Kaiserslautern „Mehr als nur Politik“
Es war ein Rückblick auf eine bewegte Geschichte − und ein bisschen Wahlkampf: Die SPD in Kaiserslautern beging das 125. Jubiläum ihrer Gründung 1892. Für eine Genossin wurde der Festakt in der Fruchthalle zu einem Ehrentag.
Die Kaiserslauterer SPD hat sich und ihre 125-jährige Geschichte mit einem Festakt in der Fruchthalle, der Stätte, an der die SPD nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Wiedergründung erlebte, gefeiert. Sie präsentierte sich als Partei, die in ihrer Geschichte die Stadt maßgeblich politisch geprägt hat. Gefeiert wurde der Festredner der Veranstaltung, der SPD-Bundesvorsitzende und Kanzlerkandidat Martin Schulz. Stehend und mit „Martin“-Rufen wurde er in der Fruchthalle empfangen. SPD-Stadtverbandsvorsitzender Oliver Guckenbiehl ließ die Geschichte der Partei in Kaiserslautern Revue passieren. Er erinnerte an die Gründung der SPD vor 125 Jahren, als eine Handvoll Sozialdemokraten um Eduard Klement das Heft in die Hand genommen hat. „Die Gründung der SPD in Kaiserslautern war 1892 keine einfache Formalie. Damals wie heute diskutierten die Genossen durchaus gerne und leidenschaftlich“, stellte der Stadtverbandsvorsitzende im Rückblick fest. Guckenbiehl rief in der bis auf den letzten Platz besetzten Fruchthalle auch die schwierige Zeit in Erinnerung, als die SPD von den Nazis verboten und ihre Mitglieder verfolgt worden waren. In der Rückschau fielen Namen aufrechter Sozialdemokraten, wie die von Eugen Hertel, Otto Wels und Philipp Mees. Die Erinnerung an eine schwere Zeit für die Sozialdemokratie nutzte Guckenbiehl vor der Bundestagswahl am 24. September zu einem Angriff auf den politischen Gegner AfD. Er appellierte an alle, Lehren aus der Geschichte zu ziehen. „Braun ist nicht immer braun, sondern manchmal auch blau.“ Wer seine Stimme an Rechtspopulisten vergebe, mache den Bock zum Gärtner. Guckenbiehl schlug den Bogen zur Wiedergründung der SPD nach dem Zweiten Weltkrieg im Februar 1946. Mit Alex Müller, dem ersten Oberbürgermeister, und Eugen Hertel, dem langjährigen Fraktionsvorsitzenden der SPD im Landtag, verband er den Beginn einer neuen erfolgreichen sozialdemokratischen Epoche. Guckenbiehl brachte die SPD-Oberbürgermeister in Erinnerung, die nach Alex Müller die Stadt regierten: Walter Sommer, Hans Jung, Gerhard Piontek und heute Klaus Weichel. Der Stadtverbandsvorsitzende bekannte, dass für ihn die SPD nicht nur politisch, sondern vor allem auch menschlich eine Heimat sei. „Die SPD ist für mich mehr als nur Politik, sondern auch ein Ort von Freundschaften“, sagte er. Für ein Mitglied der Kaiserslauterer SPD wurde der Festakt zu einem Ehrentag. Gertrud Röper, die Witwe des früheren Kaiserslauterer SPD-Geschäftsführers Herbert Röper, wurde für 70-jährige Mitgliedschaft in der SPD ausgezeichnet. In einer Talkrunde mit dem früheren Kultur-Staatssekretär Walter Schumacher unterstrich sie das persönliche Bekenntnis Guckenbiehls zur SPD, indem sie feststellte: „Die SPD war die Heimat für mich.“ Vier Wochen vor der Bundestagswahl wurde der Festakt auch zu einer Bühne für den Wahlkampf. Der SPD-Fraktionsvorsitzende im rheinland-pfälzischen Landtag und stellvertretende Landesvorsitzende, Alexander Schweitzer, mahnte, angesichts der Umfragewerte die Bundestagswahl für die SPD noch nicht verloren zu geben. „Seid nicht zaghaft, seit nicht mutlos“, erinnerte er an die Aufholjagd von Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei der letzten Landtagswahl. Der SPD-Kandidat im Wahlkreis Kaiserslautern, Gustav Herzog, beschrieb sein Erfolgsrezept, mit dem er den Wahlkreis bisher immer für die SPD gewann. Er sei dem Motto von Alt-Ministerpräsident Kurt Beck „Nah an den Menschen“ gefolgt, und das in der gesamten Wahlperiode. Für eine heitere, kabarettistische Note des Festakts sorgten die Untiere mit einem Programm, in dem Philipp Tullius in der Rolle von Oberbürgermeister Weichel glänzte. EINWURF, LOKALSEITE 3