Kaiserslautern: Leserzuschriften: „Ganze Familie hat besonderes Verhältnis zu Pfaff“
Alexander Kern, Bruchmühlbach: „Unsere ganze Familie hatte ein besonderes Verhältnis zu Pfaff: Meine beiden Großväter waren als Schreiner bei Pfaff beschäftigt. Väterlicherseits Heinrich Kern, mütterlicherseits Mathias Forster. Heinrich Kern kam als Schwerkriegsversehrter aus dem Krieg zurück und konnte nicht mehr arbeiten, Mathias Forster bis etwa 1954 oder 1955.
Karl Pfaff war als Gast auf der Hochzeit meiner Eltern Erika Forster und Erich Kern, davon sind noch zwei Fotos vorhanden. Erich Kern war noch beim „Volkssturm“ und kam unversehrt aus dem Krieg. Karl Pfaff hat sich um diese Jahrgänge besonders gekümmert und sie gefördert, mein Vater war Nähmaschinenmechaniker und auch ein begabter Schlosser. Meine Mutter Erika, geborene Forster, hat in der sogenannten „Ein-Näherei“ gelernt und gearbeitet. Die Hochzeit war wahrscheinlich 1949, ich selbst bin Jahrgang 1953, bei meiner Geburt war Karl Pfaff schon verstorben.
Meine Mutter Erika Kern war (umständehalber) im Pfaff-Nähzentrum in der Schildergasse (?) in Köln, später im Pfaff-Nähzentrum in Kaiserslautern (Ecke Eisenbahnstraße und Mozartstraße/nicht Weberstraße). Der damalige Chef war ein Herr Schneider, die Sekretärin war Lucy Lenhard. Außer meiner Mutter waren noch Frau Liesel Nabinger und Gisela Tavernier, beide aus Frankenstein, im Nähzentrum beschäftigt.
Ich selbst bin praktisch mit Nähmaschine, Bügelmaschine und Handstrickapparat aufgewachsen, daher lag es nahe, Textiltechnik zu studieren. Nach meiner Heirat 1983 war ich noch circa sechs Jahre selbstständig im Außendienst. Danach bin ich bei einer Werkzeugbaufirma hier in Bruchmühlbach (Firma Wolf) gelandet, wo ich 28 Jahre beschäftigt war. In den ersten Jahren war ich oft am Wochenende für die Firma Pfaff unterwegs, der damalige Chef im Nähzentrum war Herr Wolfgang Müller, der dafür gesorgt hat, dass ich meine Provision bekam, er ist leider 2021 verstorben.
Zum Nähzentrum in Kaiserslautern fällt mir noch ein, dass im Hof die Reparaturwerkstatt unter Regie von Herrn Hans Huber war. Die Verbindung zwischen Mozart- und Weberstraße war die Helenengasse, dort auch die Lehrwerkstatt der Firma Pfaff.
Meine leider verstorbene Gattin war auch Schneiderin, natürlich mit der modernsten Nähmaschine „Creative 1467“, heute näht meine Tochter mit dem Modell „Creative 1470“ viele ihrer Kleider selbst.
Der Niedergang der Marke Pfaff begann meiner Meinung nach mit dem Kauf der Firma Gritzner-Kayser in Karlsruhe. Die dortigen Direktoren haben den Sektor Haushaltsmaschinen „an die Wand“ gefahren (wie man so sagt).
Übrigens war ein Spitzname meiner Mutter „Paff Häwwersche“, vielleicht kann sich noch jemand in Kaiserslautern und Umgebung an sie erinnern.“
Bernd Franzinger, Mölschbach: „Bis auf meine Wenigkeit waren alle meine männlichen Vorfahren Pfaffianer. Das Foto zeigt meinen Ururgroßvater Georg als Mitarbeiter der Pfaff-Belegschaft 1866. Er war Modellschreiner und hat damals alle Gestelle der Pfaff Nähmaschinen gefertigt. Meine erste Erinnerung an Pfaff: Ich stehe mit meiner Mutter am Nordtor des Pfaffgeländes mit einem Essenskännchen in der Hand und warte auf meinen Vater, der damals Werkmeister in der Einnäherei war und überreiche ihm sein Mittagessen. Das muss so etwa 1960 gewesen sein.“
Markus Bachmann, Thayngen, Schweiz: „Ich habe meine Ausbildung bei Pfaff absolviert und war anschließend in verschiedenen Funktionen im In- und Ausland für das Unternehmen tätig. Diese Zeit hat meine berufliche Laufbahn und meine Leidenschaft für die Branche nachhaltig geprägt – dafür bin ich bis heute dankbar.
Pfaff war über viele Jahrzehnte hinweg ein Symbol für deutsche Ingenieurskunst, Präzision und Qualität. Man war oft seiner Zeit voraus. Vor der Jahrtausendwende stand das Unternehmen jedoch vor großen strukturellen und strategischen Herausforderungen. Neue Wettbewerber aus Asien, ein sich wandelndes Marktumfeld und interne Spannungen führten dazu, dass Pfaff an Innovationskraft und Marktanteilen verlor.
Die Verlagerung der Produktion ins Ausland markierte einen tiefen Einschnitt – und für viele war es der Moment, in dem „PFAFF – Made in Germany“ seine ursprüngliche Bedeutung verlor.
Wenn man heute auf das Unternehmen blickt, sieht man eine Marke, die von ihrer Tradition lebt, deren Produkte jedoch zunehmend den Anschluss an die technologische Entwicklung verloren haben. Die jüngsten Meldungen über erneuten Stellenabbau sind daher besonders bedauerlich – vor allem für die engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Pfaff über Jahrzehnte geprägt und getragen haben.
Auch wenn Pfaff wohl nicht mehr zu alter Stärke zurückfinden wird, bleibt für mich persönlich eine tiefe Verbundenheit und Dankbarkeit. Pfaff war für viele – mich eingeschlossen – der Startpunkt einer beruflichen Reise, die ohne dieses Unternehmen so nicht möglich gewesen wäre.“
Knut Kreuzmann, Deidesheim: „An meine fast 40 Jahre bei Pfaff mit allen Höhen und Tiefen erinnere ich mich gern. Ohne dass meine Eltern oder Verwandten bei Pfaff waren, konnte ich in den frühen 60er Jahren eine kaufmännische Lehre bei Pfaff anfangen und eine tolle Ausbildung mit den anderen Auszubildenden erleben.
Durch einen drei Jahre langen Einsatz in verschiedenen Bereichen konnte ich mir einen Überblick über die Firma verschaffen, verbunden mit einem schriftlichen Bericht über die jeweilige Abteilung und meiner dortigen Tätigkeit.
Auch die Freizeit mit jährlichen Ferienfahrten an die Ostsee, nach Bayern oder Österreich kam nicht zu kurz.
Das absolute „top event“ oder „Highlight“ würde man heute sagen, war die 100-Jahr-Feier im Jahr 1962 mit zahlreichen Gästen und Funk, TV und Presse im feierlich dekorierten großen Speisesaal.
Im Laufe meiner späteren Tätigkeit war ich dann in der Exportabteilung beschäftigt mit der Händler- und Kundenbetreuung in fremden Ländern.“