Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Lazarus Dream legt neues Rock-Album vor

Jetzt folgt der zweite Streich: Carsten Schulz (links) und Markus Pfeffer legen mit „Lifeline“ ein neues Album auf.
Jetzt folgt der zweite Streich: Carsten Schulz (links) und Markus Pfeffer legen mit »Lifeline« ein neues Album auf.

Die Kaiserslauterer Hardrock- und Progressiverock-Formation Lazarus Dream legt nach ihrem Debüt-Album „Alive“ mit ihrem neuen Rock-Album „Lifeline“ nach. Die Kompositionen haben es in sich.

Hinter Lazarus Dream stecken der Kaiserslauterer Multi-Instrumentalist und Komponist Markus Pfeffer sowie Sänger und Texter Carsten „Lizard“ Schulz. Doch genau genommen sind es nicht nur die beiden Masterminds, die hier zusammenarbeiten. Eine ganze Menge erfahrener, zum Teil schon beim Erstling involvierte Mitmusiker sind wieder am Start. Sie machen es wahrscheinlich, dass „Lifeline“ den Debüt-Erfolg vor gut eineinhalb Jahren übertrifft.

Außer Winterland-Gründer Markus Pfeffer an Gitarre, Bass und Keyboard und dem sich kongenial mit sonor-rauer Stimme einbringenden Carsten Schulz ist wieder Markus Kullmann in allen Titeln am Schlagzeug dabei. Thomas Nitschke sorgt erneut und Jorris Guilbaud erstmals in je einem Titel für tragendes Keyboard-Gewebe. Die Perkussionisten Thomas Rieder und, ebenfalls neu dabei, Andy Lübbert füllen rhythmische Lücken präzise auf. Viel zu tun haben sie indes nicht.

Ein siebenminütiger Opener

Der melodische, nur manchmal ins heftig Metallische spielende Lazarus Dream-Hardrock mit leichter 1980er-Jahre-Prägung ist in Aufbau und Ausführung wohl durchdacht, kompakt und dicht bis in den innersten Kern. An der Oberfläche ist der Sound allenfalls angenehm aufgeraut durch Pfeffers ebenso expressive wie exzessive Gitarrensoli, die sich mehrfach auf „Lifeline“ in einem schier unglaublichen Tempo vollziehen.

Die Kompositionen haben es in sich. Der fast siebenminütige Opener „Dead End Symphony“ bläst den Zuhörer – nicht nur wegen eines des eruptivsten Gitarrensoli der ganzen Produktion ab Minute vier – förmlich weg. Hinzu kommen gesellschaftskritische Aussagen im Text, die auch in etlichen anderen Lyrics von Schulz eine Rolle spielen, so in „Overdose Of Paradise“.

Videoclip von Christian Esche

Als ganz besonderen Gastmusiker konnte die Band für „Dead End Symphony“ den amerikanischen Keyboarder Derek Sherinian (Dream Theater, Kiss) gewinnen. Sein markantes Spiel verleiht dem ohnehin schnittigen Stück einen zusätzlichen Schub.

Das auch als Anspieltipp empfohlene „Dead End Symphony“ ist im Übrigen auch als Video umgesetzt worden, in dem Sherinian allerdings nicht erscheint. Auf YouTube ist dieser von dem versierten Fotografen und Videokünstler Christian Esche produzierte Clip seit Kurzem zu sehen. Esche hat auch schon frühere Videos für Lazarus Dream produziert und ein solides Gespür für die Individualität der Gruppe entwickelt. Auch diesmal ist es ihm gelungen, die Akteure und ihren Sound professionell einzufangen und mit passenden optischen Reizen zu versehen.

Fruchthalle als Kulisse

Musikfans aus Kaiserslautern dürften überrascht sein, denn ein guter Teil der „Dead End Symphonie“-Aufnahmen wurde in der mit Feuer- und Funkenflugeffekten stimmungsvoll in Szene gesetzten Fruchthalle aufgenommen. Und noch etwas von angenehmem Wiedererkennungswert: Auch Nina Uher, die 2020 schon im „House Of Cards“-Video zu sehen war, ist in diesem Video wieder mit guter Leistung dabei.

Apropos Video-Auftritt: Im Video zu einem zweiten „Lifeline“-Song, dem Ohrwurm „Mind Like A Windmill“, ist erstmals auch Drummer Markus Kullmann in einem Lazarus Dream-Clip zu erleben. Reinhören und -sehen lohnt sich sowohl wegen des Titels als auch wegen des intensiven Spiels Kullmanns.

Überraschende Gimmicks

14 Songs sind es für „Lifeline“ geworden, inklusive zweier Bonus-Tracks. Und während deren Qualität keine Überraschung ist, wartet das Album insgesamt immer mal wieder mit kleinen, positiv überraschenden Gimmicks auf. Sei es in den Stücken selbst, wenn sich etwa in „Crack The Hourglass“ eine fast chorale Vokal-Passage mit Macht ins Ohr drängt. Oder wenn der letzte offizielle CD-Titel „Lonely Is The Night“ am Ende wie unbeabsichtigt einfach abgeschnitten wirkt. Oder sei es das Booklet zur CD mit allen Texten und einem zu allerlei Interpretationen anregenden Cover: Zwei Personen gehen hoch über der Erde auf einem Seil laufend aufeinander zu.

Selbst das Repertoire als solches hat noch eine Überraschung parat, wenn nämlich zum Schluss als zweiter Bonus-Song der Animotions-Hit „I Engineer“ von 1986 in einer vokal und rhythmisch aufgebohrten Fassung ertönt. Wirklich das definitiv letzte Stück? Nein, noch nicht. Denn in der Download-Version des Albums gibt es mit „Once Upon A Time“ noch einen Track Nummer 15. Er hat auf der physischen CD keinen Platz mehr gefunden.

Gute Qualität in Sachen Komposition, Spieltechnik und Gesang, professionelle Abmischung, nette Überraschungen und Dreingaben: Bei „Lifeline“ fehlt es an nichts. Prädikat: empfehlenswert.

Info

Das Album „Lifeline“ der Kaiserslauterer Band Lazarus Dream gibt es unter anderem im Fachhandel und als Download über die bekannten Streaming-Portale. Infos zur Band, dem Album und dessen Bezugsmöglichkeiten sind auch über die Homepage der Plattenfirma unter www.prideandjoy.de abrufbar.

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