Motorsport
Mit den Oldtimern kommt auch die Wehmut
Unmittelbar vor Beginn der Olympischen Sommerspiele fand 1972 die bislang größte Rallye in Deutschland statt. Rallye-Weltmeister Walter Röhrl, der im März 75 wurde und bei der Wiederauflage mit verschiedenen Fahrzeugen selbst am Start sein wird, nennt das Rennen von Kiel nach München noch heute einen „Meilenstein in der deutschen Rallye-Geschichte“. Die längste, anspruchvollste und legendärste Rallye war sie sowieso, „aber auch die Veranstaltung, die mein Leben entscheidend geprägt und in eine besondere Richtung verändert hat. Nach dieser Rallye war nichts mehr wie vorher.“
Es war die Geburtsstunde der internationalen Karriere des zweifachen Weltmeisters. Als Nobody im privaten Ford Capri fuhr der Regensburger gemeinsam mit seinem Beifahrer Hannes Rothfuß direkt nach dem Start die erste von insgesamt elf Bestzeiten, düpierte das ein oder andere Mal die internationale Konkurrenz und kämpfte um die Führung, als kurz vor dem Ziel bei Plattling das Pleuellager streikte.
197 Fahrzeuge, 2252 Kilometer
Seit Montag ist es nun unterwegs, das Team von „Walter Röhrl and Friends“ und rund 180 weitere Fahrer aus acht verschiedenen Nationen. Veteranen wie Europameister Jochi Kleint und der mehrmalige Deutsche Meister Harald Demuth, aber auch Teilnehmer, die vor 50 Jahren nicht einmal geboren waren. Auch die Fahrzeuge stammen aus unterschiedlichen Epochen. Über 50 davon wurden zwischen 1950 und 1972 gebaut. Insgesamt gehen 197 Fahrzeuge auf die sechs Tagesetappen über insgesamt 2252 Kilometer.
Punkt 15.03 Uhr soll der Tross am vierten von sechs Renntagen dann aus Köln, Gemündener Maar und Pferdsfeld über Otterbach kommend in Kaiserslautern eintreffen. Der ehemalige Motorsportler Axel Zäuner (64) und die Mitglieder der Sportfahrer-Union Kaiserslautern (SUK) sind für die Organisation vor Ort verantwortlich. Die für einzelne Strecken angegebenen Soll-Zeiten gilt es einzuhalten. Eine Aufgabe, die vor allem die Co-Piloten fordert. Wichtig dabei ist es, nicht zu spät, aber auch nicht zu früh anzukommen.
30 Meter in fünf Sekunden
Eine weitere Prüfung besteht darin, eine Strecke von 30 Metern in genau fünf Sekunden zu passieren. Noch eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen für die Beteiligten und weiter geht es. Vielleicht bleibt noch etwas Zeit für einen kurzen Plausch mit den damaligen Teilnehmern aus der Region. Zäuner war es ein besonderes Anliegen, Gernot Zapf, Emil Ecker, Adolf Graf und andere zur Jubiläums-Rallye einzuladen.
Bis das Tagesziel Speyer bei dieser „Königsetappe“ über 483 Kilometer erreicht wird, wartet auf die Fahrer noch eine ganz besondere Herausforderung: Das legendäre Kurven-Labyrinth bei Waldleiningen wurde 1972 für etliche Fahrer zum Verhängnis. Nicht umsonst wird die Strecke unter Rallyefahrern noch heute ehrfurchtsvoll „Olympiakurve“ genannt. Am Samstag werden die Fahrer samt ihrer Oldtimer in München erwartet.