Ramstein-Miesenbach / Kaiserslautern Mit der RHEINPFALZ unterwegs bei Rettenmeier: Einblicke ins größte Sägewerk des Landes
Vom Baum im Pfälzerwald hin zum Regalbrett im Ramsteiner Wohnzimmer oder der Terrassenbohle in Kaiserslautern: Der Weg muss nicht weit sein – führt aber in der Regel über Ramstein-Miesenbach. Im Sägewerk Rettenmeier verwandeln sich Stämme in vielerlei Arten von Holzprodukten, übrigens zu einem erklecklichen Teil fürs Heimwerken genutzt. Am Mittwoch haben 20 RHEINPFALZ-Leser bei einer exklusiven Führung verfolgen können, welchen Weg das Rohholz bis zum Abtransport Richtung Baumarkt oder Hackschnitzel-Heizung nimmt: Die erste Sommertour „Mit der RHEINPFALZ unterwegs“ bot umfassende Einblicke ins größte Sägewerk in Rheinland-Pfalz.
„Einfach riesig, unvorstellbare Mengen ...“: Jochen Egner hatte nicht zu viel versprochen. Und es fällt dem Geschäftsführer des Ramsteiner Standorts der Rettenmeier-Gruppe denn auch nicht schwer, gleich mal den Beweis zu liefern: Aus annähernd zehn Metern Höhe schweifen Blicke über den Rundholz-Platz, jenes Areal, auf dem sich die Baumstämme – bereits von Wurzelwerk und jeglichem Geäst befreit – stellenweise haushoch türmen. Das Gelände mit den Riesenhaufen an Holz ist von der Landesstraße nach Weltersbach aus einsehbar, fällt jedem Vorbeifahrenden ins Auge. Von oben aber erschließen sich erst so richtig die Dimensionen.
Bis zu 100 Lastwagen rollen täglich durch die nahe gelegene Haupteinfahrt und laden Rohmaterial ab. Die Verweildauer der Stämme aber ist nicht allzu lange, wie die RHEINPFALZ-Leser erfahren: Egner lässt schätzen – einer weiß es. Genau: Gerade mal zwei Wochen dauert es, bis alles umgeschlagen ist, bis sich das Material auf der immens großen Lagerfläche quasi erneuert hat.
Überblick gewährt ein größerer, langgestreckter Raum, der nach vorne hin gänzlich verglast ist. Metalltreppen führen zu diesem eher ruhigen Arbeitsplatz – es gibt lautere, wie sich noch weisen wird: Hier aber kaum Lärm, kein Schmutz. Zwei Männer tun am Mittwochvormittag Dienst. Einer ist Chabo Jonan, der vor einem Schaltpult thront, auf drei Seiten umringt von Monitoren. Das Ensemble wirkt wie eine überdimensionierte Spielekonsole. Jonan bedient die Maschinen und Gerätschaften per Joystick, lässt die Stämme hochwuchten in eine Schälanlage, wo sie von ihrer Rinde befreit werden und dann weiterwandern. Indes findet hier bereits eine Qualitätskontrolle statt, wie der Geschäftsführer erläutert. Gilt es doch, einzuschätzen: Wofür taugt das, was da eben vom großen Stapel geklaubt und im ersten Schritt bearbeitet worden ist.
Viele weitere Schritte folgen, gut lässt sich im weiteren Verlauf der Führung nachvollziehen, was mit den Stämmen passiert. Wie sie kleiner werden und schließlich exakt konfektioniert auf Gabelstaplern in Trockenanlagen rollen. Schon vorm Führungsstart, bei der Einstimmung im Empfangsgebäude, hat Egner erläutert, dass die Sparte „Do-it-yourself“ das größte Absatz-Segment einnimmt. Rettenmeier sei mit Abstand größter deutscher Anbieter von Holzprodukten gerade für Baumarkt-Ketten. Somit wird auch klar, dass der Weg des Holzes vom Stamm bis in die Wohnung nicht weit sein muss.
Denn: Nicht zuletzt auch aus wirtschaftlichen Gründen baut Rettenmeier nach eigenen Angaben überwiegend auf Lieferanten in einem Einzugsbereich von rund 200 Kilometern. Holz aus der Pfalz und angrenzenden Regionen also, Holz auch aus Frankreich, das in Ramstein-Miesenbach weiterverarbeitet wird – um dann womöglich auch bei den Baumärkten in Landstuhl und Kaiserslautern zu landen, wo regional ansässige Verbraucher zugreifen. Von eher kurzen Wegen mal abgesehen, schreibe die Rettenmeier-Gruppe Nachhaltigkeit ohnehin groß, versichert der Geschäftsführer.
Seit 2008 wird am Rande des Industriegebiets Westrich, unweit der Autobahn-Anschlussstelle zur A62, Holz in wahren Massen verarbeitet. 2004 sei der Standort geplant worden, der seither zwar das größte Sägewerk in Rheinland-Pfalz verkörpert, innerhalb der Firmengruppe aber das kleinste sei. Sechs Standorte finden sich in Deutschland, zudem betreibt das Unternehmen das größte Sägewerk der Slowakei und ein weiteres in Lettland.
Die RHEINPFALZ-Leser erfahren an diesem Mittwochvormittag auch, dass ausgerechnet der Bau des Werks in der Westpfalz die Gruppe in finanzielle Schieflage gebracht hat, damals bedingt durch die Finanz- und Immobilienkrise, die im Jahr der Eröffnung so vieles ins Rutschen gebracht hat. Das 1948 gegründete Familienunternehmen wurde daraufhin an das Familienunternehmen Cordes verkauft. Der Name Rettenmeier aber steht weiter für einen europaweit agierenden, auch darüber hinaus liefernden Markt-Akteur in Sachen Holz.
Die Betriebsstätte in Ramstein-Miesenbach zeichne sich dadurch aus, dass auf 400.000 Quadratmetern Fläche mit modernster Technik auch erstklassige Rohstoffe verarbeitet würden. Auf 650.000 Quadratmeter beziffert die Rettenmeier-Holding die Kapazität an Schnittholz und Hobelware, die das Werk im Jahr verlässt, zudem würden rund 120.000 Tonnen Pellets ausgeliefert. Verarbeitet werden übrigens nur Nadelhölzer. Daran beteiligt sind im Ramsteiner Werk zurzeit 258 Mitarbeiter. Eins von vielen Themen waren bei der Leser-Tour auch die Ausbildungsmöglichkeiten, die das Unternehmen vor Ort bietet.
Jochen Egner, ein in der Pfalz inzwischen heimisch gewordener Franke, hatte für die Leser großes Lob parat: „Das war eine bemerkenswert interessierte Truppe“, so das Resümee des Geschäftsführers. „Man hat gemerkt, da waren viele dabei, die mit Holz arbeiten, die Bescheid darüber wissen.“ Entsprechend könne man auch in die Materie eindringen, freute sich Egner, Wissen übers bei manch anderen Führungen übliche Maß hinaus vermitteln zu dürfen. Nicht zuletzt der Wissbegier der Sommertour-Teilnehmer war denn auch geschuldet, dass sich die Führung lange hinzog und deutlich mehr als die angekündigten zwei Stunden in Anspruch nahm.