Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Mittelalterrock im Kulturzentrum Kammgarn

Martialisch: Feuerschwanz in der Kammgarn.
Martialisch: Feuerschwanz in der Kammgarn.

Wenn die Zeiten nicht gar so rosig sind, sehnt man sich oft nach früheren, vermeintlich besseren Zeiten – jene des Mittelalters zum Beispiel. Damals war es auf andere Art wohl auch nicht viel besser, aber für eine Flucht in die Vergangenheit sind sie allemal gut. So ist vielleicht der anhaltende Erfolg ungezählter Mittelalter-Bands und deren Artverwandten zu erklären. Am Samstagabend kamen mit Dominum, Orden Ogan und Feuerschwanz gleich drei der zurzeit angesagtesten Bands des Genres ins komplett ausverkaufte Kasino der Kammgarn.

Die Vorband Dominum an diesem Abend als reinen Anheizer zu bezeichnen, kommt nicht im mindesten hin: Die Jungs mit der Zombie-Attitüde lieferten in einer Art Halloween-Nachschlag eine Show und ein Konzert, mit dem sie mühelos auch alleine einen ganzen Abend hätten gestalten können. Mit in der Regel ziemlich harten, aber durchaus auch gut mitsingbaren Titeln wie „Half Alive“ und „The Dead Don’t Die“ in Kombination mit einer ständigen Interaktion mit dem Publikum erschuf speziell Frontmann Dr. Dead eine aufgeheizte Stimmung. Das machte ordentlich Appetit auf mehr. Als Supporter war die Gruppe jedenfalls schon mal erste Wahl.

Und das war noch nicht alles an energetischen Möglichkeiten. Im Anschluss ging es nämlich mit der Band Orden Ogan noch einmal deutlich härter und schneller zu. Angetrieben von Sänger Sebastian „Seeb“ Levermann kochte die Stimmung hier immer noch ein bisschen weiter hoch im fast durchweg mit reich bestickten Rocker-Kutten, passenden Fan-T-Shirts und dunklem Mittelalter-Outfit ausgestatteten Publikum. Die deftigen Power- und Folk-Metal-Songs à la dem bekannten „Moon Fire“ ließen jetzt die zur „Pommesgabel“ geformten Hände fast ständig über die Köpfe gereckt halten, ließen ganze Besucher-Reihen im dicht gedrängten Haus lauthals komplette Text-Passagen auswendig mitsingen. Mehr Energie, mehr Stimmung geht nicht. Hätte man denken können...

Wilde Wikinger

Von wegen. Denn die Zeit war bereitet für das Erscheinen derer von Feuerschwanz. Und mit dem Headliner des langen Abends ging es fortan nun vollends in die Vollen, endgültig auf die Reise in ferne Vergangenheiten und geheimnisvolle Welten. Hauptmann Feuerschwanz und Prinz R. Hodenherz III in vorderster Linie und in schimmernden Brustpanzern nahmen das ohnehin schon aufgekratzte Publikum vom ersten Ton an mächtig mit in eine Welt aus vorwiegend wilder Wikinger-Romantik und deftiger Mittelalter-Mythik.

Da wurde im viel stilistisches Metall verarbeitenden Mittelalter-Rock mal der „Bastard von Asgard“ besungen, Honigwein-selig „Die Hörner hoch“ gefordert, düstere Atmosphären („Valhalla Calling“) heraufbeschworen. Dazu flogen auf der Bühne buchstäblich die Funken (als Teil der Pyrotechnik), da gab’s Feuer-Shows von zwei luftig gewandeten Damen, da ließen der prägnante Einsatz von Geigen- und Dudelsack-Sounds und insbesondere ein fulminantes Schlagzeug-Solo modernster Art die Grenzen zwischen den Zeiten und Dimensionen verwischen. Und zwischendrin vernahm man sogar noch verbindende Anklänge an die hehren Zeiten des guten, alten Hardrock: als nämlich der Prinz in der Band an Ian Gillan von Deep Purple erinnernde ekstatische Falsett-Einlagen lieferte. Auch der erstaunliche, in der rumänischen Originalsprache als extraharte Rock-Version präsentierte Song „Dragostea Din Tei“ diente hier als künstlerische Klammer.

Bombastische Show

Welch eine bombastische Feuerschwanz-Performance, welch eine Nacht überhaupt, in der man – die dunklen Seiten der gezeigten Dimensionen einmal außer Acht lassend – geradezu Lust bekam, vielleicht jetzt erst recht tatsächlich einmal in diese Welten einzutauchen. Und selbst nach dem vermeintlich letzten Ton war auch hier noch lange nicht Schluss. Den ausdauernden „Zugabe“-Rufen des begeisterten Kaiserslauterer Publikums wurde gerne entsprochen und im Nachgang noch eine ausgiebige, hammerharte, quasi wikingermäßige Zugabe gewährt.

x