Glücksbringer
Mit der Nudelsuppe zum Erfolg
Momentan hat das Bauchkribbeln, das sich in der Regel vor einem sportlichen Wettkampf einstellt, Sendepause. Jedenfalls bei den Amateuren und erst recht beim Nachwuchs. Findet ja kein Turnier und auch kein noch so kleiner Vergleichswettkampf statt. Noch nicht mal vernünftiges Training darf sein.
In Ramstein halten sich die Geräteturnerinnen des Turn-Teams Sickingen gerade mit Ferntraining fit. Natürlich wissen sie ganz genau, wie es sich anfühlt, wenn die Musik erklingt und sie als Mannschaft oder Einzelturnerin in Reih und Glied mit der Konkurrenz einmarschieren, rein in die Sporthalle. Dort warten dann bereits die Wertungsrichter an den Tischen, lassen das Adrenalin bei den Turnmädels steigen. Die Bodenbahn, der Sprung, der Barren und natürlich der meist ungeliebte Schwebebalken lauern auch schon, das Herz pocht.
Plüschtiere und Gesten
Die Nervosität ist in solchen Momenten enorm. Gut zu wissen, dass der persönliche Glücksbringer in der Nähe ist oder bewährte Rituale eingehalten werden können. Das beruhigt – und zwar die Kleinen genauso wie ganz große Sportler. Was bei olympischen Spielen allein an Plüschtieren mit in die Arenen wandert, oder welch immer wiederkehrende Gesten bei Fußballprofis vor dem Anpfiff gezeigt werden, das lässt schon die Frage aufkommen, ist das nun verrückter Aberglaube oder doch hilfreich?
Rituale bekannter Sportprofis, wie der Blick zum Himmel, bevor der Sprint beginnt, die Hand aufs Herz oder an die Halskette, bevor es losgeht oder eben das Plüschschweinchen in der Trainingstasche sind im Prinzip nichts anderes, als das Fokussieren auf etwas, was guttut. Der kurzfristig enorm hohe Stressfaktor fährt runter, die Energie hoch, es läuft im Wettkampf. So kann es aussehen, man muss nur daran glauben.
Routinen antrainieren
Beim Turn-Team Sickingen haben sogar die Trainer Glücksbringer und Rituale. „Ich selbst habe immer einen alten kleinen Glücksbringer meiner damaligen Trainerin in der Tasche und bilde mir ein, dass das meinen Mädels Glück bringt, wie er mir Glück gebracht hat“, verrät Lea Wätzold, die Sportwartin und Trainerin im Verein. Auf den Glücksbringer alleine verlässt sie sich natürlich nicht. „Der Trainer selbst sollte selbstverständlich immer Ruhe ausstrahlen, was natürlich nicht einfach ist“, erzählt sie davon, dass die Übungsleiter generell versuchen, den Kindern bereits im Training Routinen anzugewöhnen, die dann im Wettkampf hilfreich sein können. Das könne beispielsweise ein Schlagwort sein, was den Kindern direkt signalisiere, was sie beim Einturnen machen sollen oder auch ein Schlagwort, das die Übung einleite. „Natürlich muss so etwas im Training „geübt“ werden“, so die Trainerin.
Der Kopfkissentrick
Und die Mädels, was für Rituale haben sie denn nun, um in Zeiten, in denen sie Wettkämpfe bestreiten dürfen, ein klein wenig entspannter sein zu können? Lea Wätzold hat nachgefragt und es kam Erstaunliches zu Tage. „Alle Mädels, die ich gefragt habe, egal ob Turnerin des Breitensports oder Spitzensports, egal ob sieben Jahre oder 18 Jahre, alle haben lustigerweise die gleichen Rituale“, berichtet die Sportwartin davon, dass alle am Abend vor einem Wettkampf, den Turnanzug unters Kopfkissen legen, darauf schlafen und ihn dann anziehen.
Der siebenjährige Mira Schwarz reicht das mit dem Turnanzug unter dem Kopfkissen noch nicht. Die kleine Turnerin geht nicht ohne kohlehydrathaltiges Frühstück zum Wettkampf. Da kann es dann schon mal vorkommen, dass sie sich von ihrer Mutter eine Nudelsuppe zum Frühstück servieren lässt, damit später an den Geräten alles glattgeht. Nicht schlecht!
Jungs geben sich cool
Und was ist nun mit den Turnjungs? Die ganz jungen Turner des Turn-Teams Sickingen hatten auch wegen Corona bislang noch keine Wettkampferfahrung, mussten somit auch noch nicht auf einen Glücksbringer zurückgreifen. Ja und die älteren Turner? Die sind nicht so abergläubisch und halten von alle dem nichts. Sagen sie jedenfalls. Vielleicht mal beim nächsten Wettkampf, wenn denn wieder einer ist, genauer hinschauen, ob nicht doch ein Plüschtier irgendwo aus der Sporttasche linst oder die Turner beim Einzug vielleicht doch das eine oder andere Ritual zeigen ...