Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Mit Reha-Sport zu einem besseren Leben

Dass auch beim Reha-Sport ordentlich geschwitzt und durchaus mal über die körperlichen Grenzen hinausgegangen wird, betont Train
Dass auch beim Reha-Sport ordentlich geschwitzt und durchaus mal über die körperlichen Grenzen hinausgegangen wird, betont Trainerin Korinna Diehl. Hier zeigt sie eine eher einfache Übung, die so manchem Reha-Sportler dennoch sicherlich viel abverlangt.

Fit und gesund durchs Jahr: Hier und da zwickt es, der Rücken ist verspannt, nach einer Operation läuft es nicht mehr rund – bei diesen und anderen Beschwerden tut Bewegung oft gut, ist sogar notwendig. Die TSG Kaiserslautern hat da womöglich eine Lösung parat. Korinna Diehl bietet Reha-Sport an. Dabei gilt: ohne Fleiß kein Preis.

Wenn Korinna Diehl die Reha-Übungen vorführt, wird klar, wie viele Muskeln, Bänder, Sehnen sie in die Pflicht nimmt. Ihren großen Erfahrungsschatz bietet sie im Reha-Sport an – auch Training mit Geräten wie dem Halbkugelball oder der Slash-Pipe, um die ganze Bandbreite abzudecken. Seit 1990 arbeitet die 60-Jährige Diplom-Sportlehrerin als Trainerin bei der TSG Kaiserslautern. Viele Zertifikate hat sie zusätzlich erworben – beispielsweise für Lungensport, ein spezielles Angebot für Patienten mit eingeschränktem Lungenvolumen bei COPD. „Ich habe mich immer weitergebildet, um auf dem neusten wissenschaftlichen Stand zu bleiben“, sagt Diehl. Sie leitet bei der TSG die große Abteilung Reha-Sport, die 16 Gruppen und vier Trainer umfasst. Zwischen 15 und 20 Teilnehmer sind in jeder Gruppe.

An die Grenzen gehen

Bei dieser großen Nachfrage bietet der Reha-Sport verschiedene Schwerpunkte an: Herzsport, Gefäßsport, Diabetes- und Orthopädiesport. 40 bis über 80 Jahre alt sind die Teilnehmer. Wenn jemand körperlich eingeschränkt ist, kann darauf in Grenzen Rücksicht genommen werden. Dennoch ist das Motto: „Wir müssen im Reha-Sport auch an unsere Grenzen gehen und auch mal darüber hinaus, sonst bewegt sich nichts“, erklärt Diehl. Kräftigung der Muskulatur, Dehnung und Koordination sind die drei Bereiche, die angesprochen werden. Diehl freut sich, dass ihr Job so viel Kreativität zulässt: „Wir machen immer wieder neue Sachen, die Abwechslung bringen.“ Beispielsweise geht Diehl im Sommer mit der Gruppe so oft nach draußen wie möglich. „Wir haben ein tolles Gelände mit einem großen Baum, der richtig Schatten bietet. Da hören wir die Vögel zwitschern – das ist ganz toll.“

Mit dem Rezept für Reha-Sport kommen Menschen nach einem Herzinfarkt, mit einem Gefäßbefund oder nach einer Operation – oft in schwachem Zustand, sodass sie etwa eine gewisse Gehstrecke nicht mehr ohne Schmerzen laufen können. Zum Orthopädie-Rehasport kommen beispielsweise Menschen mit einem Bandscheibenvorfall oder schmerzhaften Verspannungen. Die Vielfalt der Einschränkungen sieht Diehl als Herausforderung: „Das macht es sehr spannend.“

Einmal pro Woche reicht nicht

Als Rückmeldung der Teilnehmer hört Diehl oft, dass sie mit Schmerzen gekommen seien und nach dem Sport schmerzfrei nach Hause gehen konnten. Die Bereitschaft, etwas für die eigene Gesundheit zu tun, hat aus ihrer Sicht zugenommen. Früher seien die Menschen gekommen, weil der Arzt sie schickte. „Jetzt sagen viele, ich will das auch.“ Daher blieben die Teilnehmer konsequenter bei der Stange und seien auch motivierter, zuhause etwas zu tun. Denn mit einmal Sport pro Woche lasse sich noch nichts verändern, betont Diehl. Zwei- oder dreimal müsse es schon sein. Dafür lohne sich auch eine Mitgliedschaft im Verein, um die ganze Bandbreite abzudecken und Erfolge für sich verbuchen zu können. Und das heißt: Der Alltag läuft wieder leichter, man ist schmerzfreier und beweglicher. Viele Teilnehmer kämen immer wieder, bemühten sich beim Arzt um eine neue Verordnung. Diehl selbst findet: „Das ist super erfrischend – wie wenn man am Meer Urlaub macht.“

Dabei soll der Reha-Sport aus Sicht der Sportlehrerin nur einen Anstoß geben, um selbst aktiv zu werden und in Eigenverantwortung Sport zu machen. „Unser Ziel ist es, die Teilnehmer vom Reha-Sport in den allgemeinen Sport zu entlassen“, sagt Diehl. Dabei sieht ihre Bilanz gut aus: „Die Leute bleiben nachhaltig bei uns.“

Neben der körperlichen Fitness kommt beim Reha-Sport die soziale Komponente nicht zu kurz. Der Sport bringt für die Teilnehmer nicht nur Struktur in den Alltag. Beim Grillfest im Sommer und bei der Weihnachtsfeier im Winter wird es auch richtig gesellig. „Das sind schöne Highlights“, sagt Diehl.

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