Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Matze Rossi im Interview – Konzert am 14. August in der Kammgarn

Matze Rossi
Matze Rossi

„Ich glaube, es ist an der Zeit für Veränderungen“. Um diesen Gedanken dreht sich das neue Album „Wofür schlägt dein Herz?“ des deutschen Sängers und Songwriters Matze Rossi. Am Samstag, 14. August, ist er wieder zu Gast in der Kammgarn – und feiert ein persönliches Jubiläum. Welches, verriet er RHEINPFALZ-Mitarbeiterin Katharina Kovalkov-Walth.

Matze, Du bist ja selbst eigentlich ein klasse Interviewer. Mit deinem „Plauschzeit“-Podcast holst Du Dir gerne auch mal Kollegen ans Mikrofon und plauderst mit Ihnen über dies, jenes und im Prinzip alles. Kannst Du nochmal, für alle, die es noch nicht gehört haben, erzählen, wie diese Plausch-Idee zustande kam und was sie Dir bedeutet?
Ich hatte schon länger den Gedanken, dass ich gerne mal Radio-Arbeit machen würde. Hatte aber bislang nie die Zeit dafür. Der Podcast ist für mich – wie auch für viele andere Künstler in der Pandemie-Zeit – eine gute Möglichkeit, mich in dieser Hinsicht auszutoben. Völlig frei und unabhängig. Es war auch ein guter Zeitpunkt in diesem Jahr. Denn 1991 hatte ich mein allererstes Konzert. Es ist also quasi ein Jubiläumsjahr für mich. Deshalb wollte ich ursprünglich mit dem Podcast ein bisschen meinen Werdegang Revue passieren lassen. Aber ab Folge 3 habe ich dann so richtig gemerkt, dass es mir sehr viel Spaß macht und ich habe mir dann alte Bandkollegen und befreundete Musiker ins Boot geholt. Aktuell ist der Podcast ein bisschen eingeschlafen, weil ich mit der Tour beschäftigt bin. Aber ab Herbst geht es wieder los …

Eigentlich will ich Dich auch gar nicht fragen, wie es Dir während der gefühlt unzähligen Lockdowns ergangen ist – als Mensch und als Künstler. Die Antwort wird vermutlich die gleiche sein, wie bei allen anderen. Deshalb frage ich lieber so: Gibt es auch etwas „Gutes“, was Du an dieser Zeit des Nichtauftretens vermissen wirst?
Ja, ich denke, die Situation war und ist für alle Künstler ähnlich beschissen. Nicht ganz so beschissen ist, dass ich viel Zeit für meine Familie hatte, keine weiten Wege fahren musste nach Berlin oder Hamburg für Aufnahmen, Gespräche und so weiter. Klar freue ich mich und habe Bock auf die Live-Tour. Aber ich werde auch sicher im ersten Moment die Family daheim vermissen. Insgesamt war es spannend zu sehen, dass man auch im Home-Office produktiv sein kann. Aber ich habe jetzt bei den ersten zehn bis elf Konzerten gemerkt, dass ich aus der Kondition bin. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur in diesem Alter angelangt (lacht).

Deine neue Platte scheint sich inhaltlich noch eine Spur tiefer mit dem Leben auseinanderzusetzen als zuvor. Auch eine Konsequenz Deines Alters?
Vielleicht (lacht). Während der Pandemie musste ich 70 Konzerte absagen. Das sind natürlich starke finanzielle Einbußen. Aber ich habe gemerkt, das Leben dreht sich weiter. Um es mit den Worten meiner Freunde von Donots zu sagen: Heute Pläne, morgen Konfetti! Ich habe ja auch eine Herbst-Tour auf dem Plan. Aber wenn es dann doch nicht klappt, ist es nicht tragisch. Das Leben geht weiter. Wir werden eben lernen müssen, mit Corona in unserem Leben umzugehen. Ich versuche, aus jedem Moment etwas Positives zu ziehen, die Situation nutzen und mich nicht zu sehr mit den Gegebenheiten zu beschäftigen.

Der Albumtitel stellt einem wohl eine der wichtigsten und schwierigsten Fragen überhaupt: „Wofür schlägt dein Herz?“ Kannst Du diese Frage für Dich selbst schon beantworten? Wofür schlägt Dein Herz aktuell?
Ich bin in der glücklichen Situation, dass ich schon immer sagen kann, dass mein Herz für die Musik schlägt. Nicht, dass ich in den Charts lande, sondern dass ich in Kontakt treten darf mit den Menschen, die meine Musik hören. Da stecken immer viele Geschichten und viele Bedeutungen dahinter.

„Die Vögel fliegen himmelwärts“ ist die erste Album-Auskopplung. Was hat der Flug der Vögel aus Deiner Sicht mit dem Leben zu tun?
Es ist eigentlich ein schwermütiges Lied, in dem es um das Gefühl eines Burnouts geht. Das Gefühl von: Mache ich alles richtig? Wenn man sich diesen Zweifeln und Emotionen zu sehr hingibt, verfällt man in Depression. Der Song soll deshalb aufzeigen, dass man sich aus dieser Situation auch selbst herausziehen kann. Die Idee zum Song ist beim Wandern durch den Wald während des Lockdowns entstanden. Ich habe über die vielen abgesagten Konzerte nachgedacht. Und dann ist plötzlich so ein Schwarm Vögel hochgeflogen. Das war für mich ein Symbolbild des Ausbruchs: Wir können immer aus unseren selbstgebauten Gefängnissen ausbrechen.

Ein schöner Gedanke. Gerade in Zeiten der Pandemie habe ich das Gefühl, dass die Menschen sich von all der Negativität gefangen nehmen lassen, viel schneller gereizt sind und viel schneller Negatives in Dinge hinein interpretieren, bei denen sie früher noch neutral gegenüber gestanden hätten. Ist unsere Welt wirklich so herzlos geworden, wie in Deinem Song „Herz in einer herzlosen Welt?“
Ich merke schon, dass sich etwas verändert hat. Die Menschen sind definitiv gereizter. Die Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten werden sichtbarer – oft mit einer hässlichen Fratze. Das hat die Pandemie gefördert. Aber auch die Gespräche sind intensiver geworden. Globale Themen geraten immer mehr in den Fokus. Und das ist an sich nichts Schlechtes. Ich glaube, was die Weltpolitik und unsere Gesellschaft angeht, ist es an der Zeit für Veränderungen.

Danke für das Gespräch.

Konzert

Am Samstag, 14. August, 19.30 Uhr, im Kulturzentrum Kammgarn; Infos und Karten unter www.kammgarn.de.

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