der für die Untersuchung notwendige radioaktive Zucker werde täglich neu hergestellt und aus darauf spezialisierten Laboren in Karlsruhe oder Bonn in die Pfalz gebracht. Leppert: „Da die Strahlung schnell nachlässt, ist es wichtig, dass die Patienten pünktlich bei uns sind. Wir haben da einen engen Zeitplan.“ Bis sich die Lösung im Körper verteilt hat, dauere es gut eine Stunde, die Untersuchung selbst kaum länger als 20 Minuten. Die Wartezeit verbringt der Patient in einem der beiden Ruheräume des stattlichen Lkw-Anhängers. Darin sind neben den kleinen Kabinen das Untersuchungsgerät, eine Technikzentrale und ein Labor zu finden. „In der Ruhephase sollen die Muskeln ganz entspannt bleiben. Da sollte noch nicht einmal mit dem Handy gedaddelt werden“, erklärt Leppert. Je entspannter der Patient sei, desto besser werde anschließend die Qualität des Befundes.
Nach der Untersuchung sei die Strahlung bereits soweit abgebaut, dass ambulante Patienten wieder nach Hause könnten, die Ruhephase sollten die Patienten aber in den abgeschirmten Kabinen alleine verbringen. Die Kabinen, wie auch der gesamte Lastwagen-Anhänger sind mit Blei abgeschirmt: Strahlenschutz. Das Lastwagen-Gespann ist in ganz Deutschland unterwegs, unter anderem hält die „Mobile PET/CT Scanner Unit“ auch in Bad Tölz und Halle.