Kaiserslautern / Mainz RHEINPFALZ Plus Artikel Mehr Medizinstudienplätze: „Klebeeffekt“ auf eigenes Risiko

Das Westpfalz-Klinikum dient schon lange als Lehrkrankenhaus für die Unis in Mainz und Heidelberg. Jetzt will es endgültig in de
Das Westpfalz-Klinikum dient schon lange als Lehrkrankenhaus für die Unis in Mainz und Heidelberg. Jetzt will es endgültig in den akademischen Betrieb einsteigen.

Die Westpfalz-Klinikum GmbH errichtet eine Medical School mit insgesamt 240 privaten Medizinstudienplätzen. Das finanzielle Risiko tragen die kommunalen Gesellschafter.

„Klebeeffekt“ ist ein Schlüsselbegriff, wenn es darum geht, was die Regierungsparteien CDU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag für die aktuelle Legislaturperiode festgeschrieben haben. Denn dort steht unter der Rubrik Gesundheit auch, dass in den nächsten fünf Jahren 200 zusätzliche Medizinstudienplätze geschaffen werden sollen. Vor allem die ärztliche Versorgung in der Fläche soll sichergestellt werden, da bekanntlich viele Hausärzte mittelfristig in Rente gehen. Dabei setzt das Land darauf, dass in Rheinland-Pfalz ausgebildete Mediziner auch in Rheinland-Pfalz bleiben.

130 dieser 200 zusätzlichen Medizinstudienplätze waren bereits in der vergangenen Legislatur aufs Gleis gesetzt worden. So entstehen 50 weitere Plätze am Medizincampus Koblenz und bis zu 80 private Medizinstudienplätze an der Medical School Kaiserslautern. Der fehlende Rest soll ebenfalls „durch einen Aus- und Aufbau von Satellitenstandorten im Land, Kooperationsprojekten und auch unter Zuhilfenahme europäischer Partner-Universitäten“ zustandekommen.

Start schon 2025/26

Für die Westpfalz ist die Medical School Kaiserslautern das zentrale Projekt bei der ärztlichen Versorgung der Zukunft. Bereits zum Wintersemester 2025/26 hatten die ersten 42 Studierenden ihr Studium aufgenommen, künftig sollen es 80 pro Jahrgang sein. Dazu kooperiert das Westpfalz-Klinikum mit der Semmelweis-Universität in Budapest (Ungarn). Dort absolvieren die Nachwuchs-Mediziner das vorklinische Studium und wechseln dann zum praktischen Teil nach Kaiserslautern. Wer sich dafür bewirbt, muss keinen Abiturdurchschnitt von 1,0 haben – allerdings muss das Studium selbst finanziert werden, die Gebühr beträgt aktuell 9340 Euro pro Semester.

Um den praktischen Teil in der Westpfalz zu ermöglichen, richtet das Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern eine Medical School mit insgesamt 240 Plätzen ein. Diese ist Bestandteil eines Gesundheitscampus, dessen zweite Hälfte aus einem modernen Ausbildungszentrum für medizinische Fachberufe bestehen wird. Gebaut wird auf dem früheren Pfaffgelände, bis 2029/30 soll die Medical School bezugsfertig sein. Folglich muss ein Jahr überbrückt werden, wenn die ersten 42 Studierenden 2028/29 in die Westpfalz wechseln.

Zuschuss fürs Gebäude

Das Land hat die Kooperation von Westpfalz-Klinikum und Semmelweis-Universität eng begleitet. Finanziell fördert es die derzeit mit 15 Millionen Euro bezifferten Investitionskosten für den Gebäudeanteil mit zwölf Millionen Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaschutz des Bundes; die Ausschreibung soll demnächst erfolgen. Die Förderlücke von drei Millionen Euro soll über ein Darlehen geschlossen werden; gelingt das nicht, springen die Gesellschafter des Klinikums ein: die Stadt Kaiserslautern sowie die Kreise Kusel und Donnersberg.

Das frühere Pfaffgelände in Kaiserslautern wird Standort des zweiteiligen Medizincampus.
Das frühere Pfaffgelände in Kaiserslautern wird Standort des zweiteiligen Medizincampus.

Hinzu kommen die laufenden Kosten. Diese betreffen zum einen die Anlaufphase bis 2031, in der die Medical School funktionieren muss, ohne dass bereits alle Plätze belegt und damit über die Studiengebühren finanziert sind. Deshalb rechnet das Westpfalz-Klinikum in dieser Phase mit einem Verlust von fünf Millionen Euro. Diese Summe kann nach aktuellem Stand über ein Darlehen finanziert werden, sollte es doch nicht klappen, springen wiederum die kommunalen Gesellschafter ein. Zum anderen kalkuliert die GmbH mit einem Verlust für den Fall , dass im Vollbetrieb nicht alle 240 Plätze vergeben sind. Das mögliche Defizit wird mit einer Million Euro im Jahr beziffert, wofür ebenfalls die Gesellschafter gerade stehen würden.

Gekommen, um zu bleiben?

Der Großteil der aktuell 42 Medizinstudenten stammt aus dem Südwesten Deutschlands. Insofern hoffen das Westpfalz-Klinikum und die Kommunen darauf, dass etliche von ihnen später in der Region bleiben werden. Dass die Studienplätze privat finanziert werden müssen und die Westpfalz-Klinikum GmbH dafür das finanzielle Risiko übernimmt, wurde in den kommunalen Gremien durchaus diskutiert – schließlich ist es Sache des Landes, für die notwendige Anzahl an Medizinstudienplätzen zu sorgen. Letztlich aber wurde die Medical School jeweils einstimmig unterstützt. Nur die FDP im Stadtrat Kaiserslautern und im Donnersberger Kreistag enthielt sich der Stimme.

Land sieht kein Problem

Dass die Studienplätze an der Medical School Kaiserslautern im Koalitionsvertrag stehen, obwohl das Land dafür nichts zahlt, weil es private Plätze nicht fördert, ist aus Sicht des Landes kein Problem. „Die Initiative zwischen Westpfalz-Klinikum und Semmelweis-Universität wird eng begleitet“, heißt es auf Anfrage von Seiten des SPD-geführten Gesundheitsministeriums. Das Ziel, die Initiative dauerhaft in Rheinland-Pfalz aufzubauen und zu etablieren, „haben die Beteiligten im Koalitionsvertrag verankert“.

Das unterstreichen SPD und CDU auf Nachfrage. „Wir handeln, um die ärztliche Versorgung in der Fläche zu sichern; wer hier studiert, soll hier bleiben. Mit mehr Medizinstudienplätzen außerhalb von Mainz stärken wir die Westpfalz“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Alexander Schweitzer. Sein CDU-Amtskollege, der Zweibrücker Arzt Christoph Gensch, erklärt: „Der Koalitionsvertrag formuliert klar, was uns die Ausbildung unserer jungen Ärztinnen und Ärzte wert ist. Wer Ärzte will – und wir brauchen dringend Mediziner – der muss die Voraussetzungen dafür schaffen.“ Initiativen wie die Medical School stärkten die Westpfalz deutlich.

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