Kaiserslautern Mit Fingern und Händen reden
„Hallo, herzlich willkommen!“ steht es Wort für Wort und mit den entsprechenden Handbewegungen auf der Projektionswand. Für ein Dutzend Mitarbeiter der Stadtverwaltung hat gestern Morgen bei der Volkshochschule Kaiserslautern (VHS) ein Kurs in Gebärdensprache begonnen.
VHS-Leiter Michael Staudt erinnerte daran, dass ein solcher Kurs seit vielen Jahren angeboten wird, erstmals aber ein Kurs in Gebärdensprache für Mitarbeiter der Stadtverwaltung stattfindet. Kaiserslautern sei eine Stadt, in der internationale Sprachen an der Tagesordnung seien. Es gebe aber auch Personen, die nur mittels Gebärdensprache kommunizieren können, verwies er auf schwerhörige und taubstumme Menschen. Oberbürgermeister Klaus Weichel hob das Engagement von Hans Peter Wildt, Behindertenbeauftragter der Stadtverwaltung, hervor, der ständig bemüht sei, Barrieren und Hemmschwellen für Menschen mit Behinderungen abzubauen. In Deutschland gebe es 16 Millionen Schwerhörige und 80.000 gehörlose Menschen. In Verwaltungsbereichen mit Publikumsverkehr sei es umso wichtiger, sich auch mit Besuchern zu verständigen, die auf die Gebärdensprache angewiesen sind, so Weichel. Umso mehr freue er sich über das Interesse der Stadtverwaltungsmitarbeiter, sich für eine Ausbildung in der Gebärdensprache entschieden zu haben. Hans Peter Wildt sprach von einem wichtigen Schritt, der dazu beitrage, dass auch die letzte Barriere im Rathaus falle. Mit Fingern und Händen zu reden, sei weniger schwierig als angenommen, ermutigte er die Teilnehmer, die 35 Stunden des Gebärdensprache-Kurses zu absolvieren. Dozent Fred Frey, seit vielen Jahren zuständig für das Erlernen der Gebärdensprache bei verschiedenen Volkshochschulen, baute vor, in der Kürze der Zeit, nicht die gesamte Sprache erlernen zu können. „Erwarten Sie keine Wunder“, verwies er auf 18.000 einfache Gebärden und zusätzliche Fachgebärden. Die Gebärdensprache gehe auf das 17. Jahrhundert zurück und sei seit 2002 gesetzlich anerkannt, so Frey. An sieben Terminen, jeweils Montagsvormittag, werden die zwölf Teilnehmer, alle Mitarbeiter aus publikumsintensiven Bereichen der Verwaltung wie etwa dem Bürgercenter oder dem Referat Soziales, einen Einblick in die Deutsche Gebärdensprache bekommen. (jsw)