Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Liedermacher Marcel Adam beim „Sommerswing“ im Volkspark

Fesselte einmal mehr sein Publikum: Marcel Adam (Zweiter von rechts) und seine Band.
Fesselte einmal mehr sein Publikum: Marcel Adam (Zweiter von rechts) und seine Band.

Mit Marcel Adam war am Mittwochabend einer der bekanntesten Liedermacher aus dem nordfranzösischen und süddeutschen Bereich beim „Sommerswing“ im Volkspark. Zusammen mit seinem Trio bezauberte er rund 400 Besucher, die trotz der empfindlichen Kühle drei Stunden lang und bis zum Schluss ausharrten. Zum großen Bedauern vieler Besucher konnte der Akkordeonist Christian Di Fantauzzi wegen einer Schulterverletzung nicht dabei sein.

Franz Wosnitza ist der große Zampano der Konzertreihe. „Schwarze Wolken waren heute Mittag am Himmel. Da habe ich mein Blumenhemd angezogen und: Das Wetter wurde besser“, sagt er zur Begrüßung. Ganz schön kühl ist es trotzdem am Abend. Die Frage aber, ob ein Künstler auch im fortgeschrittenen Alter noch immer Wegweisendes zustande bringen kann, stellt sich bei dem 72 Jahre alten Marcel Adam wohl kaum. Seine treuen Fans, aber auch Gäste, die den Liedermacher zum ersten Mal erleben, sind Zeugen eines Mannes, der sich nichts mehr zu beweisen hat und nach wie vor auf der Bühne für intensive Momente in Serie zu sorgen kann.

Die Art und Weise, mit er wie viel Gefühl Chansons in französischer und deutscher Sprache vorzutragen und zu variieren imstande ist und mit wie viel Humor er sie zu moderieren weiß, verdient ungeteilten Respekt und macht seine eigentliche Meisterschaft aus. Die ganze Facettenhaftigkeit eines bewegten Lebens spiegelt sich in den Stücken. Ganz gleich ob französische Chansons wie die eingangs präsentierten „Paris s’éveille“ von Jacques Dutronc, „Inch Allah“ von Adamo oder „Linda“ von Gundermann – jedes Chanson vermittelt eine emotionale Ausdruckskraft ohne jede Exzentrik.

Ode an die Oma

Und immer wieder macht der Lothringer seine Späßchen. Vorwiegend über die Saarländer und die Pfälzer sowie die Lothringer und Elsässer. „Ich komm’ bestimmt einmal in den Himmel“, flicht er selbstironisch ein, „zwischen Reinhard Mey und Hannes Wader.“ Um in den Elsässer Himmel zu kommen, stimmt er „Surkrut“ an, das Elsässer Sauerkraut und eine besondere Spezialität dieses Landstrichs, und alle im Publikum singen mit Begeisterung mit. Fehlen darf natürlich auch nicht „S’Onna uff de Bank“, eine Hymne auf Marcel Adams Oma, wie sie kartoffelschälend mit ihrer Nachbarin auf der Bank vor dem Haus sitzt und sogar im Himmel Kartoffeln für Petrus schält. Dabei macht der Sohnemann Yann Loup Adam mit seiner rhythmischen Akkordspielweise ganz schön Tempo, während der zweite Gitarrist Christian Conrad kleine Zauberkunststückchen aus dem Zylinder zaubert und Oliver Abt einen unentwegt pulsenden Bass als Hauptschlagader für die faszinierende Klang-Konstruktion anlegt.

Mit solchen Sprüchen versteht es der Liedermacher Pausen wunderbar zu überbrücken: Für eine Hommage an Charles Aznavour baut Adam „eins der Lieder, das meine Frau nit ums Verrecke leide kann“, ein: „Du lässt dich gehen“. Nur wegen seines Sohnes diplomatischer Vermittlung sei es möglich gewesen, diesen Song auf das Aznavour-Album mit aufzunehmen, beteuert er. Aber sein freches Grinsen und die Gestik beim Singen sprechen Bände. „Ist jemand da, der schon mal verlassen worden ist?“, fragt der Liedermacher in die Menge und singt mit ergreifender Stimme Jacques Brels Chanson „Ne quitte pas“ („Verlass mich nicht“). Brel sei immer schrecklich nervös gewesen vor seinen Auftritten, erzählt Adam. Aber als er „Amsterdam“ zum ersten Mal im Pariser „Olympia“ gesungen habe, hätten die Zuhörer 15 Minuten lang stehend Ovationen gegeben, sagt er. „Wir singen jetzt das Lied, ihr applaudiert eine Viertelstunde lang, und dann machen wir Schluss, ohne Zugabe, genau wie bei Brel.“ Das Lauterer Publikum applaudiert zwar keine 15 Minuten lang, aber die Ovationen sind gewaltig.

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