Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Marathonmann überzeugen mit fröhlichem Punk im Kulturgarten der Kammgarn

Die Musik machenden Münchner von Marathonmann – Michael Lettner, Leo Heinz, Jonathan Göres, Saskia Götz und Johannes Scheer – pu
Die Musik machenden Münchner von Marathonmann – Michael Lettner, Leo Heinz, Jonathan Göres, Saskia Götz und Johannes Scheer – punkten bei ihren Fans auch mit ihrem speziellen Humor.

Hach, da waren sie wieder! Die Musik machenden Münchener „Sit-down-Komödianten“ von Marathonmann. Wobei es ja eigentlich politisch korrekt heißen müsste: Marathonmann und -frau. Denn Violinistin Saskia Götz war wieder Teil der amüsant-musikalischen Open-Air-Session am Freitag im Kulturgarten.

Aber bevor „Michi“ Lettner und seine Punk-Combo einmal mehr den bandeigenen Gag-Koffer ausschütteten und das Ganze mit Songs untermalten, waren zuerst die Vorprogramms-Duellanten von Raum27 an der Reihe. Das deutsche Indie-Duo aus Bremen – bürgerlich: Tristan Stadtler (Gesang) und Mathis Schröder (Gitarre) – hat mit ihren „verrückt-verträumten“ und oft nachdenklich-traurigen Melodien und Texten an diesem Abend zwar nicht ganz den Stimmungston des punklustigen Kammgarn-Publikums getroffen. Musikalisch waren die Jungs aber dennoch top! Und stimmlich hatte Tristan so viel Feuer, dass es durch das ganze Set schön knisterte.

Aber das Volk wollte Punk! Wilden, fröhlichen Punk! Und es bekam einen regelrechten Punk-„Marathon“ – so muss man sich im Übrigen ungefähr den Humor-Pegel der um 20 Uhr antanzenden Münchener Jungs vorstellen. Und die kamen leicht müde angetanzt. Warum?

Geschändete Stimmbänder

Tourstart am Vortag in München, die Stimmbänder schön geschändet und nach dem Auftritt vermutlich ordentlich gefeiert und gebechert: Kein Wunder, dass „Michis“ Stimme in Kaiserslautern gut angeschlagen klang. „Aber das geht schon, keine Angst. Ich brülle es schon raus“, versprach er und plärrte sich mit „Wir sind immer noch hier“ tatsächlich schon mal warm. Der Song stammt noch aus dem 2013er-Album „Holzschwert“, könnte aber nicht aktueller sein. Denn ja, sie waren alle wieder da. Nach einem Jahr Pandemie und zum zweiten Mal im Kaiserslauterer Kulturgarten, während Corona weiter wütet. Aber zum Glück ist Sommer, die Open-Air-Bühnen blühen und die Bands dürfen frische Live-Luft atmen. Und wie gut das dem Musikerherz tat, konnte man an den „Marathonmännern“ sehen und hören.

Ob „Flashback“, „Nie genug“ oder „Hinter den Spiegeln“ – alles war wie immer sehr „nice“ durchkomponiert, punktgenau auf die Open-Air-Bühne abgestimmt und mit Saskia Götz an der Geige so schön vollendet, dass man sich nur schwer auf den Sitzen halten konnte bei so viel Punk-Gefiedel! Und dann waren da natürlich die Witze.

Einige kannten die Lautrer schon von dem „Marathon“-Gig im vergangenen Jahr. Den Charme haben sie aber auch ein Jahr später nicht verloren. Man nehme: „Gehen zwei Leos“ – gemeint ist natürlich Lettners Lieblingsspaßopfer Gitarrist Leo Heinz – „durch die Wüste und der zweite hat auch weiße Turnschuhe an.“ Ähm ja…, die Pointe ist vielleicht als Interpretationssache gemeint – oder so. Klingt vielleicht auch lustiger, wenn Frontmann Lettner die Nummer bringt. Aber so ist nun mal das sympathische Gag-Repertoire der Münchener Mannen – „die hat man früher, als man so um die vier Jahre alt war, erzählt“, gesteht der Sänger. „Wann war das? 1977?“, warf Schlagmann Johannes Scheer zurück. Nicht schlimm. Es ging ja auch mehr um den Spaß an der Sache.

Humorvolle Seitenhiebe

Deshalb durften die Gäste auch wieder wild Songtitel auf die Bühne rufen, die Frau Götz und Herr Heinz dann spontan vertonen sollten. Eigentlich hätte an diesem Abend noch eine weitere Dame die Männer-Runde zieren sollen: Cellistin Elisa. „Aber die hatte heute etwas anderes zu tun“, informierte Lettner im gespielt beleidigten Ton. Und so musste die „arme“ Saskia Götz als einzige Frau im Bunde für den Spaß herhalten. Klappte sogar auch ein paar Mal, mit dem „Terminator“-Thema und „Seven Nation Army“. Und jeder Verspieler sorgte für mehr Gag-Zündstoff auf der Bühne.

„Was ist ein Keyboarder in Salzsäure? Ein gelöstes Problem.“ Wieder ein Klassiker aus der bandeigenen Witze-Kiste. Natürlich an den provisorischen Tastenmann dieses Abends, Jonathan Göres, der eigentlich nämlich Gitarrist ist, gerichtet. So kamen die Gags geschossen, völlig unerwartet und zusammenhangslos aus dem Nichts. Aber immer wieder konnte man einen leisen Schenkelklopfer aus dem Publikum vernehmen. Fast hätte man meinen können, dass auch der Track „22 Meter Sicherheitsabstand“ ein Gag war. Aber nein, den Song gab es schon vor Corona. War aber ein netter kleiner Seitenhieb auf die aktuelle Zeit.

Und zwischen humorvollen Seitenhieben und guter Musik war nach zwei Stunden auch schon Sense. Aber, wie heißt es so schön im Eröffnungssong: „Das alles hier, soll nie zu Ende sein“.

Allerdings nicht! War wieder mal richtig geil, Jungs!

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