Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Leise Töne in der Kammgarn mit dem Niels-Frevert-Trio

Verinnerlichter Glanz: Martin Hornung , Niels Frevert und Christoph Bernewitz (von links) in der Kammgarn.
Verinnerlichter Glanz: Martin Hornung , Niels Frevert und Christoph Bernewitz (von links) in der Kammgarn.

Niels Frevert ist ein exzellenter Musiker. Seine nachdenklichen Lieder gehen in die Tiefe und verzichten auf plakative Äußerlichkeit. In der Kammgarn hatte er einen in der Tat runden, in sich ruhenden und dennoch beständig innerlich aufwühlenden Auftritt.

Ganz allein machte der Liedermacher das freilich nicht. An seiner Seite agierten dicht und kompetent Keyboarder Martin Hornung und Gitarrist Christoph Bernewitz. Mehr brauchte es nicht, man vermisste nicht einmal ein Schlagzeug. Und man hatte auch in dieser kleinen Besetzung keine Schwierigkeiten, im Zusammenspiel mit den Texten die gehaltvolle, ständig ins Publikum wirkende Atmosphäre bis zum Schluss aufrechtzuerhalten.

Grundsätzlich nachdenklich gestimmt (und stimmend), meist leicht melancholisch, sich in Musik und Text gleichermaßen stark emotional äußernd: So präsentierten Frevert und seine Mitmusiker zwischen hanseatischer Tiefsinnigkeit und beständig treibender innerer Kraft all die Liebes- und Lebenslieder aus der Gedanken- und Erfahrungswelt des seit Jahrzehnten aktiven Singer/Songwriters. Da lohnte sich das genaue Zuhören ebenso wie das Nachspüren der zahlreichen, manchmal richtig deftig in Richtung Rock und Pop gehenden rhythmischen und melodischen Finessen.

Freverts aktuelles Programm trägt nicht zufällig den Titel „Putzlicht“. Es ist ein Begriff aus der Gastronomie und Theaterwelt. Wenn die Veranstaltung vorüber ist, geht das grelle, nun alles bisher Verborgene sichtbar machende Gebrauchslicht für die allgemeine Reinigung an. So ähnlich sind auch die Lieder von Niels Frevert.

Sie beleuchten allgemein die Innen- und Außenwelt des Künstlers. Danach fühlt man sich als Zuhörender - bei aller Melancholie - schlichtweg angenehm und gut verstanden. Da ist einer, der nicht selten ganz ähnliche Erfahrungen gemacht und Gedanken hat wie man selbst.

Einfühlsam und intensiv

Es geht unter anderem um persönliche (Schreib-) Blockaden und typische Träume (wie im Titel „Aufgewacht auf Sand“), um Alltags-Aussagen in Liedtiteln, die von ganzen Geschichten und Erkenntnissen umrankt sind („Du kannst mich an der Ecke rauslassen“). Manchmal werden die Liebeslieder auch geradezu surreal („Ich würd’ dir helfen, eine Leiche zu verscharren“). Aber dann hört man auch genau deswegen noch intensiver hin.

Überhaupt bergen die Texte über den Inhalt hinaus öfters kleine, erstaunliche, manchmal auch im „Putzlicht“ gar nicht so deutlich erkennbare Details. So wird schon mal der Titel eines klassischen Horrorfilms eingestreut („Nebel des Grauens“) oder ein alter Rocksong zitiert, den das Publikum in der Kammgarn dann auch prompt anstimmte: „I was made for lovin’ you...“

Schade, dass an diesem Abend nicht allzu viele Fans anwesend waren. Der Stimmung tat’s indes keinen Abbruch. Niels Frevert, der vor längerer Zeit schon einmal mit der Indie-Band „Kettcar“ vor Ort war, fühlte sich nach eigener Aussage erneut sehr wohl in der Stadt und dem Club. Die Anwesenden quittierten den erfolgreichen Auftritt stehend und mit verdient anhaltendem Applaus.

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