Kulturzentrum Kammgarn RHEINPFALZ Plus Artikel Mitten ins Herz: Die Musiker Frederik und Xavi

„Ich brauch’ ein’n Türsteher für all meine Gedanken“, singt Xavi in einem seiner hoch emotionalen Songs beim Auftritt im Kammgar
»Ich brauch’ ein’n Türsteher für all meine Gedanken«, singt Xavi in einem seiner hoch emotionalen Songs beim Auftritt im Kammgarn-Kulturgarten.

Männern sagt man ja nach, sie könnten nicht gut Gefühle zeigen. Die beiden Musiker Fredrik und Xavi bewiesen am Freitagabend beim Open Air-Konzert im Kulturgarten der Kammgarn nacheinander, dass dem nicht so sein muss.

In der Kunst – und dann eben ganz besonders im Ur-Thema Liebe – geht schließlich alles, und diese beiden machten ihre Sache darin besonders gut. Reale Erfahrungen und tief gehende Wünsche, alte Ängste, wiederkehrende Träume und neue Gefühle: All das und noch ein bisschen mehr bekam das nicht allzu große, aber umso begeisterungsfähigere Publikum an jenem Abend geboten.

Den ersten Stich mitten ins Emotionszentrum setzte als Supporter für Xavi der junge Hamburger Singer/Songwriter Fredrik. Der hatte just bei diesem Konzert selbst mit allerlei , vermutlich widerstrebenden, Gefühlen zu kämpfen, denn es war sein allererster „richtiger“ Auftritt vor Publikum, wie er bekundete.

Cro als Vorbild

Und obwohl er eigenen Angaben zufolge kein besonders guter Pianist sei (was man so nicht bestätigen konnte) und er sich dann auch noch am ihm unbekannten Keyboard von Xavi auf der Bühne begleiten musste, hinterließ der aufstrebende Künstler einen ausgesprochen guten Eindruck. Nur gestützt vom Klang des Instruments und ansonsten ganz konzentriert auf seine expressive, gefühlsgeladene, speziell in den kurzen Falsett-Passagen pointierte Singstimme lieferte er ins Gemüt gehende selbstkomponierte (Liebeslied-) Titel wie „Alles gut bei mir“ und „Paris“ (der auch auf Spotify veröffentlicht ist).

Einzige Cover-Ausnahme: der Song „Bye Bye“ des von Fredrik geschätzten Vorbilds Cro. Alles zusammen: eine hochkonzentrierte Performance und erfolgreiche Feuertaufe des norddeutschen Künstlers, dem man das Klischee von der hanseatischen Unterkühltheit gewiss nicht nachsagen kann.

Fans weit angereist

Der Hauptteil des Konzerts ging anschließend ungefähr in der selben stilistischen und inhaltlichen Richtung weiter: Der Berliner Xavi, schon merklich erfahrener als Fredrik, trat vom ersten Ton an souverän an und auf. Locker spielte er mal die akustische, mal die E-Gitarre (wobei dann deutlich Rhythmik und Dynamik wohltuend anzogen), setzte aber vor allem auf sein Tasteninstrument und natürlich seine ausdrucksstarke, an wenigen Stellen ein wenig zu intensiv ins Larmoyante, Gefühlsbeseelte driftende Singstimme.

Sei es drum. Dem Erfolg des Abends tat das keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: Das Publikum vor der Freiluft-Bühne zeigte sich stetig mehr begeistert von den Stücken und der darin liegenden emotionalen Dichte, die tatsächlich gar keine große Instrumentierung benötigte.

Xavi, eigentlich Xavier Schmid, spielt auch Gitarre.
Xavi, eigentlich Xavier Schmid, spielt auch Gitarre.

Viele waren dem Musiker, der bürgerlich Xavier Schmid heißt und aus Steinhausen in Oberschwaben kommt, aber seit Längerem natürlich in Berlin lebt, sogar geradezu nachgereist. Man kam, so die Info nach entsprechender Nachfrage des sich stets publikumsnah gebenden Xavi, unter anderem aus Stuttgart und Heidelberg – aber kaum aus der näheren Umgebung. Letzteres mag sich mit wachsender Bekanntheit des noch jungen Künstlers ändern. Wie auch immer: Alle applaudierten bei diesem Auftritt extra-lang, etwa beim innig-intimen „Bleib mit mir wach“, und sangen lautstark beim bekannten Titel „Analoge Liebe“ mit.

Kein Wunder auch: So viel plastisch Metaphorisches in den Texten („Ich brauch’ ein’n Türsteher für all meine Gedanken“), so viele Erinnerungen, Gedankengänge, unter die Haut gehende Gefühle und insbesondere auf den Punkt gebrachte Liebeserklärungen wie beispielsweise im Titel „Brot und Wasser“ („Im Moment brauch’ ich nur Brot und Wasser, Brot und Wasser und dich...“): Das versteht man, das kommt an, das geht ohne Umwege ins Herz (und mit passender Musik unterlegt manchmal, wie neben der Bühne zu sehen war, sogar auch in die Tanz-Beine).

Auch die Männer im Publikum waren offensichtlich begeistert. Von wegen, sie könnten keine Gefühle zeigen oder mit ihnen umgehen...

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