Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Mehrere hundert Menschen bei Fackelwanderung zum Humbergturm

Die Stimmung ist großartig, es gibt ein Lagerfeuer, Bratwurst, Glühwein und Jagdmusik.
Die Stimmung ist großartig, es gibt ein Lagerfeuer, Bratwurst, Glühwein und Jagdmusik.

Er ist nicht nur ein Freund der Lauterer. Aus der Vorderpfalz und aus dem Westrich waren Besucher angereist. Die Fackelwanderung zum Humbergturm hat sich herumgesprochen. Nach längerer Pause war der abendliche Spaziergang durch den Winterwald für Jung und Alt ein nicht alltägliches Erlebnis.

Fast eine Stunde vor dem individuellen Start hinauf zum Humberg gegen 18 Uhr ist auf der Parkfläche beim Landgasthof Bremerhof kaum mehr ein Platz zu bekommen. Der Menschenauflauf um die Ausgabestelle der Fackeln ist groß. Ohne eine Fackel zum Humbergturm, das geht heute gar nicht. Das Wetter stimmt. Der Himmel ist bedeckt. Mit wenigen Graden über Null ist es immer noch leicht winterlich. Entsprechend gekleidet geben sich die Besucher mit Mütze, Schal, dicken Jacken, Rucksack und festem Schuhwerk ein Stelldichein.

Am Bremerhof geht es los

Unter ihnen auch Birgit Eicher. In der Vergangenheit hat sie vom Balkon ihres Hauses auf dem Betzenberg beobachtet, wie die Besucher mit brennenden Fackeln vom Humbergturm in der Dunkelheit durch den Winterwald zum Ausgangspunkt, dem Bremerhof, gezogen sind. „Ein tolles Bild“, meint die Frau, die gleich mehrere Familienmitglieder und Freunde mitgebracht hat. Unter ihnen auch Ralf Pera, der Vorsitzende des Pfälzerwald-Vereins Kaiserslautern. Er ist bereits zum wiederholten Mal dabei und freut sich auf einen Glühwein und ein nettes Beisammensein.

Noch bei Tageslicht werden vor dem 1,6 Kilometer langen Aufstieg zum Turm die ersten Fackeln entzündet. Für die jüngsten unter den Wanderern ein kleines Abenteuer. So auch für die vierjährige Emely, die, von ihren Großeltern begleitet, es kaum erwarten kann, das Ziel zu erreichen. Licht ist der Wald, kahl das dunkle Geäst von Buchen und Eichen. Hier und da sorgt das Grün der Nadelbäume für etwas Farbe. Eine dicke Schicht mit welkem Laub bedeckt den ansteigenden Weg. Der Untergrund ist sandig, ein Zeichen für extreme Trockenheit. Stellenweise geht es über abgerutschte Wurzeln und Sandsteine. Noch ist die rote Wegmarkierung mit dem Logo des Humbergturms gut zu erkennen. Nicht zu übersehen der Blick auf die Stadt Kaiserslautern, in der bereits die Abendbeleuchtung sichtbar ist.

Schwedenfeuer und Bratwurstduft

Umgeben von kahlen Baumstämmen und Rauchschwaden von Feuerstellen, taucht nach gut einer halben Stunde Aufstieg der alte Recke auf. Gleich einem riesigen Zeigefinger erhebt sich der Aussichtsturm mit seinen 36 Metern auf dem Humberg. Reges Treiben herrscht um das Wahrzeichen der Stadt. Mitarbeiter der Forstabteilung des Referats Grünflächen haben Schwedenfeuer entzündet. Auf der Platzmitte brennt ein Lagerfeuer. Jede Menge Leute haben sich bereits eingefunden. Ein Duft von Bratwurst und Glühwein mischt sich mit dem Rauch der Feuerstellen. Karl Pletsch, bekannt als Betreiber des Rolling Snack auf dem Wochenmarkt, hat mit seinen Mitarbeitern alle Hände voll zu tun, die Nachfrage nach Würsten, Frikadellen und Getränken zu bedienen.

Zwischenzeitlich hat sich die Dunkelheit breit gemacht und immer mehr Fackelwanderer finden sich auf dem Humberg ein. Sie gruppieren sich um die Schwedenfeuer, haben den großen Steintisch belagert, stehen in Grüppchen zusammen und freuen sich, endlich wieder gemeinsam etwas zu erleben. So auch ein Ehepaar aus Kaiserslautern, das von Silvesterwanderungen zum Humbergturm berichtet und sich jetzt über die Fackelwanderung freut. In Kaiserslautern sei nicht so viel los. Da komme eine Veranstaltung wie diese gerade recht, meint der Ehemann. „Ich kenne den Humbergturm, seit ich laufen kann.“

„Eine tolle Sache“

Geduldig in der Schlange vorm Imbissstand, die zwischenzeitlich über den ganzen Vorplatz reicht, steht Dagmar Anstätt mit einer Freundin aus Landstuhl. „Eine tolle Sache, die zur Jahreszeit passt“, singt sie ein Loblied auf die Fackelwanderung und verweist auf frühere Veranstaltungen des Humbergturm-Vereins. Endlich mal ein Fest, wo Vierbeiner nicht zu Hause bleiben müssen. Sie fühlen sich in der Menschenmenge ebenso wohl wie ihre Halter. Kinder und Jugendliche haben es sich ums Lagerfeuer gemütlich gemacht, picknicken und warten wie alle Besucher auf die Darbietung der „Rosenthaler Jagdhornbläser“.

Da ergreift Werner Lademann, der Vorsitzende des Humbergturm-Vereins, das Mikrofon und spricht von einer „langen, langen Pause“ der Fackelwanderungen. Umso mehr freue er sich, dass so viele der Einladung gefolgt sind. Die Bedingungen seien optimal. Da stoßen sie auch schon ins Horn, die Jagdbläser, die sich vor dem Treppenaufgang zum Turm aufgestellt haben. Sechs aktive Jäger sind es, die auf das Zeichen von Hornmeister Markus Vorbeck gewartet haben und jetzt mit kleinen und großen Jagdhörnern Jagdmusik zum Besten geben. Unverkennbar erklingen Melodien wie „Ein Jäger aus Kurpfalz“ oder „Auf, auf zum fröhlichen Jagen“. Der Applaus von mehreren hundert Besuchern ist nicht zu überhören.

Fackelträger in kleinen Grüppchen

Und während das fröhliche Treiben um den Turm seinen Lauf nimmt, machen sich die ersten Wanderer wieder auf den Weg in Richtung Bremerhof. Im Licht von brennenden Fackeln geht’s in der Dunkelheit den Humberg hinab. Ein nicht alltägliches Bild tut sich auf. Im Schein der Feuerzungen bewegen sich die Fackelträger in kleinen Grüppchen durch die Nacht. Noch mehr als beim Aufstieg beeindruckt der Blick auf die Stadt, die gleich einem Lichtermeer im Dunkel der Talsohle liegt.

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