Kaiserslautern Mehr Beratung bei der Caritas gefragt
Für Menschen mit Migrationshintergrund ist der Betreuungs- und Beratungsbedarf durch das Caritas-Zentrum Kaiserslautern im vergangenen Jahr angestiegen – von zuletzt 361 auf 421 Personen.
Der Jahresbericht für 2016 weist dabei eine stete Zunahme von Flüchtlingen vorwiegend aus Syrien, Somalia und Eritrea aus. Stärkste Gruppe war aber nach wie vor die der Zuwanderer aus den östlichen EU-Ländern.Das Beratungs- und Unterstützungsangebot durch das Caritas Zentrum richte sich unverändert an alle Menschen in schwierigen Lebenssituationen, unterstreicht Caritas-Leiter Hans-Joachim Schulz im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Dazu gehörten seit 1978 schon Zuwanderer und Flüchtlinge. „Migration und Integration sind eigentlich nichts Neues für uns“, so der Caritas-Leiter. Mit der Zeit hätten sich daraus im Haus nahezu alle notwendigen Beratungsdienste entwickelt – ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wie sich angesichts der neuen Herausforderungen zeige. Dank der räumlichen Nähe und des internen Austauschs unter Kollegen sowie durch die Kooperation mit Diensten von außerhalb sei die Vernetzung entstanden, die heute das A und O der Beratungstätigkeit sei. Flüchtlinge und Asylbewerber bräuchten schließlich nicht nur Unterstützung bei der Klärung ihrer Aufnahmeverfahren. Beratungsbedarf gebe es in allen Bereichen, von der Schwangerschafts- bis zur Schuldnerberatung. Der Mangel an Fachkräften ist Schulz zufolge ein Grund, dass viele Ehrenamtliche auch in Verfahrensfragen ihre Hilfe anböten. 2016 sei deshalb eine stärkere Vernetzung von Fachberatung und Ehrenamtlichen notwendig geworden. Eine Verbesserung dieser Zusammenarbeit und damit der Beratungstätigkeit für Asylbewerber und Flüchtlinge hat das Projekt „BIK“ - eine Betreuungs-, Informations- und Kontaktstelle für Flüchtlinge und ehrenamtlich aktive Mitarbeiter in der Flüchtlingsarbeit - gebracht. „BIK“ ist ein Projekt der „Aktion Mensch“ und läuft mit finanzieller Unterstützung von Stadt, Landkreis, dem Mainzer Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz sowie der Zukunftsregion Westpfalz seit Januar 2016 über drei Jahre. Durch „BIK“ auf den Weg gebracht ist zum Beispiel das „Café International“ im Mehrgenerationenhaus als eine Kontaktstelle zwischen Einheimischen und Menschen unterschiedlicher Herkunft, die neu in Kaiserslautern sind, sowie mit ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern, so der Caritas-Leiter. Schulz unterstreicht in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit einer guten Begleitung von Ehrenamtlichen. Dazu gehören Schulungsangebote beispielsweise zum Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen, die Vermittlung von Kenntnissen über Konsumfallen oder ein Argumentationstraining gegen Stammtischparolen. Der Fischerrück und dort das Caritas-Projekt „Gemeinsam statt Alleingang“ ist im Jahresbericht ein Beispiel für den Wandel in der Bevölkerung. 2004 im Auftrag der Stadt gegründet, um Menschen und Familien aus der ehemaligen Sowjetunion bei der Integration zu unterstützen, ist der Anteil an Aussiedlerfamilien von ehemals 60 Prozent dort deutlich gesunken. Heute leben dort zunehmend Asylsuchende, Empfänger von Arbeitslosengeld II und Familien aus den neuen EU-Ländern. Um Unzufriedenheit und Unruhe zu begegnen, die durch den Zuzug von Flüchtlingen in das Gebiet aufzukommen drohte, luden die Stadt, der „Arbeitskreis West zur Verbesserung der Lebenssituation“ und das Caritas-Zentrum Anfang 2016 Anwohner zu einer Informationsveranstaltung zum Thema Integration und Migration ein. Mit Blick auf geplante bauliche Entwicklungen auf dem Fischerrück hat der Arbeitskreis zuletzt Ende letzten Jahres die Initiative ergriffen und die Stadt auf die bestehende schwache Infrastruktur bei Kita-Plätzen und unzureichende Nachmittagsangeboten für Kinder hingewiesen. Ein Höhepunkt im laufenden Jahr ist für das Caritas-Zentrum der „Caritastag der Ehrenamtlichen“, der traditionell am Elisabethentag, dem 18. November, stattfinden wird und zwar in der Martinskirche und der Fruchthalle. Schulz geht davon aus, dass dazu rund 500 Teilnehmer aus der Diözese Speyer nach Kaiserslautern kommen werden.