Kaiserslautern Leichte Muse im Freien
Nach einer einjährigen (Baby-)Pause) ist die aus Enkenbach-Alsenborn stammende Sopranistin und Regisseurin Esther Mertel mit einer Neu-Produktion im Innenhof des Stadtmuseums zurück: Nach den beiden von ihr initiierten und mitgestalteten (Kurz-)Opernproduktionen 2015 mit Suppés „Schöne Galathee“ und 2016 Rossinis „Hochzeitswirren“ dreht sich jetzt im Open-Air-Konzert am Samstag um 21 Uhr alles um Chansons, Operettenmelodien und Tonfilmschlager.
Mit von der Partie sind neben Esther Mertel die Geigerin Maria Suwelack aus Köln und der aufstrebende Nachwuchsdirigent und hier Pianist Jesse Wong aus Washington. Alle profitieren von Mertels eigener Notenbibliothek mit einem großen Fundus von Titeln der in den 1920er bis in die späten 1940er Jahre legendären Größen wie den Komponisten Friedrich Hollaender, Franz Grothe und Theo Mackeben. Und die wurden so recht populär, weil Diven wie Marika Rökk, Zarah Leander oder Erna Dorothea Sack sich dieses Genres der sogenannten „Leichten Muse“ annahmen und sie nicht auf die sprichwörtliche leichte Schulter nahmen; sondern durch Charme und Charisma nicht nur die damalige Männerwelt verzauberten. Die Lieder haben einen unverkennbar eigenen Humor, der aus heutiger Sicht ins Groteske und Abstruse reicht, was schon bei den Comedian Harmonists bekannt war. Titel wie „Mein Papagei frisst keine harten Eier“, „Meine Oma fährt Motorrad“ oder „Die schöne Andrienne hat eine Hochantenne“ deuten an, was am Samstag ab 21 Uhr auf die Besucher zukommt. Stilistisch zeigen sich frühe Einflüsse des Jazz; Tanzrhythmen wie Tango und Foxtrott liegen vielen Musikstücken zugrunde und fahren bestimmt heute noch in die Beine. „Möglicherweise sind die Besucher schon vorab in gelöster Stimmung“, hofft Esther Mertel als Veranstalterin auf eine nicht minder reizvolle bacchantische Begegnung mit den Öko-Weinen des Weinguts von Hanneke Schönhals aus Biebelnheim, mit der Esther Mertel befreundet ist. Mit Jesse Wong hat Mertel einen – wie sie – an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf engagierten (als Korrepetitor) und erfahrenen Kollegen an der Seite. Dort arbeitet Mertel seit 2011 als Spielleiterin und Regieassistentin. Zuvor war sie nach ihrem klassischen Gesangsstudium in Detmold im Opernstudio des dortigen Landestheaters engagiert. Ihre Weiterbildung in „Musik- und Theatermanagement“ und ihre eigenen Soloprogramme (auch in der Westpfalz gastierend) lassen bereits erahnen, wie breit sie aufgestellt ist. Mit dem 2015 bei uns gegründeten Musiktheaterfestival „Sommer Nacht Oper“ besetzte sie mit kurzweiligen Programmen Nischen. Am neuen, solistisch besetzten Programm reizt sie die euphorische Aufbruchstimmung, die typisch für diese Zeitspanne mit Liedern und Operettenmelodien wie aus der „Csardasfürstin“ seien. Vor allem auch das ungarische Kolorit hat es ihr angetan. Das in der Ausstattung mit der Bühnenkonstruktion aufwendige Projekt werde durch den Kartenverkauf finanziert. Mertels Suche nach Sponsoren war ein desillusionierendes Erlebnis, berichtet sie. Immerhin stelle die Stadt den Hof mietfrei zur Verfügung, allerdings kämen bislang von keiner Seite Zuschüsse, bedauert sie. Daher findet die Veranstaltung aufgrund des hohen Aufwands auch bei nahezu jedem Wetter statt. Bislang waren die Produktionen Mertels für die Mitwirkenden eine Art Sprungbrett nach oben: Der bisherige Regisseur Philipp Westerbarkei inszeniert derzeit die „Zauberflöte“ am Landestheater Coburg. Und der als Dirigent der früheren Kurzoper-Produktionen musikalisch verantwortliche Benjamin Reiners wird ab 2019 Generalmusikdirektor am Theater Kiel. Wie geht es weiter? Mertel initiiert zusammen mit Sabine Heinlein und ihrer Schwester Rebecca Gerstel, geborene Mertel, die Gründung eines Fördervereins in Kaiserslautern, um mit Konzertprojekten in der Region weitere Impulse zu setzen. Da darf man ebenfalls gespannt sein! Info Karten kosten 16 Euro, ein begrenztes Sortiment ist ermäßigt auf acht Euro (Schüler und Studenten). Spenden an den Förderverein sind willkommen. Der Erwerb einer Premiumkarte zu 40 Euro mit reserviertem Sitzplatz unterstützt ebenfalls diese künstlerische Idee. Info und Vorbestellung unter Telefon 0177 181 90 65 oder per E-Mail: sommernachtoper@gmail.com.