Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Lebenshilfe investiert 20 Millionen Euro im Westen der Stadt

Die Lebenshilfe schafft Arbeitsplätze für Menschen mit Beeinträchtigungen an der Pariser Straße.
Die Lebenshilfe schafft Arbeitsplätze für Menschen mit Beeinträchtigungen an der Pariser Straße.

Es geht voran im Baugebiet Pariser Straße 300. Im Frühjahr soll der Waschpark öffnen, die Tankstelle ist im Bau. Kommen soll noch viel mehr. Vor allem aber entstehen besondere Arbeitsplätze. Ein Besuch mit David Lyle, dem geschäftsführenden Vorstand der Lebenshilfe, auf der Baustelle.

Beim Gang durch den Waschpark auf dem Gelände des ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerks strahlt David Lyle. Weil da keine normaler Betrieb entsteht. Geplant sind in dem Gebäude direkt an der Ost-West-Achse vor allem Arbeitsplätze für Menschen mit Beeinträchtigungen. Deshalb landen die Fahrzeuge, nach dem sie außen automatisch gereinigt wurden, auf einem Fließband. Dort gibt es verschiedene Stationen, die Menschen mit Handicap gut bedienen können. Einer reinigt den Fußraum, der nächste putzt von innen die Scheiben, eine Station weiter werden die Sitze gesäubert, dann kommt das Armaturenbrett dran. „Das ist so aufgebaut, dass auch Menschen, die einen hohen Unterstützungsbedarf haben, zurecht kommen, weil sie immer die gleiche Tätigkeit ausführen“, erklärt Lyle. Wer sein Auto zur Reinigung abgebe, könne in einem kleinen Café, das sich im Waschpark befindet, warten, bis das Auto sauber ist. Im Schnitt dauere das 25 Minuten. Das Konzept sei ziemlich einmalig, betont Lyle. Der Probebetrieb läuft.

Lego-Onlinehandel Steinehelden zieht ein

Eine Etage höher, in die ein Lastenaufzug führt, der 400 Tonnen aushält, zieht der Lego-Onlinehandel Steinehelden der Lebenshilfe ein, der bislang in der Forellenstraße residierte, dort aber aus allen Nähten platzt. Auch hier geht es wieder nur um eines: Arbeitsplätze anzubieten. „Wir suchen permanent nach Beschäftigungsmöglichkeiten, die Menschen mit Behinderungen gut ausführen können, ohne dabei unter Stress zu geraten.“ In dem kleinen Logistikzentrum werden Legopackungen für den Versand fertig gemacht. in Spitzenzeiten gehen 1400 Pakete am Tag raus.

Gegenüber dem Waschpark, der im Frühjahr öffnet, wird auch schon gebaut. Dort entsteht an der Gustav-Eiffel-Straße eine Tankstelle. Dahinter kommt ein sogenannter Cap-Markt, ein Supermarkt mit 1100 Quadratmeter Verkaufsfläche. Cap-Märkte gehen auf eine Initiative der Genossenschaft der Werkstätten für behinderte Menschen in Stuttgart im Jahr 1999 zurück, mit dem Ziel, dauerhaft Arbeitsplätze außerhalb der Behinderten-Werkstätten zu schaffen. „Es wird darin eine Bäckerei geben sowie eine Wurst- und Käsetheke“, erläutert Lyle. Eröffnung des etwas anderen Supermarktes soll im Sommer 2022 sein. So etwas fehlte bislang in dem Wohngebiet Bahnheim und Belzappel. Im Endausbau soll es an der Pariser Straße 80 Arbeitsplätze unter der Regie der Lebenshilfe geben, kündigt Lyle an, der auch auf der Gartenschau Regie führt.

Wohngemeinschaften und ein Pflegedienst

Sogar Wohnangebote für Menschen mit Beeinträchtigungen sind geplant. Ein Gebäude, in dem zwei Wohngemeinschaften für je sechs Personen untergebracht werden, steht bereits. Ein weiteres Gebäude kommt noch hinzu. Auch ein ambulanter Pflegedienst wird angesiedelt. „Da sind wir gerade in der Gründung.“

„Wir versuchen hier etwas ganz Neues“, erklärt Lyle. Das Neubaugebiet sei von Anfang an auf Integration angelegt gewesen. Deshalb baue die Lebenshilfe auch eine Kindertagesstätte. Es soll hier ein ganz selbstverständliches Miteinander zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen wachsen. Leben und Arbeiten in einem Viertel sei das Ziel. Die Stadt sei von Anfang an Feuer und Flamme für das Projekt gewesen und habe es unterstützt. Ideal sei, dass das neue Viertel im Westen der Stadt sehr gut angebunden sei. Direkt an der Einfahrt ist eine Bushaltestelle der Linie 101.

Über 20 Millionen Euro investiert die Lebenshilfe Westpfalz in dem neuen Wohngebiet, wo einmal rund 350 Menschen leben sollen. Die Lebenshilfe gehe bei so einem Projekt ein hohes Risiko ein, alles sei über Kredite finanziert, erläutert der 59-jährige geschäftsführende Lebenshilfe-Vorstand, der berichtet, mit Leidenschaft neue Ideen zu entwickeln. Dazu gehöre viel Mut. „Wir haben im Vorfeld viel Rat eingeholt, alles ist gegengeprüft, damit es funktioniert.“ Am Ende gehe es immer darum, etwas für die Gesellschaft zu tun, für ein besseres Miteinander. Betrieben werden der Waschpark, Online-Handel, Cap-Markt und Tankstelle von der Integrationsgesellschaft Kaiserslautern.

Auch eine Tankstelle entsteht auf dem früheren Gelände des Eisenbahnausbesserungswerks.
Auch eine Tankstelle entsteht auf dem früheren Gelände des Eisenbahnausbesserungswerks.
Im Waschpark läuft der Probebetrieb.
Im Waschpark läuft der Probebetrieb.
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