Kaiserslautern
Lautrer Sommerabend: Reise durch die Musikjahrzehnte
Von wegen Sommerloch: das Konzert auf dem St.-Martins-Platz, dessen Zuhörer-Kulisse und die musikalische Qualität erinnerten an deutlich größer dimensionierte Veranstaltungen.
Ungefähr an jener Stelle, an der es auch beim Altstadtfest immer ziemlich eng wird, standen diesmal die nahezu immer besetzten Liegeplatz-Klappstühle und dahinter in gleich mehreren Reihen sowohl von Anfang an aufmerksame Zuhörer als auch Passanten, die sich anscheinend nur mal eben durch die Menge drängen wollten – und dann doch beeindruckt stehen blieben und sich Richtung Bühne orientierten.
Breites Repertoire
Dort wurde einem ja auch in Sachen Repertoire und Qualität so einiges geboten. Quer durch die Jahrzehnte und Stile populärer Musik ging die vierstündige Reise. Sie reichte von Elvis und seinem „All Shook Up“ bis in die 2000er Jahre hinein („This Is the Life“), enthielt Cover-Klassiker wie das „Hotel California“ und den „Englishman in New York“, berücksichtigte auch seltener live gespielte Hits vergangener Tage à la „I Can’t Stand the Rain“. Damit berührten die Vier stilistisch Vieles von dem, was ankommt, mitreißt, auch mal laut mitgesungen werden kann: Rock und Beat, Pop, Country und Reggae – langweilig wurde es allein deshalb schon mal in keinem Moment des vierteiligen Konzerts.
Das lag auch daran, dass die beiden MarTINA-Namens-Paten Tina Skolik (Gitarre und Gesang) und Martin Müller (Bass) zusammen mit ihren Saarbrücker Extra-Kollegen, dem Musiker-Ehepaar Endi (Gitarre und Gesang) und Melanie Caspar (Percussion), stets ein bisschen mehr taten als lediglich Versionen bekannter Titel schnöde nachzuspielen. Nicht nur durch die Besetzung wurden hier im Vergleich zu den Vorbildern mitunter andere Schwerpunkte gesetzt, auch ungewöhnliche kreative Elemente ließen zusätzlich aufhorchen. In Johnny Cashs „Ring of Fire“ etwa imitierte man die Mariachi-Trompeten am Anfang des Originals mangels echter Instrumente einfach mal mit dem Mund – das machte vor der Bühne ordentlich Laune, war originell und klang gar nicht mal so schlecht.
Erfahrene Musiker
Hinzu kam (und war als Voraussetzung unabdingbar), dass die erfahrenen „alten Hasen“ nicht nur ihre personalen und musikalischen Vorbilder genau kennen, sondern deren Eigenheiten auch vor allem technisch umsetzten können. So bekam Endi Caspar beispielsweise typische Elvis-Vokalismen ebenso gut hin wie die gesamte Gruppe bei „So Lonely“ etwa den schwierigen Rhythmuswechsel innerhalb des Titels: bruch- und tadellos. So funktioniert anspruchsvolle Coverarbeit, deren elegant gratwanderndes Ergebnis zwischen Originalnähe und Interpretation sich nicht einfach mit einem abschätzigen „Klingt wie schon 1000 Mal gehört“ einschätzen lässt.
Kein Wunder also, dass das Publikum in der Regel aktiv zuhörte, offensichtlich zufrieden war und die gute Stimmung dauerhaft anhielt. Da gab es allenthalben viel Applaus, wippende Füße in den Liegestuhlreihen und, wo sich denn Platz dazu bot, hin und wieder sogar ausdauernd tanzende Fans. So wurde der Martins-Platz quasi über Stunden hinweg zum MarTINA-Platz; es herrschte trotz der Bullenhitze an jenem langen Abend wieder einmal eine besonders gute Stimmung an dieser auch sonst schon gerne frequentierten und lebendigen Stelle.
Info
Der nächste „Lautrer Sommerabend“ findet am Dienstag, 26. August, ab 17 Uhr vor der Stiftskirche statt. Es spielt dann die Südpfälzer Band Acoustic Vibration (in verkleinerter Besetzung) unter dem Motto „Gänsehautmomente pur“.