Kaiserslautern
Markus Pfeffers neue Melodic-Rock-Band Atlantis Drive
Woher nimmt dieser Musiker nur seine kreative Kraft, woher seine Vielseitigkeit? Der Kaiserslauterer Komponist und Gitarrist Markus Pfeffer, Jahrgang 1973, ist seit Jahrzehnten künstlerisch aktiv, Gründer von Rockbands wie Winterland, Barnabas Sky und Lazarus Dream, von Neben-Projekten, die ganz zu schweigen. Seit Kurzem gibt es eine weitere Band: Atlantis Drive. Ihr erstes Album ist gerade veröffentlicht worden. Das nach der Band benannte Werk hat viel Beeindruckendes zu bieten.
Das Album ist die Erfüllung eines Jugendtraums von Pfeffer. Es enthält Titel, die er in seiner Anfangszeit als Musiker Ende der 80er Jahre gerne realisiert hätte. Das Talent war sicher schon vorhanden, aber es fehlte ihm an der damals aufwendigen Technik und an einem passenden Keyboarder.
Internationale Künstler
Heute sieht das anders aus. Pfeffer hat einen guten Ruf, es gibt es das Internet, und leistungsfähige Home Studios für Musikproduktionen. Alles zusammen hat dazu beigetragen, dass auf der aktuellen Produktion wieder bekannte, auch international aktive Künstler aus dem Netzwerk des Künstlers mitgewirkt haben. Neben dem renommierten Schlagzeuger Markus Kullmann (Voodoo Circle) hat Pfeffer den französischen Keyboarder Jorris Guilbaud gewinnen können, der auch an den Kompositionen beteiligt war. Gastmusiker für die Percussions ist Thomas Rieder. Alle drei haben schon auf dem zweiten Lazarus-Dream-Album „Lifeline“ (2022) mitgewirkt.
Die am stärksten wirkende Facette der Songs wird indes gestaltet vom tragenden, energiereichen Gesang der US-Rockröhre Mark Boals (Ring of Fire). Ihn hatte Pfeffer einfach über dessen Homepage kontaktiert. Und Boals, der eigentlich vom harten Rock kommt, zeigte sich begeistert von Pfeffers Melodic-Rock-Kompositionen und lieferte zu den bereits vorgegebenen Titeln und Themen passende Texte und Gesangslinien.
Zehn Titel
So entstanden zehn gehaltvolle Titel im 80er Jahre-Sound-Outfit, ausgestattet mit dem erwünschten Synthie-Anteil. Gut zur Geltung kommen Boals’ Stimme und die Keyboard-Passagen vor allem im zurückgenommenen „Brand New Start“ und in „United“, einer Nummer, für die Pfeffer Grundmaterial des befreundeten Musikerkollegen Jürgen Walzer („Dispyria“) genutzt und zu einem wirkungsvollen Rocktitel ausgearbeitet hat. Auffallend ist die letzte, über achtminütige Power-Nummer „Heroes“. In ähnlich guter Erinnerung bleibt der forsche Titel „Time“, der nicht nur wegen der charakteristischen Anfangssequenz glatt als Titelmusik für eine Neuauflage der „Knight Rider“-Serie dienen könnte. Das würde sogar zeitlich zu den in den 80er Jahren populären Fernsehabenteuern rund um das Wunderauto K.I.T.T. passen.
Apropos Autos: Die gibt es auf dem surrealistisch-düsteren Cover, das auch bildstilistisch leicht an die 80er Jahre anknüpft. Inhaltlich lässt das Dargestellte ordentlich Raum für Interpretationen rund ums Fahren und die geheimnisvolle, der Legende nach vor langer Zeit untergegangene mythische Insel. Ein sicher nur kleiner, aber doch netter und nachspürenswerter Aspekt dieser Produktion.
Erinnerungen
Wenn wir schon beim Inhalt der Lieder sind: Sie beschäftigen sich mehrheitlich mit Erinnerungen und mit Vergangenem (so wie im Opener „Way Back Then“ und in „Time“) oder mit der Vergänglichkeit des Lebens, wie sie in „Curtain Falls“ und im Trauerlied „Farewell to a Friend“, dem ein realer Verlust zu Grunde liegt, thematisiert wird. In gezielt die Welt der Musik aufgreifende Weise wird das Zurückliegende in der Schlussnummer „Heroes“ behandelt: In den Blick zurück in Wehmut geraten hier die großen Rockheroen vergangener Zeiten Elvis, Ronnie Dio und Eddie van Halen.
Die alten, prägenden Zeiten auf der einen Seite, auf der anderen der aktuelle Wunsch, sie wenigstens künstlerisch in die Neuzeit herüber zu holen, dazwischen die persönlichen Erfahrungen und technischen Mittel, genau das realisieren; alles zusammen angereichert mit ordentlich Herzblut des Initiators und der passenden Chemie zwischen allen Beteiligten – so konnte das Projekt Atlantis Drive funktionieren. Mission gelungen, Album empfehlenswert.
Und noch eine neue Band
Es ist kaum zu glauben, aber Markus Pfeffer hat schon wieder ein neues Projekt: Zusammen mit dem schwedischen Sänger Rob Lundgren, Vokalist in einem guten Dutzend bekannter Rockbands, und einigen lokalen Mit-Musikern ist er nun auch in seiner neuesten Band Mystery Moon aktiv. Am 22. November kommt das erste Album auf den Markt, auf YouTube gibt es derzeit mit dem Titel „The Mystery“ in Form eines sehenswerten Videos einen Vorgeschmack.
Info
Das Debüt-Album „Atlantis Drive“ der gleichnamigen Band gibt es im (Online-) Fachhandel und über die bekannten Streamingportale.