Kaiserslautern Mit „Humören“ und Ukulelen
Am Samstag findet die Lange Nacht der Kultur statt. In diesem Jahr locken vier neue Spielorte die nachtschwärmenden Kulturfreunde mit einem abwechslungsreichen Programm.
Einer der neuen Spielorte ist das Atelier Zitronenblau in der Friedrichstraße 7. Das Atelier ist eine Einrichtung des Ökumenischen Gemeinschaftswerks Pfalz und steht allen offen, die sich für freie Malerei und plastisches Gestalten interessieren. In regelmäßigen Workshops wird sowohl ausgebildeten Künstlern, Autodidakten als auch Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen der Zugang zur praktischen Kunst ermöglicht. Künstlerin und Sozialarbeiterin Marianne Seyl leitet die Einrichtung. Für sie ist das inklusive Arbeiten im Atelier ein Hauptanliegen. „Deshalb befinden wir uns auch mitten im Zentrum der Stadt. Wir wollen wahrgenommen werden“, so Seyl. Um Wahrnehmung geht es schließlich auch bei der Langen Nacht der Kultur. Darum lädt das Atelier von 18 bis 24 Uhr zu einer Ausstellung mit dem Titel „Wabe 8“, was sich auf den örtlichen Nahverkehr bezieht. Gezeigt werden Kreationen aus den Workshops: Malerei, Plastik und Fotografie sowie Werke des Lauterer Malers und Grafikers Horst Jürgen Scheib. Für Musik sorgt das Jazz-Duo „Udo & Marion“. Kulturelle Inklusion und Integration ist auch das Anliegen der Volkshochschule Kaiserslautern, die ihr Programm erstmals in die Friedenshalle (Friedenstraße 42) verlegt. In der Langen Nacht wird der Veranstaltungsort als neue soziokulturelle Begegnungsstätte eingeweiht, wie Leiter Michael Staudt bestätigt. Als Gemeinschaftsprojekt der Volkshochschule, des Kulturreferates und der Zukunftsregion Westpfalz soll die Friedenshalle künftig zur Anlaufstelle für kulturell orientierte Kinder- und Jugendarbeit werden, aber auch zu einem Ort für die kulturelle Weiterbildung von Menschen mit Migrationshintergrund sowie Flüchtlinge in Kaiserslautern und Umgebung. Eröffnet wird das Programm um 17 Uhr mit einem Kunstworkshop für Kinder und Jugendliche, die mit Pinsel und Farbe oder Schablonen und Spray ihre ganz persönlichen Assoziationen zur Stadt Kaiserslautern auf Papier bringen dürfen – egal, ob sie erst kürzlich hinzugezogen sind oder schon seit Jahren hier leben. In Zusammenarbeit mit dem Verein Asternweg wird dann um 19 Uhr das Projekt „Lucky Punch“ eröffnet. In Form einer Performance erhalten Jugendliche theoretische und praktische Einblicke in das neuartige Therapie- und Coaching-Konzept zum Thema Deeskalations- und Selbstbehauptungstraining. Anschließend wird es musikalisch in der Friedenshalle: Ab 20 Uhr spielt das Ukulelenorchester Kaiserslautern die Werke der britischen Popband „Coldplay“, bevor um 21 Uhr das von Michael Halberstadt und Dagmar Kern initiierte Band-Projekt „Shaian“ mit Musikern aus dem Iran, aus Afghanistan, Syrien, Pakistan und Deutschland auftritt. Um 22 Uhr steht das Duo Christian Lassen und Helmut Engelhardt auf der Bühne, und ab 23 Uhr gibt es Instrumentalmusik auf einer sechs- und zwölfsaitigen Gitarre mit Live-Elektronik von Gerd Weyhing. Dritter Neuling bei der Langen Nacht der Kultur ist die Fotowerkstatt Kaiserslautern in der Rosenstraße 7. Vor rund acht Jahren haben die Fotografen Johanna Leonhard und Matthias Kehrer die ehemalige Backstube in ein Fotoatelier umgebaut. Für die Kulturnacht funktioniert das Fotografenduo sein Atelier erneut um, diesmal in eine temporäre Musikwerkstatt. Mit Fotografien, Installationen – teilweise aus entsorgtem und zufällig gefundenem Material – und hausgemachten Notenschlüssel-Plätzchen zelebrieren die Betreiber die Musik, natürlich mit besonderem Fokus auf die Kaiserslauterer Szene. Zum Abschied gibt es für die Besucher auch kleine Souvenirs, ganz nach dem Motto: Musik zum Mitnehmen. Für Leonhard kommt die Lange Nacht der Kultur einem „Glockenschlag für die Stadtbewohner“ gleich. „Die Leute gehen dann endlich auf die Straßen, ziehen um die Häuser, erleben Kultur live, und es entsteht ein spannendes, kreatives Vernetzen. Ich fühle mich geehrt, in diesem Jahr mitzumachen.“ Neben der Ausstellung ab 18 Uhr gibt es um 20 Uhr auch das Rocktrio „Flying Monkeys“ zu erleben, in der Leonhard (Gesang, Gitarre) und Kehrer (Schlagzeug) selbst mitwirken. Für den musikalischen Ausklang sorgt dann ab 22 Uhr die Lauterer Simon-and-Garfunkel-Coverband „Never Bend“. Der vierte und letzte Neuzugang bei der Langen Nacht der Kultur ist die Thalia-Buchhandlung. Filialleiterin Karin Schliermann freut sich, dass ihr Haus nun „einen kleinen Mosaikstein zu der reichen Vielfalt der Kulturnacht beitragen kann“. Für die Premiere gibt es ein abwechslungsreiches Programm aus Literatur, Musik und Humorvollem. Um 17 Uhr liest die Otterbacher Autorin Heike Abidi in der hauseigenen Café-Bar Kurzgeschichten aus ihren Anthologien und einige haar- und fellsträubende Tier- und Tierarztgeschichten aus „Herr Doktor, mein Hund hat Migräne!“. Dazwischen treiben von 18 bis 18.45 Uhr die drei „Humöre“ Paulo, Herr Klemmerle und Tiger ihren Schabernack auf der Bühne im ersten Obergeschoss – ein Trio, das den busfahrenden Kulturschwärmern bereits aus dem vergangenen Jahr bekannt sein dürfte. Um 18.45 Uhr liest der Mölschbacher Krimi-Experte Bernd Franzinger im Café kulinarische Stellen aus seinen zahlreichen Kriminalfällen vor, und um 19.30 Uhr bildet Madeleine Giese den literarischen Abschluss im ersten Obergeschoss mit humorvollen Kurzgeschichten aus dem Schwabenland. (kkv)