Kaiserslautern
„Lautern liest“: Der Auftakt ist geglückt
Eines gleich vorweg: das Ambiente und die Atmosphäre beim literarischen Treffen in Lauterns beliebtem Lesesaal und das gemeinsame Lesen jeweils eigener Texte passte perfekt. Es entstand eine ideale Stimmung, vorzulesen und zuzuhören, das heißt einzutauchen in die Geschichtswelten der Poeten Andreas Fillibeck, Gerd Forster, Karen Joisten, Eva Paula Pick und Stefanie Schmoll, sogar mit Wegweiser in Person des moderierenden Buchhändlers Morphy Burkhart. Von ihm erfuhren die zahlreichen Besucher, dass die Autorengruppe hier speziell für das „Organ PalatinArt“ auftritt, da die Auflagen ab 2027 auf der Kippe stünden. Und so warb das Motto „Lautern liest“ ebenso für das Publizieren von Lesestoff in diesem heimischen Magazin.
Beispielsweise solches wie „Der Tonmacher“. Fillibeck vertextet darin jenen Moment im voll besuchten Volkspark, als Gitarrentöne eine unglaubliche Stille durchbrachen, sich nach und nach hinhörende Köpfe erhoben, während unzählige Handys zu Boden glitten. Oder Schmolls Kurzgeschichte voller Gebrüll eines Vaters, während die Geschwister unter der Bettdecke – also „wie Odysseus und seine Gefährten in der Höhle des Zyklopen“ – ausharrten. Spezielle Aufmerksamkeit erweckte ein Doppelbeitrag mit dem Text „samsamer sidestep“ von Pick und dem Antworttext „stehendes gekreisel“ von Joisten. In Kurzfassung kaum wiederzugeben, geht es darin um jene herrliche Melodie teils neu kreierter, sich wohlig umschmeichelnder Worte ähnlichen Buchstabenklangs.
Vorlesen als Erlebnis
Dazwischen bauen sich Gedankenbrücken auf, die des Nachdenkens wert erscheinen. Eine lautmalerische Lesart, die vorgelesen am eindrucksvollsten erlebt wird. Mit einer Würdigung des 91-jährigen Gerd Forster unterbrach Burkhart das Vorlesen. Unter anderem verwies er darauf, dass der ehemalige Gymnasiallehrer „einer der wichtigsten Autoren (ist), die die Pfalz in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hervorgebracht hat. In allen Sparten zu Hause, war und blieb er aber in erster Linie Lyriker. Kürze und Knappheit der Sprache und ein warmer Grundton sind Gerd Forsters Markenzeichen, die sein ganzes Schaffen durchziehen.“
Danach stand der Gewürdigte selbst am Pult und las im Wechsel mit seiner Ehefrau Uscha von jenen zwei Reisen nach Paris. Die eine passiert heutzutage in zweieinhalb Stunden per Bahn. Und die andere passierte dem Komponisten Mozart und seiner Mutter, die auf den meist holprigen, oft auch nassen Wegen ab Mannheim neuneinhalb Tage benötigten. Ein Text, der ob winziger liebevoll beobachteter Details schmunzeln lässt, so dass es am Ende heißt: „Dennoch entstehen herrliche Sonaten. Im Sommer stirbt die Mutter“. Was hier an Texten nur kurz angerissen wurde, lohnt des Nachlesens. Es lässt sich mühelos mit dem Kauf der bisherigen fünf Ausgaben zu den Themen Revolution von 1848/49 in der Pfalz, Grenzen, Idylle, Mythen und Architekturen sogar als Urlaubslektüre umsetzen.