Kaiserslautern
Metalband Nachtblut spielt in der Kammgarn
Es war das zehnte und letzte Konzert der aktuellen Tournee, aber weder die Vorband noch der Hauptact zeigten am Samstagabend im brechendvollen Kasino der Kaiserslauterer Kammgarn auch nur die geringste Spur von zu diesem Zeitpunkt vielleicht erwartbarem Energieverlust. Ganz im Gegenteil: Die sowohl im Namen wie im Stil nicht unähnlichen Metal-Bands Asenblut und Nachtblut fegten von Anfang an mit einer Verve über die Bühne, als habe man die Gastspielreise gerade erst begonnen.
Den ersten Teil des langen und harten Abends gestaltete die Göttinger Band Asenblut. Das Death-Metal-Quartett um den beeindruckend muskelbepackten und gewandeten Frontmann Tim „Tetzel“ Schmidt - er betrat die Bühne mit einem Mikrofonständer in Streitaxt-Form und einem Tierschädel-Helm – schien sich in Titeln wie „Entfesselt“ und „Bruderschaft“ rhythmisch immer wieder selbst überholen zu wollen. Dazu kamen die zwischen gutturalem Gesang und exaltierten Schrei-Sequenzen angesiedelten Vokalisen des Sängers. Da blieb bei Band und Publikum gleichermaßen kaum Zeit zum Luftholen. Die begeisterte Menge der wie die Musiker vorwiegend dunkel gekleideten Fans ließ sich immer mehr mitreißen, die Stimmung im Saal erreichte schon früh ungeahnte Höhen.
Es ging auf einer etwas anderen Spur des schnellen Metal-Highways danach sogar noch intensiver weiter. Die Osnabrücker Dark-Metal-Band Nachtblut zelebrierte einerseits einen vielschichtigen, stellenweise geradezu fein ziselierten Sound (soweit man das in jenem Genre überhaupt sagen kann) mit pointierten Soli und mit passgenau eingespielten Melodie-Sequenzen aus dem Off.
Andererseits widmeten sich die totenbleich geschminkten Musiker Askeroth (Gesang), Greif (Gitarre), AblaZ (Bass) und Skoll (Schlagzeug) im Gegensatz zu den Supportern des Abends (wo es nicht nur, aber oft um die nordische Mythologie ging) thematisch um schon ziemlich deftige Themen: Dunkelheit, Tod und Gewalt ziehen sich durch ihre Lieder wie etwa in „Kalt wie Grab“ und „Antik“.
Gesellschaftskritik
Dabei darf man nicht nur an der Oberfläche bleiben, denn Vieles ist bei Nachtblut Interpretationssache oder offenbart sich schon bei genauerem Hinhören – sofern der typische gutturale, dann bisweilen an Rammstein erinnernde Gesang dem Live-Verständnis nicht entgegensteht – als markante Kritik an der Gesellschaft.
Der Titel „Stirb langsam“ etwa ist anfangs nur ein deftiges Trinklied, prangert dann aber tatsächlich die Gefahren des Alkohols an. Und das im Zugabenteil aufgetauchte „Das Leben der anderen“, ein auch kompositorisch bemerkenswertes, sich im Ausdruck stetig steigerndes Stück, beschäftigt sich nur scheinbar mit Neidgefühlen, es thematisiert die dunkle Seite der Social-Media-Welt.
Hintergründig
Insgesamt war das Konzert nichts für sanfte Gemüter mit schwachen Nerven, aber es war weitgehend faszinierend in der musikalischen und textlichen Ausarbeitung. Durchaus interessant war das Nachspüren von Inhalten hinter dem Vordergrund. Langeweile gab es bei den Auftritten der beiden erfahrenen Bands in keinem Takt ihrer Darbietungen. Die Zeit bis zur letzten Zugabe mit den beiden Sängern Schmidt (Asenblut) und Askeroth (Nachtblut) im massiv-vokalen Doppelpack verging wie im Flug und ließ ein offensichtlich rundum zufriedenes Publikum zurück.