Ramstein-Miesenbach
Luigi Botta bringt einen Hauch Italien ins Congress Center
Stolz durfte Bürgermeister Ralf Hechler auf den neuen Vorplatz mit dem großzügig angelegten Busbahnhof und der neu entstandenen Lounge des CCR bei der Begrüßung der 220 Besucher sein. Mit dabei waren auch zwei junge Spanier aus Rota, Andalusien, die in Ramstein ein freiwilliges europäisches Jahr absolvieren.
Was könnte besser zu diesem gelungenen Ambiente passen und über die entgangene Auslandsreise hinwegtrösten als Italo-Pop. Zumal Italien musikalisch als absoluter Exportschlager der vergangenen Jahrzehnte gilt. Mit Songs von Künstlern wie Adriano Celentano, Eros Ramazzotti, Zucchero und vielen mehr wusste Luigi Botta das italienische Lebensgefühl perfekt rüberzubringen. Wie kaum ein anderer verkörpert der Saarbrücker Italien und möchte das Lebensgefühl durch seine Musik näher bringen. Er verstand es, sein Publikum zu unterhalten. Sogar aus spontanen Situationen machte er ein Ereignis. Ein Entertainer der Extraklasse, facettenreich und charismatisch.
Ein italienischer Charmeur alter Schule
„Piccola e fragile“, „Senza una donna“, „Ti amo“ – allein schon diese Sprache klingt wie Musik. Zudem präsentierte sich mit dem Sänger und Gitarristen – Blue Jeans, dunkelblaues Shirt, graumeliertes Haar – ein italienischer Charmeur der alten Schule. Die Gitarre im Arm wie eine Geliebte, so legte Botta sich weit zurück, reckte mit dem Schlussakkord den rechten Arm in die Höhe und rief: „Das ist wieder cool heute Abend! Ihr seid mein bestes Publikum!“ Schon der Eröffnungshit „L'Italiano“ brachte die Zuhörer in Fahrt.
„Kenne mer zusamme singe?“, stachelte er das aufmerksame Publikum an. Das ließ sich nicht bitten und klatschte den Rhythmus begeistert mit. Noch mehr aber fesselte Botta mit seinem emotionsgeladenen Vortrag, in dem sich die erdige, mediterrane Wärme mit effektvoll grellem Rock vereinigte. In Schlagern wie „Marina“, „Volare“ oder „Ti amo“ schwelgte seine dynamische, facettenreiche Stimme beseelt in Liebeslyrik und jubilierte in schwindelerregender Höhe, ohne ins Falsett (Kopfstimme) überzugehen, um gleich drauf in Zerknirschung über verlorene Glücksmomente zu verröcheln.
Eine Stimme zwischen Zärtlichkeit, Aufsässigkeit und Selbstgefälligkeit
Mal sang er mit sanft-rauer Stimme, vermischt mit einer großen Prise Ironie, mal mit kraftvoller Rockstimme. In Songs wie „Every Breath you take“ von Police oder „Più bella Cosa“ von Eros Ramazzotti pendelte seine kehlige Stimme zwischen Zärtlichkeit, Aufsässigkeit und Selbstgefälligkeit, und stets zeigte er ein publikumswirksames Gebaren. Damit fesselte er das Publikum und sang sich in die Herzen. Botta zeigte ein atmosphärisch dichtes Gitarrenspiel, traktierte die Saiten mit virtuosen Improvisationen, fantasievoller Klangmalerei sowie mitreißenden Steigerungen und Effekten, so dass das Instrument mit seiner Stimme quasi um die Wette jaulte, seufzte und wehklagte.
An seiner Seite hatte er aber auch drei Musiker, die es verstanden, die Stimme ihres Frontmannes nach vorn zu tragen. Am Bass brodelte und brummte Luigi Bargio mit viel „passione“ und „Francesco“ Kiefer traktierte virtuos die Tasten seines Keyboards. Daniel Horper erzeugte am Schlagzeug raffinierte Rockmuster, die den Groove stark betonten. Da ging selbst nach drei Stunden kaum einer der begeisterten Besucher früher nach Hause. Kitsch hin oder her – die Italo-Hits sind gute Songs.