Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Mächtig was los: Kultur im Landkreis Kaiserslautern

Tolle Kulisse für Kunstaktionen: der Picardsche Steinbruch.
Tolle Kulisse für Kunstaktionen: der Picardsche Steinbruch.

Äußerst vielseitig, von der privaten Initiative bis zum Großveranstalter, ist die Kulturszene im Landkreis Kaiserslautern. Das Angebot reicht vom Konzert über Comedy bis zur Bildenden Kunst. Dabei gibt es immer etwas zu entdecken.

Natürlich dominieren im Landkreis Kaiserslautern die großen Institutionen und allen voran jene in Ramstein und Landstuhl. Einen neuen Namen hat sich vor nicht allzu langer Zeit die über Jahrzehnte als Haus die Bürgers bekannte Bühne in Ramstein verpasst: CCR steht, dem Trend zum Anglizismus folgend, für Congress Center Ramstein. Verwechslungen sind dabei programmiert, etwa mit der US-Bandlegende Creedence Clearwater Revival, insbesondere bei den US-Militärangehörigen mit der Combat Command Reserve (Armee-Einheit der Vereinigten Staaten) und nicht zuletzt mit dem Christus Centrum Ruhrgebiet. Sei’s drum, das Angebot, das die Geschäftsführer Andreas Guhmann und Burgel Stein mit ihrem Team vorhalten, ist stabil wie vielseitig und reicht von Comedy bis Musik aller Sparten – bis hin zur Klassik. Seit 1986 gibt es das Haus nun schon, bis zu 800 Plätze bietet es dank einer variablen Raumaufteilung auch für Tagungen, Kongresse, Ausstellungen und ähnliches.

Etwa 40 Gastspiele verbucht es im kulturellen Bereich jährlich, rund 30.000 Besucher nehmen die Angebote wahr. Daneben gehören publikumswirksame Open-Air-Veranstaltungen vor den Toren des CCR zum Programm, etwa die „Ramsteiner Sommernächte“ oder das „Ramsteiner Oktoberfest“.

Ausgezeichnet ist das Provinz-Kino Enkenbach

Nicht nur räumlich in der Nähe siedelt die Stadthalle Landstuhl. Sie verfolgt mit ihren variablen Räumen und dem Zweck eines Kultur- und Kongresszentrums ein ganz ähnliches Konzept wie das CCR. Der Bogen der Veranstaltungen ist auch hier erstaunlich breit und reicht vom intimen Konzert der „schön gehört“-Reihe im Foyer bis zum großen Auftritt im Hauptsaal, der bestuhlt bis zu 460 Plätze haben kann, plus räumliche Erweiterung etwa der Empore mit 94 Sitzplätzen. Unbestuhlt können bis zu 800 Gäste untergebracht werden. In ihrer jetzigen Form wurde die Stadthalle im April 1996 eingeweiht, Geschäftsführerin ist seit Jahresfrist Kornelia Bernheine.

Weiter freut sich die Landstuhler Szene seit 1981 über ein stattliches Kino, das Broadway, mit 1500 Plätzen in sechs Sälen. Ganz groß in Sachen Kino ist seit 1980, damals noch in Queidersbach ansässig, das Provinz-Kino. Seit 1987 ist es in Enkenbach-Alsenborn beheimatet. Institutionell ist es inzwischen mit dem Lauterer Union-Kino verbunden. Für sein ausgewähltes Programm wird das Haus – ebenso wie das Union – in schöner Regelmäßigkeit ausgezeichnet, von regionaler (RLP) wie auch von nationaler Stelle (BKM). Viele Sonderveranstaltungen runden das Angebot in dem 169 Plätze großen Lichtspieltheater ab.

Kirchen „können“ Kultur

Von Kino geht’s jetzt zur Kunst und zwar zur Bildenden: In schöner Regelmäßigkeit werden im Wirtschaftshaus Unterhammer im Karlstal Ausstellungen eröffnet. Quasi einen Sandsteinwurf entfernt ist der Steinbruch Picard im Schweinstal, auch hier finden Symposien und Performances statt, vor eindrücklicher Kulisse.

Wer von Sandstein spricht, denkt unweigerlich an die vielen Kirchen in Stadt und Kreis, die häufig auch Kulturstätten sind. Stellvertretend sei hier die Otterberger Abteikirche erwähnt, eine 1143 gegründete, ehemalige Zisterzienser-Abteikirche und nach dem Speyerer Dom die größte Kirche der Pfalz. Im beeindruckenden Kirchenschiff finden regelmäßig hochkarätige Konzerte statt. Und wenn wir schon bei der „klassischen“ Musik sind: Die Diemersteiner Villa Denis, ursprünglich der Landsitz des Ingenieurs und Eisenbahnpioniers Paul Camille von Denis und heute der Lauterer TU angegliedert, hält für Musikfreunde die von der renommierten Klarinettistin Sabine Grofmeier betreute Konzertreihe bereit.

Ausdünnung der Spielstätten

Apropos Blasinstrumente: Derer bedienten sich mit Vorliebe die berühmten Westpfälzer Wandermusikanten im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wer sich davon ein Bild machen und die ein oder andere Begleitveranstaltung erleben will, wird im Westpfälzer Musikantenmuseum Mackenbach fündig und kann so manches Schmankerl entdecken. Ein Dokumentationszentrum anderer Art ist das dc-r. Richtig, schon wieder eine schöne Abkürzung. Und, man ahnt es, schon wieder aus Ramstein. Das Docu Center Ramstein widmet sich unter seinem Leiter Michael Geib der wissenschaftlichen Aufarbeitung und Vermittlung der Geschichte der US-Amerikaner in Rheinland-Pfalz. Und das in einer Dauer- und in Sonderausstellungen. Plus Begleitprogramm, versteht sich.

Aber gerade Ramstein und Landstuhl verdeutlichen auch eine Ausdünnung an Spielstätten: So ist die Kleinkunstbühne Unnerhaus, früher auch von der Hausband rege bespielt, mittlerweile in einen Dornröschenschlaf versunken, und auch die dortige Zehntscheune wird nicht mehr in früherer Regelmäßigkeit bespielt. Das Autokino Ramstein schloss bereits 2007 seine Pforten. Ebenfalls nicht mehr am Start sind der Weilerbacher Kleinkunstverein Dreschflegel im dortigen Bürgerhaus, die Trippstadter Bühne im Stift und das Jazzfestival auf Burg Nanstein – Beispiele traditionsreicher Angebote, die nicht mehr auf dem Markt sind. Immerhin laufen auf dem Nanstein noch die Burgspiele und als weiteres Open-Air-Spektakel die Katzweilerer Freilichtspiele, die es immerhin seit 1951 gibt.

Neue „Player“ auf der Bühne

Aber auch ein Gegentrend ist zu verzeichnen: Etabliert hat sich seit 2007 die Galerie Bildhaus und seit 2010 der Musikclub Ventil des Ehepaars Krüger auf dem Hahnbacherhof bei Schallodenbach. Ein schönes Beispiel, wie aus privatem Engagement ein verlässlicher Garant im regionalen Kulturleben wird. Unzählige stimmungsvolle Konzertabende und ein treues Stammpublikum belegen dies. Ebenfalls 2007 wurde die ehemalige Schuhfabrik in Linden zur Kulturfabrik und hat seitdem viele Veranstaltungen mit einem Schwerpunkt auf Musik gestemmt.

Auch abseits dieser Institutionen blüht die Kultur im Kreis. Von Großaktionen wie den Enkenbacher und Hochspeyerer Kulturtagen bis hin zum Künstlerateliers spannt sich der Bogen. Fazit also auch hier: Mächtig was los im Westen!

Beiträge

Teil eins der kulturellen Bestandsaufnahme erschien in der Reihe RHEINPFALZ-Report „Kaiserslauterns Stärken“ unter dem Titel „Das mächtige Quartett“ am 30. Dezember und Teil zwei auf der Seite Kultur Regional am 24. Januar.

Seit 1996 laufen hier Veranstaltungen: Stadthalle Landstuhl.
Seit 1996 laufen hier Veranstaltungen: Stadthalle Landstuhl.
Seit 1986 am Start: das CCR, vormals Haus des Bürgers.
Seit 1986 am Start: das CCR, vormals Haus des Bürgers.
Feiert regelmäßig tolle Konzerte im Musikclub Ventil auf dem Hahnbacherhof: Funhose.
Feiert regelmäßig tolle Konzerte im Musikclub Ventil auf dem Hahnbacherhof: Funhose.
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