Kaiserslautern
Möbel Fuchs in Kaiserslautern schließt nach mehr als einem Jahrhundert
Die großen roten Räumungsschilder an den Schaufenstern von Möbel Fuchs sind nicht zu übersehen. Das Möbelhaus wirbt mit gesenkten Preisen, da bis Ende des Jahres alles raus muss. Nach 101 Jahren schließt das traditionsreiche Familienunternehmen seine Türen für immer. „Leicht habe ich mir die Entscheidung nicht gemacht. Sie ist gewachsen und nun ist es gut so, wie es ist“, sagt Annette Fuchs-Lössl, die das Möbelhaus in dritter Generation führt. Dann atmet sie hörbar ein und aus. Ein Stück weit sei die Entscheidung auch befreiend. Nicht zuletzt, weil die Chefin weiß, dass vier der sechs Angestellten wie sie in Rente gehen werden – eine Einrichtungsberaterin und die Putzfrau seien noch auf der Suche nach einer neuen Stelle. Die Geschäftsführerin ist aber davon überzeugt, dass die beiden schnell etwas Neues finden werden. „Meine Mitarbeiter sind wie eine Familie für mich.“ Es ist ihr wichtig, dass keiner durch sie und die Geschäftsaufgabe in Sorgen und Nöte gerät.
Fuchsbau stetig erweitert
Es war im Jahr 1924, als Amalie und Ernst Fuchs das Möbelhaus Fuchs in Kaiserslautern gründeten und in der Mozartstraße ihre ersten Ausstellungsräume eröffneten. Der Wechsel des Unternehmens an die Ecke Eisenbahnstraße/Karl-Marx-Straße erfolgte, noch bevor in Werner und Hilde Fuchs die zweite Generation übernahm. Werner Fuchs baute den bis heute als Fuchsbau bekannten Gebäudekomplex kontinuierlich auf und aus. Möbel Fuchs wurde zu einem der führenden Möbelhäuser im Südwesten und bot exklusive Ware auf rund 4000 Quadratmetern Fläche an.
Ab 1973 erweiterte die zweite Generation den Fuchsbau hin zur Lutrinastraße mit Innenhof, Restaurants, verschiedenen Läden und weiteren Passagen auf insgesamt 8500 Quadratmetern Fläche. Neben dem Möbelgeschäft gibt es in dem Karree IT-Dienstleister, Arztpraxen, das Augenzentrum Westpfalz und weitere Einrichtungen der Gesundheitsbranche, wie etwa die Lutrina-Apotheke, die sich 1964 eingemietet hat.
Zurückhaltung in der Möbelbranche
Das bekannte und markante Anwesen in der Innenstadt von Kaiserslautern wurde Anfang des Jahres von Ulrike Fuchs – sie betreibt im Fuchsbau ein Architekturbüro – und ihrer Schwester Annette Fuchs-Lössl verkauft. Der neue Eigentümer, die Cifci GmbH mit Sitz in Bruchsal, betreibt seitdem den Serpa-Supermarkt in den Räumen, in denen bis 2021 der Drogeriemarkt Müller untergebracht war.
Durch den Verkauf war Möbel Fuchs nur noch Mieter. Für Annette Fuchs-Lössl folgt mit der Schließung nun der nächste konsequente Schritt, auch wenn die gelernte Möbelschreinerin und studierte Innenarchitektin betont, dass sie die Arbeit im Möbelhaus immer sehr gern gemacht hat. Gründe für die Entscheidung gibt es einige – und die sind schwerwiegend: Seit fast vier Jahren, nach dem Tod ihres Mannes, führt sie die Geschäfte im „Fuchs Wohnen“ allein. Ihre beiden Kinder haben sich für andere Wege entschieden und das sei auch gut so, sagt Fuchs-Lössl mit Blick auf die aktuelle Entwicklung in der Möbelbranche. „Seit Monaten zeigt sich eine Kaufzurückhaltung, so etwas habe ich nie erlebt. Das erlebe aber nicht nur ich, das höre ich von Kollegen durch alle Häuser hindurch.“
Nach dem Schlussstrich erstmal Ruhe gönnen
Die dritte Fuchs-Generation macht nun also Schluss mit dem Möbelhaus, in dem es von maßgefertigten Stücken über ein breites Sortiment qualitativ hochwertiger Möbel, Leuchten, Decken und weiteren Wohnaccessoires viel zu entdecken und kaufen gab. Bis Ende Dezember müssen die Verkaufsräume leer sein, danach will sich Annette Fuchs-Lössl erstmal Ruhe gönnen. „Ein paar Tage mal so überhaupt nichts tun müssen“, darauf freut sie sich, nimmt dabei die täglichen Runden mit ihrer Hündin „Mascha“ aber aus. „Mit dem Hund gehen, ist wie ein Stück Urlaub“, sagt sie. Doch Urlaub will sie schon auch machen – nicht wirklich lang oder weit entfernt. Ein Besuch in der Hamburger Elbphilharmonie steht ganz oben bei ihren Plänen für die Zukunft, die für sie 2026 beginnt.