Kaiserslautern Metallspäne und der Magnet

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Marcel Adam – ein Magnet sondergleichen. Beim französischen Abend zum Auftakt der Ramsteiner Sommernächte quoll der Rathausplatz nahezu über vor Menschen. Rund 500 Besucher erlebten einen bestens aufgelegten Lothringer Liedermacher, der zusammen mit seiner Band La Fine Equipe und einer Auswahl seiner schönsten Lieder brillierte.

Auch auf der Bühne selbst erwies sich Adam als Magnet: Restlos alle Zuhörer, bis zur letzten Bank, waren auf ihn ausgerichtet, wie Metallspäne auf einen magnetischen Pol, und lauschten gebannt seiner charmanten Moderation und den teils kritischen, teils unter die Haut gehenden Liedern. Wieder zeigte sich der in „Großblie“, direkt an der Grenze zum Saarland wohnhafte Lothringer als echtes Multitalent. Kein Wunder, dass seine Lieder und Balladen dreisprachig sind. Da hören wir Französisch, wie das „Tu me fais tourner la tête“, und Deutsch, wie das „Lied von der Krummen Lanke“, vor allem aber seinen wunderbaren lothringischen Dialekt, der dem Moselfränkischen, besonders dem Pfälzischen, nah und von daher für uns gut zu verstehen ist. „De Schompierre“ ist aber auch ein „Schwadeduddeler“, der über Saarländer und Lothringer im Allgemeinen und über Elsässer im Besonderen parliert. Seine Alltagsphilosophie lässt er mal in fröhlichen Anekdoten, mal in bissigen Satiren los und bemüht dabei stets seinen „hundsgewehnliche, normale, lothringische Menscheverstond“. „Sinner immer noch bei de erschte Frau?“, fragt er ins Publikum. „Wer vun eich is noch nie fremdgong? Mon Dieu, muss das langweilig sein bei euch daheim“, ruft er und grinst dabei hintergründig. Dass er das gar nicht so ernst meint, zeigt, wenn er von starken Frauen singt, denen er in seinen Liedern ein Denkmal setzt. So wie „s’ Karoline von Saargemines“, dem die SS-Schergen in Buchenwald und Theresienstadt dreimal den Schäferhund auf den Leib gehetzt, die Bestie jedoch sich eigenartigerweise vor ihre Füße gesetzt hatte. Auch von alten Dorfgeschichten singt und erzählt der Liedermacher, von der ersten Wasserleitung in den 1960er Jahren, vom Dorfbrunnen, der den Einwohnern als Kühlschrank diente oder vom „Bottschamber“ (Pot de Chambre), der sogenannten „Mitternachtsvase“. Immer wieder nimmt er sein Publikum interaktiv mit (wie in dem Lied „Es Adele, de Robert un de Fortschritt“) , wenn alle mitsingen: „In de Brunne s’Bier un de Bifsteck – Rin tunke in’s Dunkle.“ Adams sonore, ausdrucksvolle Stimme ist dabei bis in den letzten Winkel des Platzes zu vernehmen, wobei er sich sein charmantes Lächeln nicht verkneifen kann. Nachdenklich und leise wird seine Stimme, wenn er „Die Rose“ singt oder „Wunder geschehen“, das er auf besonderen Wunsch sogar zweimal gibt. Das geht unter die Haut, da werden die Herzen weit. Genauso weiß Adam auch mit der Gitarre umzugehen. Da ist er ein Freund von großer Klarheit und Ökonomie. Über die seltene Gabe, sein Publikum den Schwierigkeitsgrad selbst komplexester Kompositionen nie spüren zu lassen, verfügt Adams Begleiter Ivo Müller auf der Gitarre. Und Christian Fantauzzi webt sich immer wieder mit fingerakrobatischen Läufen in das musikalische Geschehen auf dem Akkordeon ein. Wie immer endete das Konzert mit Dietrich Bonhoeffers Lied „Von guten Mächten“, und wieder einmal gelang es Marcel Adam, dass seine Zuhörer nachdenklich, aber glücklich nach Hause gingen.

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