Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Michel Heftrich wirbt auf einer Fahrrad-Europatour fürs Reparieren

Michel Heftrich reist mit seinem Cargo-Bike von Repair Café zu Repair Café durch Europa.
Michel Heftrich reist mit seinem Cargo-Bike von Repair Café zu Repair Café durch Europa.

Reparieren für die Umwelt: Das ist das Credo, mit dem der Luxemburger Reparatur-Aktivist Michel Heftrich derzeit durch ganz Europa reist und mehr Bewusstsein für die Bedeutung des Reparierens schaffen möchte. Am Dienstag war er im Repair Café des Arbeits- und sozialpädagogischen Zentrums (ASZ) zu Gast und erzählte, was ihn auf seiner Tour antreibt.

Auf den Reparatur-Tischen lagen schon die ersten „Patienten“ bereit. Ein defekter Föhn, ein demontiertes Fahrrad und ein fast schon antiker Folienschweiß-Automat aus den 1980er-Jahren. Totgeglaubte Dinge, die an diesem Tag im Repair Café im ASZ vielleicht wieder zum Leben erweckt werden können. Einer, der weiß, welchen Wert solche Repair Cafés haben, ist der Luxemburger Michel Heftrich, der in Gesellentracht und mit seinem E-Vollkabinenfahrrad angefahren kam. Im Juni 2013 organisierte er das erste Repair Café in seiner Heimat. „Ein Ur-Vater bin ich nicht, aber ein Ur-Fan“, sagt er. „2012 habe ich durch einem belgischen Freund das erste Mal von der Idee gehört. Und 2013 habe ich mein eigenes Repair Café in Luxemburg eröffnet. Und seitdem bin ich Feuer und Flamme für dieses Konzept.“

5555 Kilometer in 136 Tagen

Immer wieder besucht er Repair Cafés in ganz Europa. So wie bei seiner aktuellen „Repairs for Future“-Tour, bei der in 136 Tagen zehn Länder und 5555 Kilometer abfahren will. Auf diesen Reisen versucht er für das Reparieren zu sensibilisieren. Und ganz nebenbei erweitert er bei den Reisen seinen eigenen Wissenshorizont in Sachen Reparaturen.

Ein Reparierer „in dem Sinne“ sei Heftrich nämlich nicht, er war eigentlich Metalldreher von Beruf. „Aber ich interessiere mich sehr für das Reparieren, schaue gerne auf meinen Reisen dabei zu, wie andere Geräte öffnen und Fehler beheben, und erweitere immer wieder mein Wissen, um später zu Hause mehr reparieren zu können.“ 2019 entstand die Idee zu der europaweiten „Sensibilisierungskampagne“. Denn viele seiner Bekannten hätten sich darüber beklagt, „dass immer nur die gleichen Menschen zum Reparieren ihrer Sachen in die Cafés kommen. Und es gibt immer mehr Kunden als Reparateure. Wie können wir also auch dem Otto-Normalverbraucher näher bringen, dass er Dinge nicht wegschmeißt, sondern sie repariert?“

Er will sensibilisieren

Heftrich betont jedoch: „Ich bin kein Missionierer. Ich will also niemanden bekehren. Denn ich bin auch nicht perfekt. Ich habe zum Beispiel keine reparierbaren Schuhe an. Da musste ich mir von einem Schuster zurecht einen Vorwurf machen lassen“, gesteht Heftrich lächelnd. „Ich will die Menschen nur dafür sensibilisieren, dass sie, bevor sie etwas wegschmeißen, sich daran erinnern, dass es Repair Cafés gibt.“

Heftrich ist überzeugt davon, dass man mit mehr Reparaturen nicht nur nachhaltiger leben, sondern auch die Umwelt um einiges gesünder halten könne. „Was wir überhaupt nicht vor Augen geführt bekommen, oder nur sehr wenig, ist, dass wir überhaupt nicht wahrnehmen, was mit unseren defekten Geräten passiert bei der Produktion und bei der Entsorgung. Bei der Produktion wird die Natur ausgebeutet, und es gibt eine Dokumentation, die aufzeigt, was bei der Entsorgung mit unseren Geräten in den Dritte-Welt-Ländern passiert. Ich sage immer: Wir bezahlen nicht den ehrlichen Preis für Geräte. Wir leben auf Kosten anderer Menschen und auf Kosten der Natur.“

„Politik muss mehr tun“

Eine mögliche Lösung sehe er in einem länderübergreifenden Bewertungsetikett über die Reparierbarkeit aller neu produzierten Geräte – so wie sie bereits in Frankreich eingeführt wurde. „Die Belgier werden nun wahrscheinlich nachziehen, eine Anfrage beim Parlament für eine solche Etikettierung ist bereits eingegangen.“ Heftrich selbst kaufe „sehr selten etwas Neues. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal eine neue Hose gekauft habe. Ich kaufe meistens, was schon da ist und meistens Secondhand.“

Heute gebe es europaweit mindestens 3000 Reparatur-Initiativen. Alleine in Österreich seien durch den sogenannten Reparaturbonus etwa 560.000 Geräte repariert worden. „Die Politik kann also sehr viel dazu beitragen, dass die Kultur des Reparierens wiederbelebt wird“, sagt der Aktivist, „denn unsere defekten Geräte sind nicht Abfall, sondern Ressourcen.“ Und diese Ressourcen gelte es vor dem Müll zu retten. Dafür ist Michel Heftrich mit seinem Cargobike unterwegs, von Salzburg über Amsterdam bis nach Zürich – und Kaiserslautern. Von hier aus radelt der Aktivist nach Neunkirchen weiter, um dort mehr Bewusstsein für die Nützlichkeit von Reparaturen zu schaffen.

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