Kaiserslautern „Man muss die Freude hören“
Männerchöre haben landauf, landab damit zu kämpfen, dass ihre Mitglieder immer älter und ihre Aktiven immer weniger werden. Nachwuchs ist kaum in Sicht. Um dennoch weiterhin ihrem Hobby nachgehen zu können, haben nun die singenden Herren aus Ramstein, Miesenbach und Mackenbach einen Projektchor gebildet. Alle Vereine – Männerchor, Chorgemeinschaft und Männergesangverein – bleiben eigenständig, nur geprobt und gesungen wird gemeinsam.
Es ist Dienstag, 19.30 Uhr, im Probenraum des Bürgerhauses Mackenbach sind die rund 30 Sänger des neuen Projektchors, der sich aus Mitgliedern des Männerchores Ramstein, der Chorgemeinschaft Miesenbach und des Männergesangvereins (MGV) Liederkranz Mackenbach zusammensetzt, zu ihrer wöchentlichen Probe eingetroffen. Manches ist für den einen oder anderen noch ungewohnt, denn hier in Mackenbach ist es erst die zweite gemeinsame Probe. „Setzen Sie sich so, dass wir überall die gleichen Plätze haben“, bittet Chorleiter Vladimir Gerasimov die Sänger. Gerasimov ist Musikpädagoge und Sänger. Für ihn sind solche Zusammenschlüsse „eine wunderbare Gelegenheit, die Lieder für Männerchöre noch am Leben zu erhalten“. Die Größe des neuen Projektchores sieht er als Gewinn, denn „unsere Zukunft liegt in der Gemeinschaft“. Einzeln wäre keiner der drei Chöre mehr singfähig, wie Wolfgang Agne, der Vorsitzende des Ramsteiner und Miesenbacher Chors, sowie Josef Bahr, der Mackenbacher Vereinschef, bekennen. Zurzeit gebe es in Ramstein und Miesenbach jeweils noch zehn aktive Mitglieder, in Mackenbach 13. Gerasimov ist schon länger bei den Sängern aus Ramstein und Miesenbach tätig. Für den Projektchor, den es offiziell erst seit Januar gibt, scheint er sowohl auf pädagogischem wie musikalischem Gebiet ein Glückstreffer zu sein. „Seit wir ihn haben, sind wir auf einem höheren Level angekommen“, meint Agne. Er fordere die Sänger zwar sehr, aber es mache auch Freude, mit ihm zu arbeiten. Die Freude ist für Gerasimov ein wichtiges Element beim Chorgesang. „Wir müssen das so singen, dass es uns gefällt. Man muss die Freude hören“, erklärt der erfahrene Musikpädagoge. Takt für Takt, Sequenz für Sequenz geht er vor, wie beim ersten Lied in dieser Probe, dem Hit „Conquest of Paradise“ der Gruppe Vangelis. Ein Titel, der so ganz und gar nicht in das Klischee von verstaubtem, altem Liedgut passt, das viele mit Männerchören verbinden. Auch Leonhard Cohens „Hallelujah“ ist im Repertoire des Projektchors, ebenso wie der humorvoll-groovige Augustin-Rap. „Wir haben ein recht vielfältiges Programm, auch Schlager wie ,Butterfly‘ gehören dazu“, erklärt Agne. Bei der Auswahl neuer Lieder geht es sehr demokratisch zu, der Chorleiter will von den Mitgliedern Vorschläge haben. Dabei wird der „Andachtsjodler“, eine rund 200 Jahre alte Tiroler Volksweise, ebenso vorgeschlagen wie das „Phantom der Oper“. Der Chor soll eine Liste für die nächste Probe zusammenstellen, schlägt Gerasimov vor. Wenn ihm die Interpretation eines Stücks noch nicht gefällt, singt er es vor. Ob für den zweiten Bass oder zweiten Tenor spielt dabei keine Rolle. Dabei kitzelt er selbst feinste Nuancen heraus. „Die meisten singen das so wie ihr jetzt“, erklärt er, „besser ist das aber so“: Er singt und summt und schon sind die Unterschiede für jeden klar. Für die Zukunft haben die Verantwortlichen aller drei Chöre vereinbart, dass die Gesangvereine selbstständig bleiben sollen, traditionelle Termine jedoch gemeinsam wahrgenommen werden. Die Proben finden wechselweise im Ramsteiner Rot-Kreuz-Heim, im alten Schulhaus Miesenbach sowie im Probenraum des Bürgerhauses Mackenbach statt. Es werde sicher noch Reibungen geben, aber „ich bin sehr zuversichtlich“, sagt Agne, „dass wir eine gute Lösung finden“. Für den Volkstrauertag haben sich die Sänger in Ramstein und Miesenbach zeitlich schon geeinigt. „Wir hoffen, dass die Gemeinde Mackenbach uns auch noch entgegenkommt“, sagt Bahr, „damit wir auch an diesem Gedenktag allen Verpflichtungen nachkommen können.“