Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Mit der „Spielkiste“ verschwindet das letzte Spielwarengeschäft aus Kaiserslautern

Hier werden ab September keine Kinderaugen mehr leuchten: Die „Spielkiste“ schließt. Inhaberin Angelika Schott kann den Laden au
Hier werden ab September keine Kinderaugen mehr leuchten: Die »Spielkiste« schließt. Inhaberin Angelika Schott kann den Laden aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr weiter führen.

Die „Spielkiste“ in der Kerststraße macht Kinderträume wahr. Doch nicht mehr lange: Im September schließt der Spielwarenladen nach 50 Jahren endgültig seine Türen. Die Inhaber Angelika und Eric Schott verabschieden sich mit Wehmut von einem Lebenstraum.

Holz-Zitronen und Legespiele, Kratzbilder, Fädelperlen und Einladungskarten zum Kindergeburtstag, Skianzug fürs Püppchen und kuschelige Schmusekatze – Kinderaugen leuchten beim Betreten der „Spielkiste“. Während der Nachwuchs die Auswahl an Fahrradklingeln einer genauen Musterung unterzieht, besorgt Mama das Bastelset für die Schultüte. Beim Verlassen des Fachgeschäfts schwingt ein trauriger Unterton mit: „Falls wir uns nicht mehr sehen sollten: Vielen Dank für alles, wir sind immer sehr gerne gekommen!“

Solche Begegnungen hat Angelika Schott derzeit täglich. Denn die „Spielkiste“ kann nicht mehr. Ende September gehen die Lichter aus in ihrem Laden, in dem sie so viele Jahre tätig war. 2005 begann Schott hier als Aushilfe bei den Vorbesitzerinnen Heidi Schmalenberger und Waltraud Keller. Neun Jahre später suchten die beiden einen Nachfolger für ihre Spielwarenhandlung.

Von der Angestellten zur Inhaberin

Schott fasste sich gemeinsam mit einer Freundin ein Herz, denn „so ein schöner Laden darf nicht zumachen“. Die Freundin stieg irgendwann aus, doch Angelika Schott lebte weitere neun Jahre den Traum vom eigenen Laden. Gemeinsam mit Ehemann Eric und aktuell fünf weiteren Mitarbeitern auf Minijob-Basis wuppte sie Verwaltung und Bestellung, Verkauf und Organisation. Sechs Tage die Woche im Laden, da kamen Familie und die zwei Töchter häufig zu kurz.

Dennoch blickt Angelika Schott mit Dankbarkeit zurück: „Wir haben viele Stammkunden, so viel liebe Kundschaft. Man hat die Kinder hier rein- und wieder rauswachsen sehen, ganze Generationen. Mittlerweile dürfen wir Kunden begrüßen, die schon als Kinder hier bei uns eingekauft haben und jetzt ihre eigenen Kinder mitbringen. So viele Neugeborene, da hat man gesehen, es geht weiter, es werden noch Kinder geboren.“

Sie selbst hat die „Spielkiste“ kennengelernt, als sie dort für ihre eigenen Kinder eingekauft hat. Und später als Inhaberin immer wieder Zuspruch bekommen, wenn sich Besucher freuten, dass es einen so schönen Laden überhaupt noch gibt. „Auch jetzt kommt viel Zuspruch von unseren Kunden. Sie können verstehen, dass es einfach nicht mehr funktioniert.“ So kommt es, dass sie derzeit sogar hin und wieder Trinkgeld bekommt.

Viele Gründen führten zum Aus für den Laden

Was hat Schotts zu der Schließung veranlasst? Eric Schott seufzt tief: „Das ist ein Gesamtpaket.“ Preissteigerungen bei den Spielwarenherstellern von 25 bis 30 Prozent und eine Verteuerung der Lieferprozesse trafen zusammen mit Lieferschwierigkeiten aufgrund der Situation in China. „Wir waren sehr überrascht, als wir erfahren haben, dass auch unser hochwertiges Holzspielzeug zu großen Teilen in China gefertigt wird“, erklärt Eric Schott. Gleichzeitig stellt das Paar wie viele Einzelhändler fest: „Die Kaufkraft ist geringer geworden, die Lebenshaltungskosten steigen, die Leute geben weniger Geld aus. Sie haben Angst, sparen, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt.“

Daneben wuchsen bürokratische Hürden, die Erhöhung der Gewerbesteuer und des Mindestlohnes trifft in einem kleinen Laden wie der „Spielkiste“ mit ganzer Härte. Auch das veränderte Einkaufsverhalten, praktisches Online-Shopping statt der Besuch eines Ladens vor Ort, verstärken die Probleme. „Wenn man dann kein Geld hat, um Waren zu bestellen – in dem Moment ist es Wahrheit geworden: Es funktioniert einfach nicht“, stellt Angelika Schott ernüchtert fest.

Von der Stadt fühlt sich das Unternehmerpaar wenig unterstützt. „Man möchte Parkplätze abschaffen, die Protokolle werden immer teurer. Aber man muss doch sagen: Das Auto ist jedem sein liebstes Fortbewegungsmittel. Wenn man viel transportieren muss, kann man nicht mit dem Fahrrad fahren“, sagt Angelika Schott, selbst passionierte Radlerin. „Wir haben so viele kulturelle Events in der Stadt, aber unsere Erfahrung ist, dass das keine Kundschaft in die Geschäfte bringt. Die Leute essen und trinken, man zieht vielleicht Menschen von weiter her in die Stadt, aber für die Einzelhändler kam da eigentlich nie wirklich was rum.“

Nachfolgersuche blieb erfolglos

Schotts haben nach ihrem Entschluss zu schließen einen Nachfolger gesucht, wurden dabei jedoch nicht fündig. Während sich für Eric Schott als technischer Mitarbeiter an der Universität nicht viel ändern wird, außer dass ihm vermutlich etwas mehr Freizeit bleibt, will sich Angelika Schott zunächst einmal eine Auszeit nehmen. „Ich möchte ein bisschen zur Ruhe kommen. Es ist viel gewesen in den letzten Jahren, auch privat.“ Doch Vorruhestand ist für die zupackende Frau keine Option. „Ich würde gerne was mit Kindern machen. Oder vielleicht Tieren, mal sehen.“ Klar ist nur eins: „Auf keinen Fall mehr in die Selbstständigkeit!“

„Die Leute werden ohne uns zurecht kommen – müssen“, meinen die Eheleute mit Wehmut. Die „Spielkiste“, das letzte reine Spielwarengeschäft Kaiserslauterns, wird eine Lücke im Lauterer Einzelhandel hinterlassen.

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