Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Lebenshilfe baut Lebensmittelmarkt in Pariser Straße

Die Arbeiten laufen auf Hochtouren: Der Cap-Markt mit Edeka als Partner soll im Sommer 2022 eröffnen.
Die Arbeiten laufen auf Hochtouren: Der Cap-Markt mit Edeka als Partner soll im Sommer 2022 eröffnen.

Die Lebenshilfe investiert weiter im Neubaugebiet P300 im Westen der Stadt. Neben dem Auto-Waschpark entstehen eine Tankstelle und ein Cap-Markt mit einer Verkaufsfläche von 1100 Quadratmeter. Dahinter stehe ein ausgeklügeltes Konzept, sagt David Lyle, geschäftsführender Vorstand der Lebenshilfe Westpfalz.

Der Vollsortimenter, der im Sommer 2022 eröffnen soll, nimmt schon Gestalt an, der Rohbau ist fast fertig. „Wir konnten Edeka als Partner gewinnen“, sagt David Lyle. Der Markt werde als Cap-Markt betrieben. Der Name Cap leitet sich von Handicap ab, der englischen Bezeichnung für Benachteiligung. „Wir verkaufen Produkte von Edeka, auch die Preisgestaltung gibt Edeka vor.“ Das Besondere sei, dass der Markt als Inklusionsbetrieb geführt werde, also Menschen mit und ohne Beeinträchtigung an der Kasse sitzen, in der Bäckerei bedienen, Waren auspacken. Es werde Wert auf eine große Produktvielfalt gelegt.

Regionale Produkte und eine Bäckerei

Der Lebensmittelmarkt soll laut Lyle sehr wertig gestaltet werden, mit viel Holz, großen Fensterfassaden und breiten Fluren. „Das Ambiente ist uns wichtig“. Kommen werde eine große Obst- und Gemüseabteilung. „Regionale Produkte sollen mindestens 20 Prozent des Sortiments ausmachen, die Lebenshilfe plant, eine eigene Marmeladenproduktion aufzubauen.“ Im Eingangsbereich zur Pariser Straße hin werde es eine Bäckerei mit einem angegliederten Café geben. „Da arbeiten wir mit einer ortsansässigen Bäckerei zusammen, um gute Qualität bieten zu können. Auch eine Delikatessenecke ist geplant“, so Lyle. Anders als ursprünglich vorgesehen war, komme keine Metzgerei. „Dafür ist der Markt nicht groß genug.“ 70 Parkplätze sollen gebaut werden. Wobei Lyle davon ausgeht, dass auch viel Laufkundschaft kommen wird, aus dem Bahnheim und dem Wohngebiet am Belzappel. Geöffnet ist voraussichtlich von 8 bis 20 Uhr. Die Suche nach einer Marktleitung läuft.

Lyle geht es bei dem Großprojekt vor allem um eines: „Wir wollen Arbeitsplätze für Menschen mit schweren Behinderungen schaffen.“ Im Endausbau sollen im Waschpark, an der Tankstelle und im Cap-Markt an der Pariser Straße einmal 100 Menschen einen Job finden, davon 40 Prozent mit Beeinträchtigungen. Alle, ob mit Handycap oder ohne, werden fest angestellt und sind sozialversicherungspflichtig. Die Lebenshilfe Westpfalz betreibt in Kaiserslautern auch die Gartenschau, das Brauhaus am Markt und den Online-Shop „Steinehelden“. „Unser Ziel ist, stets neue Arbeitsfelder für Menschen mit Beeinträchtigungen zu erschließen, um jedem das für ihn Passende anbieten zu können.“ Damit die Beschäftigten gut in ihren Job finden, unterhalte die Lebenshilfe eine pädagogische Abteilung, die fachliche Begleitung anbiete. Gerade erst ist ein Wirtschaftspsychologe eingestellt worden, „um noch professioneller zu werden“.

Treue- und Bonussystem soll Kunden binden

Die freie Tankstelle mit acht Zapfsäulen soll Ende des Jahres an den Start gehen. Ist der Bau nicht ein Wagnis angesichts der Diskussion um E-Autos und fünf Tankstellen zwischen Kaufland und Opelkreisel? Lyle verneint. „Ich bin überzeugt davon, dass auch in ein paar Jahren noch Verbrennerfahrzeuge auf den Straßen unterwegs sein werden.“ Außerdem würden sechs E-Ladesäulen gebaut, die Verkabelung sei so geregelt, dass schnell weitere 20 Ladesäulen installiert werden könnten. Außerdem stehe hinter der ganzen Investition die Idee, mit einem Treue- und Bonussystem zu arbeiten, um Kunden an die Lebenshilfe zu binden. „Sie können dann hier ihr Auto innerhalb von 25 Minuten innen und außen reinigen lassen, tanken und einkaufen.“ In Tankstelle und Lebensmittelmarkt investiert die Lebenshilfe elf Millionen Euro.

Lyle sagt, er sei sehr froh, dass der Lebenshilfe-Vorstand dem Projekt zugestimmt habe. Der Verein gehe damit auch ein Risiko ein. „Wir bekommen zwar 600.000 Euro von der Aktion Mensch und 300.000 Euro vom Land, weil wir schwerbehinderte Menschen beschäftigen, der Großteil aber ist über Kredite finanziert.“ Die Lebenshilfe bringe nur einen geringen Anteil an Eigenmitteln ein.

Waschpark läuft besser als geplant

Was den Waschpark angeht, der im Mai an den Start ging, ist die Resonanz viel besser, als erwartet. „Wir haben schon 13.000 Außenwäschen gemacht, zur Innenraumreinigung kommen täglich 150 Fahrzeuge. Das sind dreimal mehr, als wir kalkuliert hatten.“ Zu den Kunden zählten viele Amerikaner.

Die Lebenshilfe bietet in dem Neubaugebiet P300 aber nicht nur Arbeitsplätze an, sondern investiert auch in neue Wohnformen. „Wir bauen auf dem Gelände. Geschaffen werden 36 Plätze für Menschen mit schweren Beeinträchtigungen in Wohngruppen.“ Das komme vor allem jenen zugute, die nicht so mobil sind.

Die Lage des Gebietes hält Lyle für perfekt. „Wir sind direkt an einer Hauptverkehrsachse, die Linie 101 hält direkt am künftigen Cap-Markt und die Nähe zur Vogelweh sei günstig

So soll das Projekt der Lebenshilfe Westpfalz mit Tankstelle und Cap-Markt aussehen.
So soll das Projekt der Lebenshilfe Westpfalz mit Tankstelle und Cap-Markt aussehen.
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