Kaiserslautern Macher mit sanfter Stimme

91-75037984.jpg

Unternehmer-Geschichte wiederholt sich. Auch in Kaiserslautern-Morlautern. Unweit des Firmenareals des Autohauses Liegert ausgangs des Stadtteils in Richtung Erlenbach in der Neuen Straße begann alles in einer Garage. Die hatte Ludwig Liegert 1949 angemietet, um Fahrräder und Mopeds zu verkaufen und zu reparieren und, so ganz nebenbei, auch Waschmaschinen wieder instand zu setzen. Dem Kfz-Meister eilte der Ruf eines exzellenten Technikers voraus.

Zeitzeugen, so berichtet heuer sein Sohn Thomas, hätten erzählt, dass „der Ludwig aus einer Konservenbüchse einen Panzer hätte bauen können“. Nun, glücklicherweise musste sich der junge Unternehmer nicht mit Kriegswerkzeug beschäftigen, sondern eben mit dem beliebten motorisierten Untersatz der Deutschen, dem Auto. Genauer: vornehmlich mit Opel-Fahrzeugen. Doch davon später. Die Reparatur-Werkstatt Liegert florierte, zwei Mitarbeiter wurden eingestellt, aus der Garage ging’s flugs in ein nur wenige hundert Meter weiter stehendes Häuschen mit Tankstelle und Geschäftsräumen. Derweil Ludwig sich den technischen Anforderungen stellte, erwies sich seine Angetraute Elisabeth, vorher Buchhalterin bei Rohr-Druck, als energiegeladener Motor in Sachen Betriebswirtschaft und Expansion. Eine Arbeitsteilung, die beide ihr langes Berufsleben begleitete. 1960 übernahm die Firma eine Volvo-Vertretung, 1967 begann die bis heute andauernde Händler-Liaison mit Opel, eine Marke, die die Liegerts stets mit Herzblut vertraten. In guten wie in schlechten Tagen. 1990 stieg Ludwigs Sohn Thomas im elterlichen Betrieb ein. Der Filius konnte bis dahin auf eine erstaunliche Vita verweisen. Abitur am Albert-Schweitzer-Gymnasium, dann Jura-Studium in Saarbrücken mit abgeschlossenem ersten und zweiten Staatsexamen, ein Volljurist also, und schließlich ging es in unternehmerische Gefilde, dorthin übrigens, wo er eigentlich von Kindesbeinen an hin wollte. Der heute 63-Jährige lächelt, wenn er an jene Zeit zurückdenkt: „Anfangs wollte ich ja eigentlich Gymnasiallehrer für Latein, Griechisch und Deutsch werden, habe mich dann aber für Jura entschieden.“ Und warum die Jurisprudenz? Als Antwort folgt ein Juristen-Satz: „Um zu lernen, Lebenssachverhalte analytisch zu erkennen.“ Und weil Thomas Liegert lernbegierig war, und übrigens bis heute ist, eignete er sich zudem betriebswirtschaftliche Kenntnisse an. Mit drei Jahren zum ersten Mal ein Auto aufgetankt, mit 17 den ersten Neuwagen verkauft, Stallgeruch war also vorhanden. Allerdings, das gibt der vielseitig Begabte unumwunden zu, gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem Vater schwierig. „Das war schon manchmal ein Kampf“, blickt er auf jene Jahre zurück, in denen die Mutter stets in die Vermittlerrolle schlüpfen musste. Zumal Thomas Liegert nach Gründung der GmbH 1992 als Geschäftsführer voller Ideen steckte, auch Wagnisse einging, um diese zu realisieren. In seiner Mutter fand er stets einen Befürworter, dem Vater behagte der forsche Vorwärtsdrang weniger. Ein Generationenkampf par excellence. 1993 entstand das erste Projekt unter seiner Ägide: eine schmucke Ausstellungshalle. Ein damals viel beachtetes Gebäude, das bis heute modern und anziehend wirkt. In den späten 90er Jahren, Ludwig Liegert war 1998 gestorben, wandte sich Thomas Liegert einem anderen Metier zu, ohne das Kerngeschäft zu vernachlässigen. Er erwarb den Schlachthausturm auf dem Gelände der Landesgartenschau nebst der Blumenhalle. Er hatte Visionen: Ein Lokal, das er schnell in dem entkernten Turm entstehen ließ, eine große Veranstaltungshalle sollte folgen, ebenso ein Hotel, für das er schon einen italienischen Investor an der Angel hatte. Die Träume zerstoben. Zum einen habe er von der Stadt nicht die erhoffte Unterstützung erfahren, zum anderen sei eben der Investor abgesprungen, so Liegert. Thomas Liegert und seine Frau Andrea, die im angestammten Unternehmen den Marketing-Bereich bearbeitet, erlebten in jenen Tagen schlaflose Nächte. Auch weil häufig der Tag nicht genügend Stunden zu haben schien für den Berg von Arbeit. 2009 verkauften die Liegerts die Immobilie an die Lebenshilfe. „Der Verkauf kam zur rechten Zeit“, so ihre nüchterne Bewertung. Wenn Thomas und Andrea Liegert heute allerdings an der Gartenschau vorbeifahren, den Brunnen sprudeln sehen, den markanten Turm, die Veranstaltungshalle, dann sind sie ein bisschen stolz, dass durch sie damals ein kleiner Anfang gemacht worden ist, für ein Stück Kaiserslautern, das weit in die Zukunft reichen wird. Doch auch in Sachen Autofirma war Thomas Liegert nicht untätig geblieben. 2002 ging er eine Kooperation mit Bösken ein, übernahm das Unternehmen nebst 14.000 Quadratmeter Fläche und Gebäuden im Gewerbegebiet 2005, nahm 2006 die Marke Ford in sein Portfolio auf und 2014 Kia, nachdem er zwischenzeitlich auch Saab vertreten hatte. „Zwischen 1998 und 2008 war ein hartes Jahrzehnt“, skizziert der Macher mit der sanften Stimme bewegte und bewegende Jahre, in denen diverse Automobilunternehmen ums Überleben kämpften. Jetzt befindet sich das Autohaus Liegert nach Angaben seines Chefs in ruhigem Fahrwasser und auf einem sehr guten Weg. Mit Sohn Nicholas (20) schickt sich die dritte Liegert-Generation an, den von Ludwig und der 2006 gestorbenen Elisabeth eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Er absolviert derzeit eine Lehre als Kaufmann im elterlichen Unternehmen, das aktuell 95 Mitarbeiter zählt. Apropos Mitarbeiter: Da ist Thomas Liegert ein wenig stolz, dass „wir solch tolle Mitarbeiter haben, von denen einige schon seit Jahrzehnten bei uns sind“. Und der Mann, der einst alle Bewegungssportarten pflegte, sie aber wohl auch aus zeitlichen Gründen aufgab, hofft, dass seine Mitarbeiter die Maxime ihres Chefs leben: „Der Kunde als Freund!“ Wie sieht er die Zukunft seiner Branche? „Das ist in diesen unruhigen Zeiten äußerst schwer zu beantworten.“ Er selbst will dazu beitragen, aufkommende Widrigkeiten zu beseitigen, sein Arbeitsleben und das seiner Angestellten mit Optimismus zu begleiten. Und da ist noch die unbändige Begeisterung des eigentlichen Volljuristen, eine Organisation zu gestalten. Am liebsten bis 70 oder 72. Wenn ihn der Herrgott lässt.

x