Kaiserslautern Meditation, Kampfkunst und Cosplay: Das Mondfest „Tsukimi“ im Japanischen Garten
Die diesjährige Auflage des Mondfestes „Tsukimi“ wird dem Vorstand des Japanischen Gartens noch einige Zeit in den Knochen stecken. Mit viel Liebe hatte der Erste Vorsitzende Ralf Kammer gemeinsam mit den Aktiven des Vereins ein umfangreiches Programm ausgetüftelt, um den Kaiserslauterer Bürgerinnen und Bürgern die Schönheit des Japanischen Gartens und den Reiz dieses japanischen Festes mit Illumination und thematisch passenden Programmpunkten näher zu bringen.
Doch dann kam der Samstag mit Regen und Sturmböen – angesichts des alten Baumbestandes und der damit verbundenen Gefahr von Astbruch eine ernstzunehmende Gefahr. „Vor allem der Wind hat uns Sorgen gemacht“, schildert Vorstandsmitglied Anja Seepe. „Schweren Herzens haben wir daher am Samstag den Garten geschlossen. Da wog die Verantwortung für die Sicherheit aller im Garten Anwesenden doch zu schwer, als dass wir da irgendein Risiko eingehen wollten.“
Wie auf dem Meeresgrund
Umso freudiger wurden am Sonntag alle Besucher begrüßt, die trotz wenig freundlicher Temperaturen ihren Weg in den Japanischen Garten fanden. Eingestimmt vom Lesespaziergang mit dem Duo „Wortlaut“, bestehend aus Rainer Furch und Madeleine Giese, nahmen im Laufe des Nachmittags zahlreiche Gäste an den angebotenen Meditationskursen teil. Besonders die Gehmeditation fand großen Anklang und soll in Zukunft wiederholt werden.
Ein Höhepunkt des Tages war die Illumination der Parkanlage, die zu Einbruch der Dämmerung erstrahlte und für fantastische Eindrücke sorgte. Auch wegen des immer wieder einsetzenden Regens konnten sich die Besucher wie in einer Unterwasserwelt wähnen. Durch die bunte Beleuchtung wirkten die Bäume mit ihren wolkigen Laubstrukturen fast wie Seeanemonen. Das wehende Schilfgras versetzte die Besucher auf den Meeresgrund.
Einblick in die Kampfkunst
Begeistert hielten die Spazierenden ihre Eindrücke entlang der Wege fotografisch fest. Da blieb kaum ein Schritt oder eine Wendung ohne ein neues begeistertes „Oh, schau, da!“. Zahlreiche rote Lampions schwankten an langen Stäben wie dicke rote Fische vor der samtigen Nachtschwärze. Feuer – in Form brennender Fackeln – und Wasser vereinten sich an der Brücke über den Koi-Teich am Tee-Pavillon. Und über allem schwebte nicht nur der noch rechtzeitig zum Vollmond gerundete Erdtrabant, sondern auch der in mühevoller Handarbeit gefertigte „hauseigene“ goldene Riesenmond über dem Wasserfall.
Dort traten fünf Kämpfer der Kung-Fu-Academy Kaiserslautern vor das Publikum und boten in verschiedenen Szenen Einblick in ihre Kampfkunst. Perfekte Körperbeherrschung vereinte sich mit Kraft und Konzentration. Mit wirbelnden „Lichtschwertern“ zauberten die Sportler einen Hauch von Star Wars auf den Rasen und nahmen ihr Publikum für sich ein.
Oyamaneko-Clan erstmals mit dabei
Neben den immer eifrigen Cosplay-Vertretern, die mit japanischen Spielen wie „Daruma otoshi“ und „Take tombo“ nicht nur den jungen, sondern auch den älteren Besuchern eine Facette der japanischen Kultur näher brachten, war bei diesem Fest erstmals der Oyamaneko-Clan mit dabei. Clan-Gründer Jan Frenze kommt eigentlich aus der Mittelalter-Szene: „Ich war lange bei der Legende dabei und habe Erfahrungen mit LARP (Live Action Role Playing). Doch dann war ich im Kino und habe ,Last Samurai’ gesehen. Seitdem haben es mir die japanische Kultur und Lebensweise angetan.“
Historisch möglichst korrekt soll der eigene Charakter ausgestattet und dargestellt werden. Die Ausstattung, angelehnt an historische Originale, kommt aus der eigenen Werkstatt, von Ebay oder aus dem 3D-Drucker. „Eigentlich war ich mit meiner Ausrüstung nur zum Fotoshooting im Japanischen Garten – und bin mit einer Fördermitgliedschaft nach Hause gekommen“, berichtet Frenze lachend von der Geburtsstunde des Oyamaneko-Clans, der aktuell fünf Mitglieder zählt und weiter wachsen soll.
Der Clan versteht sich als Ergänzung der stark gewachsenen Cosplay-Szene, die sich im Garten regelmäßig trifft. „Unser Ansatz ist es, den Besuchern des Japanischen Gartens neben den fiktiven Charakteren aus Manga- und Anime-Welten das historische Japan möglichst authentisch näher zu bringen.“ Zum Beispiel als Samurai-Krieger, Bauer oder Wächter.
Info
Wer Teil des Oyamaneko-Clans werden möchte, kann sich an der Kasse des Japanischen Gartens oder per E-Mail an info@japanischergarten.de beim Vorstand melden.