Ramstein-Miesenbach / Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Meister aller Klassen: der Pianist Robert Leonardy

Klaviervirtuose, Lehrer, Kulturmanager und -propagandist, jetzt Rapper und Youtuber: Der Ideenreichtum des Tausendsassas Robert
Klaviervirtuose, Lehrer, Kulturmanager und -propagandist, jetzt Rapper und Youtuber: Der Ideenreichtum des Tausendsassas Robert Leonardy ist auch mit 81 Jahren ungebrochen.

Als „Klavierabend der Superlative“ wird das Rezital mit dem Konzertpianisten Robert Leonardy beworben. Auf den ersten Blick einer der üblichen lautstarken Marketing-Sprüche für die Veranstaltung am 17. Oktober im Congress Center Ramstein. Doch bei Maestro Leonardy ist die Großspurigkeit berechtigt.

Denn der alterslose Tausendsassa ist künstlerisch, pädagogisch und menschlich eine durchaus herausragende Persönlichkeit mit vielen Alleinstellungsmerkmalen. Der mittlerweile 81-jährige Pianist verblüfft im RHEINPFALZ-Gespräch durch analytischen Scharfsinn, Altersweisheit sowie immer noch jugendlichen Elan, Sturm und Drang.

In der Entdeckung des digitalen Raums erweist er sich zudem als sehr experimentierfreudig. Leonardy kokettiert mit dem Spruch seines Tastenkollegen Jorge Bolet, als dieser - ebenfalls betagt - lakonisch feststellte: „Ach, wie viele nachstrebende Pianisten sind schon an mir vorbeigezogen und ich bin immer noch da.“

Auf Initiative des Chorleiters und pensionierten Gymnasiallehrers Heribert Molitor konzertierte der Saarländer schon früher in Ramstein. Nach eigenen Angaben spielt er aber jetzt erstmals im Congress Center - und zwar einen programmatischen Querschnitt von Beethoven über Ravel bis hin zum hoch virtuosen Klavierwerk „Islamey“ von Balakirew.

Bloß keine „geschmierten Maschinen“

Allerdings ist der Spross einer saarländischen Musikerfamilie nach Studien an den Hochschulen Saarbrücken, Frankfurt und Paris kein Verfechter der virtuosen und plakativen Selbstdarstellung. Er kennt die Auswüchse von Virtuosentum und Eigendarstellung mit vermeintlich spektakulären Interpretationen nur zu gut. Diese Auffassung ist ihm fremd. Er spricht gar von „Klaviermaschinen“, die „wie geschmiert laufen“.

Leonardy verkörpert dagegen den humanistisch-kunstästhetischen Ansatz. Er gründete die erfolgreichen Musikfestspiele Saar und rief in Frankreich eine Gesellschaft gegen Demenz und Alterserscheinungen ins Leben, die Krankheit durch Musik kompensiert. Auch als Klavierprofessor an der Hochschule Saarbrücken (zuvor Konservatorium Köln), als Mentor und Coach von Preisträgern und als Juror erwarb er sich internationale Anerkennung.

In der Coronakrise wartete er mit einer Serie von Youtube-Einspielungen aus seinem Anwesen in Nancy auf - unter dem Motto „Coronazeit mit Klavier“. Dort bewohnt der frankophile Künstler eine alte Mühle, daneben ein Domizil in der saarländischen Landeshauptstadt. Er ist aber nicht nur ein Grenzgänger zwischen zwei Standorten: Über den Jazzpianisten Jacques Loussier sei er wieder zu Bach gekommen.

Klassik, Jazz, Rap und Youtube

Nach dieser Erfahrung mit der Verbindung von Thomaskantor und Jazz hat er selbst eine kuriose, skurrile und schrill-schräge Bearbeitung eines Bach-Präludiums auf Youtube eingespielt. Zusammen mit einem Rapper, einer in Vokalisen intonierenden Sängerin und einem Schlagzeug entsteht eine ungewöhnliche Sicht auf den barocken Altmeister Bach. Da werden alte Zöpfe abgeschnitten.

Robert Leonardy liebt offenbar das Außergewöhnliche, schwärmt von sogenannten Taschenkonzerten in Frankreich: Gefördert vom Staat, geben Familien den verschiedensten Künstlern Auftrittsmöglichkeiten in ihren Räumen, beherbergen und bewirten sie. So entsteht ein außergewöhnlich enger Kontakt und Austausch.

Auch sonst lobt Leonardy die Offenheit der französischen Nachbarn für Kultur, vor allem für klassische Musik. „Neue Formate und jüngere Zielgruppen zeigen“, so Leonardy, „eine lebendigere Kulturauffassung als hierzulande“.

Tschaikowski statt Gebimmel

Befragt nach kompositorischen Vorlieben, schwärmt Leonardy - Wie könnte es anders sein? - zunächst von den französischen Impressionisten, dann von Schumann, den er über alles liebt . Er erweist aber auch Beethoven seine Reverenz. Hier wendet er ein Zitat von Schiller an: „Nur das Gesetz kann Freiheit geben.“ Das Gesetz ist für ihn die feste Form, wie Sonatenhauptsatz oder Rondoform, die Beethoven zwar klassisch einhalte, aber darin ungeahnte Freiheiten auslote.

Leonardy lässt nichts unversucht, um klassische Musik rund um den Globus zu verbreiten. Er konzertierte mit Orchestern und in Soloabenden weltweit. Außerdem kontaktierte er Jugendsender, um klassische Musik neben Pop und Rock zu implementieren. Daher verbreitete er auch seine „Klingel-Aktion“: An Schulen werden als Pausenzeichen anstelle des üblichen Läutens Kurzausschnitte von klassischer Musik eingespielt.

Nicht ohne Stolz berichtet er, dass an einem Gymnasium nach tagelangem Abspielen der Anfangstakte des ersten Klavierkonzerts von Tschaikowski viele Schüler nach der Aufnahme gefragt und sich anschließend besorgt hätten. Übrigens hat sein Meisterschüler Molitor diese Idee am Ramsteiner Gymnasium auch eingeführt.

Info

Der „Klavierabend der Superlative“ mit Robert Leonardy findet am Sonntag, 17. Oktober, 17 Uhr, im Ramsteiner Congress Center (RCC) statt.

Infos auf der Internetseite https://congress-center-ramstein.de

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