Kaiserslautern
Lichtblicke im Zoo: Viele Spenden und ein kleiner Trampel
Tyrion scheint verschmitzt zu grinsen. In der Tat erinnert der Gesichtsausdruck des kleinen „Trampels“ an ein freches Lächeln. Tyrion geht’s offenkundig bestens. Der (gar nicht mal mehr so) Kleine spaziert schon ziemlich stolz durch sein Gehege, immer in Sichtweite von Mama Moja, jedoch ein gutes Stück abseits seines Erzeugers. Kamalan stolziert hoch erhobenen Hauptes in einer anderen Ecke des weitläufigen Trampeltier-Geheges umher. Familienleben gibt es bei den Höckertieren nicht, Eltern und Kind müssen räumlich getrennt sein. Mutter und Sohn mit dem mächtigen Hengst im selben Gehege, das ginge nicht gut.
Kommenden Sonntag wird Tyrion sechs Wochen alt. An Palmsonntag, eine Woche vor Ostern, hat er in Siegelbach das Licht der Welt erblickt. Wäre das Frühlingswetter seither öfter heiter gewesen und wütete nicht eine hohe Corona-Inzidenz, der kleine Hengst – in der Tat ein Trampeltier, jene zählen zur Familie der Kamele – wäre wohl der momentan meistbewunderte Zoo-Bewohner.
Stattdessen wird er nur wenig beäugt. „Am Mittwoch waren 13 Leute da – das waren schon Hartgesottene.“ Zoodirektor Matthias Schmitt weiß selbst, dass ein Zoobesuch bei Regen, kaltem Wind und gefühlten Spätwinter-Temperaturen arg gebremsten Spaß bereitet. Bis Donnerstagmittag hatten sich gerade mal zwei Unentwegte eingefunden.
13 Unentwegte an einem Tag
„Dramatisch“ nennt der Zoodirektor die Situation. Zum April-Ende hin habe der Tierpark unter der Woche noch zwischen 150 und 200 Besucher gezählt. Mit Beginn des Mai seien die Zahlen noch mal eingebrochen. Die Testpflicht habe das Ihre beigetragen. Obwohl: „Wir haben ja hier die Teststation, und da bin ich froh drum“, sagt Schmitt. Ohnehin sei die sinnvoll, „da kommen auch Siegelbacher, die nicht in den Zoo wollen, sondern sich eben ganz normal testen lassen können“.
Dass nun auch noch die B 270 saniert wird, bis November Behinderungen und Umleitungen in Kauf zu nehmen sind, mache es nicht besser. Schwierig, findet Matthias Schmitt. Aber: Es gebe durchaus auch Lichtblicke in diesen trüben Tagen.
Ein sogar ziemlich heller Lichtblick: Die Bereitschaft in der Bevölkerung, der notleidenden Institution zu helfen, lässt nicht nach. Binnen vier Wochen ist das Spendenbarometer noch einmal regelrecht hochgeschnellt. Direkt nach Ostern hatte der Zoo-Chef noch erfreut mitgeteilt, dass die Summe auf 115.000 Euro angewachsen sei. Jetzt ist der Pfeil auf der Skala bei dem Wert von 150.000 Euro angelangt.
„Das entwickelt sich zu einer Herzenssache für die gesamte Region“, zeigt sich Schmitt höchst angetan von solch deutlichen Zeichen der Sympathie für eine Einrichtung, die offenbar einen hohen Stellenwert genießt und die es nach Ansicht vieler unbedingt zu erhalten gilt.
Vom Stellenwert zeugt diese immense Spendenbereitschaft, die sich seit dem vergangenen Sommer in eine nie und nimmer erwartete Dimension aufgeschwungen hat. „Ich hab’ noch nie so viele Urkunden unterschrieben und Quittungen unterzeichnet“, hatte der Zoodirektor kurz nach Ostern schon von einer neuen Welle berichtet.
Tierische Patenkinder gefragt
Urkunden? Genau. Solche sind im Zoo in immenser Zahl aufgehängt. Sie künden von Tierpatenschaften, die Besucher – Privatpersonen, aber auch Firmen – übernommen haben. Für einen gewissen Betrag können sie eine Patenschaft für ein Tier ihrer Wahl übernehmen. Damit verbunden ist in der Regel, dass die Menschen ihrem „Patenkind“ einmal auch ganz nahe kommen können. Der Zoo hat das bisher so gehandhabt, dass die Paten eingeladen wurden, bei der Fütterung dabei sein konnten, fachkundige Zoomitarbeiter Wissenswertes darüber vermittelten. Klar, auch das geht momentan nicht.
Trotzdem seien die Patenschaften gefragt wie nie. Die Erlöse daraus machen denn auch ein Gutteil besagter Spenden aus. Das Instrument Patenschaft eigne sich also bestens, um den Zoo zu unterstützen, sagt Schmitt. Wie sich zeige, sähen es die Hilfsbereiten ganz genau so.
Je nach Tierart sind für eine Patenschaft pro Jahr zwischen 25 und 700 Euro fällig. Wer kleine Mäuse süß findet, muss nicht allzu tief in die Hosentasche fassen. Wer allerdings Tyrion offiziell sein Patenkind nennen will, kann mit 700 Euro dabei sein. Die Trampeltiere haben trotzdem viele Patenonkel und -tanten. „Die haben bei Besuchern einen hohen Stellenwert“.
Den hat auch eine gewisse Monja. Da war doch was ... Ja, genau. Monja ist das Albino-Känguru, dessen Junges – Mila – im vergangenen Sommer aus dem Zoo verschwunden ist. Viele hatten Anteil am Schicksal des kleinen weißen Kängurus genommen. Unterdessen hat Monja wieder Nachwuchs im Beutel: Das Junge hat sich bislang nur ab und an ganz kurz blicken lassen. Klar aber ist: Das Kleine ist nicht weiß. Sondern ein „ganz normales“ braunes Bennett-Känguru-Baby.